„Geplante Querungshilfe ist unsinnig“

„Geplante Querungshilfe ist unsinnig“

Birgit und Heiko Ziesenis halten eine Querung für Radfahrer am Ortsausgang für unnötig und auch gefährlich. Foto: Büsching

Heiko Ziesenis steht mit seinem Fahrrad am Ortsausgang von Winzlar. Dort, wo im Zuge der Sanierung der Kreisstraße 10 eine Querungshilfe gebaut werden soll. „Das ist doch unsinnig“, sagt er. Der Winzlarer Kommunalpolitiker, der für die SPD in Orts- und Stadtrat sitzt, missbilligt die Planung. An der genannten Stelle seien „Unfälle vorprogrammiert“. Bei der Straßenbaubehörde kann man Ziesenis‘ Bedenken nicht nachvollziehen.

Wer durch Winzlar Richtung Rehburg radelt, soll dies – nach der Sanierung der Kreisstraße – rechtsseitig auf einem (noch einzurichtenden) Fahrradschutzstreifen auf der Fahrbahn tun und im Bereich des Ortsausgangs die Straßenseite wechseln, um dann auf dem bereits bestehenden Radweg weiter Richtung Rehburg zu fahren.

Wir werden uns in Zukunft mit einem erhöhten Unfallaufkommen an dieser Stelle beschäftigen.Heiko Ziesenis aus Winzlar

„Das macht doch keinen Sinn“, sagt Ziesenis. „Der Bereich liegt hinter einer nicht einsehbaren Kurve, verdeckt durch Baumbewuchs und Hausbebauung. Absolut unübersichtlich.“ Auch beschleunigten etliche Autofahrer noch in der Kurve. Nach Angaben der Straßenbaubehörde soll das Ortsschild in Richtung Rehburg versetzt werden, sodass nur 50 Stundenkilometer erlaubt sein werden. Und dennoch: „Ich bin der Meinung, dass wir uns in Zukunft mit einem erhöhten Unfallaufkommen an dieser Stelle beschäftigen werden“, ist der Winzlarer überzeugt. Die geplante Fahrradspur sei zudem unnötig; Radler könnten ganz bequem den bereits durch den Ort bis Rehburg verlaufenden Radweg nutzen, ohne die Straßenseite wechseln zu müssen. „Da werden Steuergelder verschwendet, das geht mir gegen den Strich“, sagt Ziesenis. Sollte eine Querung zwingend notwendig sein, halte er diese im Ortskern für sinnvoller.

Bedenken in politischen Gremien kundgetan

Seine Bedenken hat Ziesenis in politischen Gremien kundgetan. Die Stadtverwaltung, die nicht Bauherrin ist, hat seine Einwände an die zuständigen Behörden, die Niedersächsische Behörde für Straßenbau und Verkehr (NLStbV) und den Landkreis, weitergeleitet und um Überprüfung gebeten. „Tatsächlich war meine erste Reaktion auch die, dass es sicherlich geeignetere Stellen für die Querungshilfe gibt“, räumt Stadtbürgermeister Martin Franke ein. Doch die geplante Querungshilfe entspreche dem gängigen Regelwerk. Und: Die Sichtverhältnisse seien überprüft und für ausreichend befunden worden. „Dabei hat man übrigens nicht nur die an dieser Stelle zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h berücksichtigt, sondern quasi schon ein Fehlverhalten der Autofahrer einkalkuliert und 70 km/h zugrunde gelegt“, erläutert Franke. Er könne die Argumentation der NLStbV daher nachvollziehen und gehe „nicht davon aus, dass sich dort ein Unfallschwerpunkt entwickeln wird“, sagt Franke.

Nach Ansicht der Straßenbaubehörde reiche der bestehende Radweg, der im Gegenverkehr befahren werden müsse, nicht aus, erläutert Behördenleiter Uwe Schindler: „Für Radfahrer ist es am besten, wenn auf jeder Seite ein Radweg für eine Fahrtrichtung vorhanden ist.“ Dies sei aus Platzgründen nicht immer möglich. Gegenverkehr auf Radwegen biete aber Gefahren, deshalb soll auf der sanierten, breiteren K10 in Winzlar eine Radfahrerfurt auf der Fahrbahn abmarkiert werden. Ziesenis’ Bedenken teilt Schindler nicht: Bei der Querung an geplanter Stelle habe der Radfahrer eine Sichtweite von rund 100 Metern in beide Richtungen. Um die Sicherheit zusätzlich zu erhöhen, werde das Ortsschild versetzt. Das Konzept sei mit dem Landkreis, der Stadt, dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub und Trägern öffentlicher Belange abgestimmt, betont Schindler.

Die Sanierung der Kreisstraße 10 ist im diesjährigen Bauprogramm des Landkreises Nienburg enthalten. Die Ausschreibung ist nach Angaben der Straßenbaubehörde in Vorbereitung, die Vergabe soll noch in diesem Jahr stattfinden. Der Baubeginn für die rund einjährige Maßnahme, die mit einer Vollsperrung der Durchgangsstraße einhergeht, stehe indes noch nicht fest. Ursprünglich war September angepeilt. Franke teilte in der jüngsten Stadtratssitzung mit, dass ein Baubeginn in diesem Jahr allerdings sehr unwahrscheinlich sei.