Heike Stiegler leitet in der Kreisverwaltung den Fachbereich Gesundheitsdienste. Foto: Landkreis Nienburg

Heike Stiegler leitet in der Kreisverwaltung den Fachbereich Gesundheitsdienste. Foto: Landkreis Nienburg

Landkreis 19.03.2020 Von Die Harke

„Gesichtsmasken schützen nicht“

Nur Erkrankte sollten sie tragen / Gesundheitsdienstleiterin Heike Stiegler beantwortet Fragen zum Coronavirus

Am Bürgertelefon des Landkreises Nienburg sind viele Fragen zum Coronavirus gestellt worden. Heike Stiegler, Leiterin des Fachbereichs Gesundheitsdienste in der Kreisverwaltung, gibt die Antworten.

Warum sprechen wir eigentlich vom „neuartigen“ Coronavirus?

Coronaviren sind grundsätzlich keine unbekannten Viren. Sie treten jedes Jahr in der Erkältungszeit auf und führten bislang überwiegend zu Erkältungserscheinungen wie einer laufenden Nase und eventuell Fieber. Daher wurde der neue Erreger anfangs als neues Coronavirus bezeichnet. Mittlerweile weiß man aber einiges über das Virus, deshalb ist die Bezeichnung nicht mehr ganz passend.

Wie wird auf eine Coronavirus-Infektion getestet?

Für den Test auf eine Coronavirus-Infektion wird ein Rachenabstrich entnommen.

Ärzte und medizinisches Personal sollen bei der Probenentnahme – egal ob in einer Praxis, im Gesundheitsamt oder bei einem Hausbesuch – Schutzkleidung (Kittel, Handschuhe, Schutzbrille, Atemmaske) tragen. Die Probe wird dann in ein Labor geschickt und dort ausgewertet.

Die reine Auswertung eines Tests dauert etwa vier bis fünf Stunden zuzüglich Transport. Bei den Tests handelt es sich nicht einen Antikörpernachweis. Statt dessen wird das Virus direkt nachgewiesen, indem ein Stück der Virus-Erbinformation vervielfältigt wird, bis ausreichend Erbinformation für den Virusnachweis vorhanden ist.

Es bringt nichts, gesunde Personen prophylaktisch zu testen. Das Ergebnis kann eine falsche Sicherheit vermitteln.

Gibt es einen Schnelltest in der Apotheke?

Nein. Nur Labors sind in der Lage, das zu testen.

Wer wird überhaupt getestet?

Das entscheidet zunächst einmal die Hausarztpraxis. Und diese ist auch die allererste Ansprechpartnerin, wenn jemand das Gefühl hat, am Coronavirus erkrankt zu sein. Wichtig ist, dass sich Betroffene dort telefonisch melden und nicht direkt in die Praxis gehen. Die Praxis regelt dann das weitere Vorgehen. Wird ein Abstrich für erforderlich gehalten, meldet die Praxis den Patienten in der zentralen Abstrichstelle an. Von dort wird Betroffenen dann ein Termin mitgeteilt. Auf eigene Initiative zur zentralen Abstrichstelle zu fahren, ist daher sinnlos.

Desinfektionsmittel sind vielerorts ausverkauft. Bedeutet das ein höheres Risiko für Menschen, die wirklich darauf angewiesen sind?

Als Privatperson Desinfektionsmittel in großen Mengen zu kaufen, kann vor allem für Arztpraxen, Krankenhäuser und Labore problematisch sein. Flächen und Hände zu desinfizieren ist für Krankenhäuser, Ärzte, Labore deshalb wichtig, weil Kontakte zu Personen aus Risikogruppen bestehen können (z.B. immungeschwächte Personen, ältere Menschen und Menschen mit chronischen und/oder mehreren Vorerkrankungen). Für an sich gesunde Personen reicht das „normale“ Händewaschen mit Seife vollkommen aus.

Sterben die Viren durch Hitze ab?

Hitze ja, Wärme nein – bei Körpertemperatur fühlt sich das Virus wohl. Sommerliche Temperaturen werden also wohl nichts nützen, um eine Ausbreitung wirksam zu verhindern. Bei Essen gilt: Wenn es ausreichend durchgegart ist, ist man auf der sicheren Seite. Gut durchgegart ist Essen dann, wenn es mindestens zwei Minuten auf 70 Grad erhitzt wurde. Rohes Obst und Gemüse sollte mit heißem Wasser gründlich gewaschen werden.

Ist es ratsam, Gesichtsmasken zu tragen?

Nein, weil die Gesichtsmasken nicht schützen. Sie führen im Gegenteil eher dazu, dass der Sitz der Masken kontrolliert wird und dadurch häufiger ins Gesicht gefasst wird. Damit ist das Ziel, das man eigentlich erreichen will, gefährdet. Gesichtsmasken sind aber sinnvoll, wenn sie von Erkrankten getragen werden, um die Menschen in deren Umgebung zu schützen.

Worauf sollten Firmenchefs jetzt besonders achten, um sich und ihre Mitarbeitenden zu schützen?

Wer kann, sollte dieser Tage im Homeoffice arbeiten. Je weniger Kontakt zu anderen Menschen, umso besser. Die üblichen Besprechungen und Sitzungen sollten nach Möglichkeit durch Telefon- oder Videokonferenzen ersetzt werden. Auch für Fortbildungen gibt es solche Möglichkeiten.

Und wenn Arbeitgeber das nicht ermöglichen können?

Dann sollten ganz maßgeblich die Hygieneempfehlungen ernst genommen werden. Vor allem sollten Arbeitgeber darauf achten, dass der Betrieb so organisiert wird, dass die Mindestabstände (ein bis zwei Meter) zwischen zwei Arbeitsplätzen eingehalten werden.

Gibt es sonstige Empfehlungen für Betriebe?

Alle Berufsgruppen im sozialen sowie im Gesundheitsbereich, die berufsbedingt einen engen Körperkontakt zum Kunden haben, sollten überlegen, ihre Tätigkeiten nach Möglichkeit auf das unbedingt erforderliche Minimum zu reduzieren. Gruppenangebote sollten zunächst möglicherweise ausgesetzt werden. Es ist auch ratsam, Terminvergaben so zu gestalten, dass Kundinnen und Kunden sich in den Räumlichkeiten möglichst nicht begegnen.

Zum Artikel

Erstellt:
19. März 2020, 20:05 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 07sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.