„frostland“ heißt der neue Norderney-Krimi von Tomas Cramer. Foto: Tomas Cramer

„frostland“ heißt der neue Norderney-Krimi von Tomas Cramer. Foto: Tomas Cramer

Schweringen 23.02.2020 Von Die Harke

Gerdes ermittelt auf Norderney

Mit „frostland“ legt Tomas Cramer aus Schweringen seinen Folgeroman vor

„Wir können Ihnen dabei helfen, Frank und Antje wieder zusammenzubringen“, war der gut gemeinte Rat einer Frauengruppe, die Tomas Cramer während einer seiner Lesungen mit diesem Vorschlag überraschte, und dann noch der Nachsatz: „Bitte beeilen Sie sich mit dem nächsten Buch.“ Nun gab es kein Zurück mehr – Cramer versprach, nachzulegen.

Nach dem Überraschungserfolg des Kriminalromans „Novemberblut“, dessen Erstauflage schon nach zwei Wochen vergriffen war, legt Cramer mit „frostland“ einen weiteren Fall des Hamburger Privatermittlers Frank Gerdes vor, und die Reaktionen sind durchweg positiv. Erneut trifft Gerdes auf seine Jugendliebe Antje, und auch der grantelnde Hauptkommissar Deeken und sein junger Kollege Vaske führen in diesem Fall wieder die polizeilichen Ermittlungen. Die neue Kriminalgeschichte spielt jetzt noch weiter im Norden, auf der winterlichen Nordseeinsel Norderney.

Grausame Morde auf Norderney


Zwei grausame Morde erschüttern die Insel. Mordopfer sind der ehemalige Chefarzt der Inselklinik und der örtliche Gemeindepfarrer. Als die polizeilichen Ermittlungen ins Stocken geraten, wird Privatermittler Frank Gerdes von seiner Jugendfreundin Antje gebeten, eigene Nachforschungen anzustellen. Gerdes stößt auf Korruption und den schleichenden Ausverkauf der Insel.

Es geht um Liebe, heimliche Schwangerschaft, Transgender und einen handfesten Kirchenskandal, abgeleitet von einer wahren Begebenheit. Gerdes‘ unorthodoxe Ermittlungsmethoden führen ihn auf eine dreißig Jahre alte Spur aus Missbrauch und Affären. In diesem Zusammenhang ergibt sich eine Fährte nach Schottland, er kehrt wieder nach Norderney zurück, wo es zu einem nervenaufreibenden Showdown kommt. Während Gerdes Stück für Stück die Verflechtungen entwirrt, gerät er selbst in Lebensgefahr.

“frostland“ führt den Leser durch eine komplexe Handlung mit ganz unterschiedlichen Strängen, die zum Ende hin stimmig zusammenlaufen – nicht ohne Tiefgang, nicht ohne Humor und Action, von allem etwas. Anders als im ersten, etwas ungewöhnlichen Frank Gerdes-Fall, folgt “frostland„ nun der herkömmlichen Linie eines Kriminalromans mit Verbrechen, Ermittlungen, Höhepunkt und Auflösung, mit Lokalkolorit und Inselflair.

Recherche betrieb Tomas Cramer vor Ort auf der Insel, unterstützt wurde er dabei vom Heimatverein Norderney, dem Norderneyer Stadtarchiv, dem Ersten Polizeihauptkommissar Thomas Elsner von der Polizeiakademie Niedersachsen in Nienburg und der Hebamme Heike Goldyn aus Schweringen. Ein Verlagswechsel zu den renommierten CW Niemeyer Buchverlagen folgte, der im Frühjahr auch den ersten Frank-Gerdes-Roman „Novemberblut“ in der dritten Auflage neu herausgeben wird.

„Zu Beginn meiner Schreibtätigkeit war ich mir nicht sicher, ob die Storys, die ich schrieb, den Anforderungen für eine Veröffentlichung gerecht werden“, berichtete Tomas Cramer. „Jedenfalls wollte ich nicht als Selfpublisher starten. Viel lieber wollte ich meine Texte von einem Verlag beurteilt sehen, um herauszufinden, ob sie qualitativ gut sind. Und als die Verlagszusagen sich häuften, war mir klar, es konnte weitergehen.“

Die positive Resonanz überregionaler Institutionen auf seinen Debütroman “Trauerwelten„ veranlasste Cramer weitere Bücher auch für junge Leser zu schreiben, wovon unter anderem das Buch „Das verwunschene Museum“ Schullektüre ist. 2016 wurde „Trauerwelten“ in die Fachbuchliste des Palliativnetzes aufgenommen. Der Autor wechselte das Genre – er schrieb seinen ersten Kriminalroman, weil „ich sie selbst gerne lese“, bekennt er. Cramer ist auf Schul- und Krimilesungen unterwegs, er unterstützt aktiv die Initiativen der Stiftung LESEN „Welttag des Buches“, sowie „Der bundesweite Vorlesetag“ und macht nebenbei elektronische Popmusik für YouTube.

Nichts ist, wie es scheint


Er erzählt, was ihn beim Schreiben bewegt: „Mir liegen Geschichten am Herzen, die nicht zwingend von blutrünstiger Gewalt und Brutalität bestimmt sind. Sie mögen notwendiges Beiwerk zur Illustration des Bösen sein, wichtig sind mir aber vor allem jene Geschichten, in denen Menschen mit gebrochenen Biografien und unangepassten Lebensentwürfen ihr Schicksal bewältigen müssen – ähnlich in der skandinavischen Literatur.“

Cramers Bücher sind auch etwas für schwache Nerven. Er schreibt keine Thriller, die primär auf Nervenkitzel abzielen, es sind Krimis mit leisen Zwischentönen, die es in sich haben, und an denen man reifen kann. „Feinsinnige, zwischenmenschliche Begegnungen, denen man nicht sofort anmerkt, was sich dahinter verbirgt. Nichts ist, wie es scheint. Enttäuschungen und verpasste Chancen sind Erfahrungen, die uns mehr oder weniger ein ganzes Leben hindurch begleiten.

Das greife ich in meinen Geschichten auf, weil es etwas mit dem realen Leben zu tun hat“, sagt Cramer. Und weiter: „Persönliche Geschichten interessieren mich, denn aus ihnen kann ich lernen, kann ich mich weiterentwickeln. Nichts ist spannender als neue Erfahrungen und interessante Begegnungen. Ich kann unmöglich wissen, warum mein Gegenüber so oder so reagiert, aber es hat seinen Grund, der oftmals in seiner Vergangenheit begründet liegt und bis heute hin Auswirkungen hat. Dies beschreibe ich in meinen Romanen. Nicht selten verarbeite ich wirklich existierende Charaktere, das hat etwas mit Psychologie zu tun.

Dies verschafft meinen Geschichten einen gewissen Mehrwert. Es entsteht eine Art Gemeinschaftsgefühl, das mich auch durch die Lesungen trägt und mich demütig macht. Wir schenken uns gegenseitig etwas: Die Zuhörer danken mir für das Vorgelesene oder für das Buch, und ich danke den Zuhörern für ihre Geduld, für ihr Interesse, für ihre Wertschätzung – das hat etwas mit Respekt und Achtung zu tun. Den Text ansprechend erzählen, die Fantasie anregen, Emotionen wecken – deshalb kommen die Menschen in meine Lesungen.“

Es gibt literarische Vorbilder wie Henning Mankell, Hakan Nasser, den Krimi-Klassiker Rex Stout oder den isländischen Schriftsteller Arnaldur Indriðason, aber auch Kino und TV haben Privatdetektive wie Jim Rockford oder John Shaft hervorgebracht, die Tomas Cramer immer schon inspiriert haben, obwohl sein literarischer Ermittler Frank Gerdes alles andere als den Haudegen verkörpert – wohl eher das Gegenteil, außer wenn es sich gerade nicht vermeiden lässt.

„Humor ist mir wichtig und die feinen Details, die mich als Leser anspornen, weiterzulesen, und dies möchte ich als Schreibender gern so umsetzen. Dazu gehören auch solche Sachverhalte, die betroffen machen; wie zum Beispiel heimliche Schwangerschaften junger Frauen, die in früheren Jahren Anlass für Häme und Spott waren. Es war skandalös, es wurde vertuscht, mitunter wurden die Frauen von zu Hause verbannt oder gar verstoßen. Heute kaum mehr vorstellbar.
Warum ist Norderney der Handlungsort des aktuellen Krimis „frostland“? „Das hat etwas mit meiner Biografie zu tun“, sagt der Autor.

„Mein Leben ist mit dieser Insel verwoben. Als sogenanntes Verschickungskind verbrachte ich mit fünf Jahren ein paar Wintermonate dort. Davon zeugt auch mein Roman für Kinder ‚Abenteuer zwischen Insel und Schlangenwald‘. In späteren Jahren folgten weitere Inselbesuche, und es lag nahe, mich dieser Insel auch kriminal-literarisch zu nähern. Die Recherchearbeit förderte nun einige neue Kontakte zutage. Und auch das Thema mit den heimlichen Schwangerschaften ist Teil meiner Familienbiografie.“
Was wohl die Frauengruppe dazu sagt?
Zurück zum Inhalt des Buches: Vier Jahre nach dem letzten Fall begegnen sich der Ermittler Frank und seine Jugendliebe Antje wieder. Eine Frage, die den Leser bis zuletzt beschäftigt ist, werden Antje und Frank dieses Mal wieder zusammenkommen? Was wohl die Frauengruppe dazu sagt?

Der gebürtige Cloppenburger Tomas Cramer lebt mit seiner Frau Ursula seit 1991 in Schweringen. Der gelernte Bankkaufmann ist heute Beamter in der Nähe von Bremen, er absolvierte diverse theologische Seminare, zudem die Workshops „Kreatives Schreiben“ und „Schreibwerkstatt“, und er ist Mitglied im „Syndikat“ - der Autorenvereinigung für deutschsprachige Kriminalliteratur. In seiner freien Zeit hört er Jazz und ist immer mal wieder mit seiner Frau am Meer anzutreffen, gelegentlich auch in Schottland, um die Kinder zu besuchen.
Kurzinfo zum Kriminalroman „frostland“ von Tomas Cramer: www.edition-nordwest.de; erschienen im Verlag CW Niemeyer Buchverlage GmbH, erhältlich im Buchhandel und im Internet, 470 Seiten, 15 Euro, ISBN 978-3-8271-9555-5.

Zum Artikel

Erstellt:
23. Februar 2020, 08:11 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 53sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.