Allein von Dezember bis Februar sind bei Andrea Braunack, Leiterin des Fachbereichs Senioren und Pflege beim Landkreis Nienburg, 90 Anträge von älteren Menschen eingegangen, die sich die um bis zu 500 Euro gestiegenen Heimkosten nicht mehr leisten können und Sozialhilfe beantragen müssen Foto: Hagebölling

Allein von Dezember bis Februar sind bei Andrea Braunack, Leiterin des Fachbereichs Senioren und Pflege beim Landkreis Nienburg, 90 Anträge von älteren Menschen eingegangen, die sich die um bis zu 500 Euro gestiegenen Heimkosten nicht mehr leisten können und Sozialhilfe beantragen müssen Foto: Hagebölling

Landkreis 07.03.2020 Von Edda Hagebölling

Gesetze treiben Senioren in die Sozialhilfe

Heimkosten steigen um bis zu 500 Euro / Allein von Dezember bis Februar sind beim Kreis 90 Anträge eingegangen

Allein in den Monaten Dezember, Januar und Februar sind bei Andrea Braunack, Leiterin des Fachbereichs Senioren und Pflege beim Landkreis Nienburg, 90 Anträge von älteren Menschen eingegangen, die sich die Heimkosten nicht mehr leisten können und darum Sozialhilfe beantragen müssen. Auslöser dieses enormen Anstiegs sind die Gesetze, die von der Bundesregierung verabschiedet wurden, um die Pflegeberufe interessanter zu machen. Was des einen Freud, ist jedoch des anderen Leid.

Die Gesetze führen nach Auskunft von Andrea Brau-nack dazu, dass die Pflegeheimkosten pro Monat um 350 bis 500 Euro steigen. Beträgt der durchschnittliche Preis für ein Pflegeheim mit Pflegegrad 3 bisher 2.700 Euro, können es künftig bis zu 3.100 Euro sein. Eine Summe, die viele mit ihrer Rente und dem, was die Pflegekasse zahlt, nicht mehr selbst aufbringen können.

Bisher haben sechs Heime im Kreis das „Gesetz für bessere Löhne in der Pflege“ umgesetzt und einen Tarifvertrag abgeschlossen. Wann die anderen folgen werden, ist nach Auskunft der Fachbereichsleiterin nur eine Frage der Zeit.

Neue Gesetze belasten den Landkreis

Andrea Braunack rechnet damit, dass die neuen Gesetze den Landkreis mit einem mittleren sechsstelligen Betrag belasten werden.

Bisher hat der Landkreis für 450 Heimbewohnerinnen und Heimbewohner Sozialhilfe gezahlt. 1.941 Heimplätze gibt es insgesamt, 1.749 Plätze sind belegt.

Dass aktuell 192 Heimplätze frei sind, liegt nach Auskunft von Andrea Braunack auch daran, dass nicht genug Personal vorhanden ist und besonders die Fachkräfte fehlen.

Bezieht ein älterer Mensch Sozialhilfe, bedeutet das auch für ihn, dass er höchstens über 5.000 Euro verfügen darf. Das mühsam abbezahlte Häuschen, Bargeld, Guthaben auf Giro-, Spar- oder Bausparkonten, Kapital-Lebensversicherungen, Wertpapiere, Kraftfahrzeuge und Grundbesitz sind dann nicht mehr erlaubt.

Andrea Braunack rechnet aber auch damit, dass diese Regelung noch nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Ihren Angaben zufolge werden bereits Gespräche mit den Pflegekassen geführt. Sollten diese ihre Pauschalen erhöhen, ist auf der anderen Seite mit einer Erhöhung der Pflegekassenbeiträge zu rechnen.

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Erstellt:
7. März 2020, 18:15 Uhr
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