Manon Garms DH

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Landkreis 22.02.2019 Von Manon Garms

Generationen nicht gegeneinander ausspielen

Neid-Debatte in der Gesellschaft: Wird mehr für Kinder und Jugendliche oder für die Senioren getan?

Der demografische Wandel – immer mehr ältere Menschen und immer weniger jüngere – lässt sich nicht wegdiskutieren. Auch dann nicht, wenn einige Kommunen sich über steigende Geburtenraten freuen dürfen. Fakt ist, dass für die vielen älteren Menschen etwas getan werden muss und sie nicht einfach aufs Altenteil geschickt werden dürfen. Und tatsächlich passiert auch einiges.

So wird in der Stadt Nienburg in der kommenden Woche ein neuer Seniorenbeirat gewählt; und Stadtbusgesellschaft, Verkehrswacht und Polizei bieten jetzt in der Kreisstadt Trainings an, mit denen Nutzer von Rollstühlen und Rollatoren mobil bleiben sollen. Das sind nur zwei Beispiele – wobei sich das Mobilitätstraining natürlich auch an jüngere Menschen richtet, die auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind.

Leider jedoch gibt es an Projekten und Aktionen für die älteren Menschen auch Kritik. Das wäre grundsätzlich nicht schlimm, wenn in dieser Kritik nicht deutlich würde, dass es eigentlich nur um Neid geht. So bemängelte kürzlich ein Nutzer auf der HARKE-Facebook-Seite, wo über das „Seniorenkochen“ in Loccum berichet wurde, dass es nur Senioren im Landkreis Nienburg zu sein scheinen, für die Angebote gemacht würden.

Man lese nie von Aktionen für Jugendliche oder Kinder. Das ist schlicht und einfach falsch, denn es gibt sehr wohl Angebote für die jüngeren und ganz jungen Menschen. Im Nordertor entstehen beim Projekt „KinderKunst im Quartier“ kleine Kunstwerke von jungen Künstlern. Der Nienburger Hans-Jürgen Meyer finanzierte kürzlich Schwimmkurse für Kinder, deren Eltern nicht so viel Geld haben. Auch das sind nur zwei Beispiele.

Kritik gibt es aber auch am Engagement für die jungen Menschen – unter anderem am Jugendrat in Nienburg. „Warum muss es dieses Gremium überhaupt geben?“ Diese Frage stellte mir kürzlich ein älterer Mitbürger: Die Jugendlichen hätten doch eh keine Lust, sich dafür zu engagieren.

So etwas zu hören, ist schade. Nicht nur, weil es alle Jugendlichen über einen Kamm schert, sondern weil auch in diesem Fall der Satz folgte: „Ich habe das Gefühl, für die jungen Menschen wird alles gemacht, und die Senioren fallen hinten runter.“

Tatsache ist, dass es im Landkreis Angebote für alle Altersgruppen gibt. Wer seine Augen davor nicht verschließt, sieht das auch. Jede Altersgruppe sollte den anderen das für sie geleistete Engagement gönnen. Schließlich werden auch die Jungen alt, und die Alten waren irgendwann mal Kinder. Das Schlimmste, was sich eine Gesellschaft selbst antun kann, ist, dass ihre Generationen sich gegeneinander ausspielen – auch und gerade wegen des demografischen Wandels.

Was meinen Sie? Die Autorin erreichen Sie per E-Mail an m.garms@dieharke.de.

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Erstellt:
22. Februar 2019, 16:39 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 19sec

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