Paul Hill/Fotolia

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Verden/Nienburg 28.02.2019 Von Wiebke Bruns

Gericht bleibt bei Freiheitstrafe für Angriff auf Polizisten

Richter verringert Dauer im Berufungsverfahren von 14 auf 9 Monate

Wegen zwei Fällen des tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte in Verbindung mit einer gefährlichen und einer versuchten Körperverletzung, alles in Nienburg, muss ein 41 Jahre alter Angeklagter aus Neustadt am Rübenberge ins Gefängnis. In einem Berufungsverfahren am Landgericht Verden wurde die vom Amtsgericht Nienburg verhängte Freiheitsstrafe von 14 auf 9 Monate reduziert. Bewährung kam aufgrund der Vielzahl an Vorstrafen und einer laufenden Bewährung nicht in Betracht. In beiden Fällen ging es um Auseinandersetzungen im Trinker-Milieu, so die Feststellung des Amtsgerichts in erster Instanz. Am 29. November 2017 war der Angeklagte nach einer tätlichen Auseinandersetzung gefesselt worden. In der Absicht, den hinter ihm stehenden Polizeibeamten zu treffen, hatte er dabei seinen Kopf nach hinten gerissen. Der Kopfstoß traf den Uniformierten an der Schulter.

Nur neun Tage später sollte der 41-Jährige erneut in Gewahrsam genommen werden. Dabei hatte der seit Jahren schwer alkoholabhängige Angeklagte versucht, einem Polizisten ins Gesicht zu treten. Nicht getroffen habe er ihn nur „aufgrund glücklicher Umstände“, heißt es in dem Nienburger Urteil.

„Sein Problem ist der Alkoholismus“, führte Verteidiger Harald Brauer in seinem Plädoyer aus. Bei der ersten Tat hatte sein Mandant 1,36 Promille im Blut und bei der zweiten Tat 1,89 Promille Promille. Emotionen zeigte der Angeklagte als Brauer auf die damalige Lebensgefährtin des 41-Jährigen zu sprechen kam. Die Frau ist mittlerweile verstorben, und der Angeklagte wohnt nun in einer Obdachlosenunterkunft in Neustadt am Rübenberge. Zum Tatzeitpunkt habe er sich viel im Bereich „Neue Burg“ aufgehalten.

14 Monate Haft waren zur Überzeugung von Verteidiger Harald Brauer zu viel. Der Sprung von Geldstrafen zur Freiheitsstrafe sei schon groß. „Da braucht man bei den Einzelstrafen nicht auch noch draufzuschlagen“, argumentierte der erfahrene Strafverteidiger. Eine Strafaussetzung zur Bewährung hatte er im Vorfeld als Ziel der Berufung ausgeschlossen. Dann wäre eine Begutachtung seines Mandanten erfolgt und möglicherweise die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet worden.

Der Bundeszentralregisterauszug des Angeklagten reicht zurück bis ins Jahr 1994. In 25 Jahren hat er es auf 20 Einträge gebracht. Darunter Widerstandshandlungen, Beleidigung, Bedrohung, Besitz von Betäubungsmitteln und einiges mehr. Aus einer Verurteilung wegen Raubes sind noch ein paar Monate Reststrafe offen und weitere sieben Monate wegen einer Körperverletzung. „Mit ziemlicher Sicherheit droht der Widerruf“, hieß es in dem Verdener Urteil. Aber bei der neuen Entscheidung konnte der Angeklagte mit einem Geständnis punkten und so eine Reduzierung der Strafe erreichen.

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Erstellt:
28. Februar 2019, 10:00 Uhr
Lesedauer:
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