Erlebten eine „tolle“ Diskussion: Dr. Christian Hanisch (LEB), Henrich Meyer zu Vilsendorf (Landwirtschaftskammer) und Tobias Göckeritz (Vorsitzender Kreisverband Mittelweser vom Landvolk Niedersachsen, von links). Achtmerann

Erlebten eine „tolle“ Diskussion: Dr. Christian Hanisch (LEB), Henrich Meyer zu Vilsendorf (Landwirtschaftskammer) und Tobias Göckeritz (Vorsitzender Kreisverband Mittelweser vom Landvolk Niedersachsen, von links). Achtmerann

Hoya 16.12.2017 Von Horst Achtermann

Gesprächsbereitschaft ist da

“Tolle Diskussionen“: Naturschützer und Landwirtschaft wollen aufeinander zugehen

Dr. [DATENBANK=6751]Christian Hanisch[/DATENBANK] aus Bücken ist Vorsitzender und Sprecher der Kreisarbeitsgemeinschaft „Ländliche Erwachsenenbildung“ (LEB) Grafschaft Hoya. Es ist sein Anliegen, für ein besseres Verständnis und Miteinander von Landwirtschaft und Verbrauchern zu werben. So hat er eine Vortragsreihe „Landwirtschaft heute: Miteinander reden – voneinander lernen“ ins Leben gerufen. Landwirt Hanisch beginnt die Vortragreihe mit dem einführenden Thema: „Landwirtschaft: „Wozu brauchen wir sie und was ist sie uns wert“, am Montag im Gasthaus Lindenhof in Hoya. Referent [DATENBANK=562]Henrich Meyer zu Vilsendorf[/DATENBANK], Leiter der Bezirksstelle Nienburg der Landwirtschaftskammer Hannover, nahm in seinem Vortrag die etwa 50 Besucher, davon zehn Nichtlandwirte, gleich mit ins Boot. „Eine angenehme, sachliche Diskussion entwickelte sich, die uns Mut macht“, freut sich Christian Hanisch. „Wenn drei Stunden beinahe noch zu kurz sind, merkt man wieviel Gesprächsbereitschaft da ist“, stellt [DATENBANK=982]Ehler Harms[/DATENBANK] vom Naturschutzbund ([DATENBANK=4921]NABU)[/DATENBANK] aus Schweringen fest.

Es war auch gut, dass Meyer zu Vilsendorf seinen Vortrag nicht einfach abspulte, sondern die Besucher mitnahm. Fachliche Unterstützung erhält der Referent durch [DATENBANK=2102]Tobias Göckeritz[/DATENBANK] aus Sonnenborstel, Vorsitzender des Kreisverbandes Mittelweser im Landvolk Niedersachsen. „Wenn Blühstreifen angelegt werden müssen, entfallen dafür Flächen für die Produktion, das wird nicht bezahlt, also für uns ein Verlustgeschäft“, betont Göckeritz, der auch die überhöhte Bürokratie kritisiert“ „1600 Verordnungen ergeben zusätzliche Produktionskosten, damit kann man keinen Betrieb führen“.

Im Landkreis Nienburg werden von 83.000 Hektar Ackerfläche 69.000 Hektar ökologisch genutzt, 14.000 Hektar sind Grünland, so die Auskunft von Henrich Meyer zu Vilsendorf. Auf 25 Prozent der Ackerfläche werde Mais angebaut. Im Jahr 2016 gab es im Landkreis Nienburg 1.537 Betriebe, 2017 waren es noch 1.505, so Meyer zu Vilsendorf.

Dr. Arne Röhrs aus Hilgermissen gründete 2015 mit einigen Interessierten den Naturschutzverein „Weser-Aue“. Seine Meinung: „Eine sehr gute und notwendige Veranstaltung, aber nur über den Dialog können konkrete Naturschutzmaßnahmen umgesetzt werden“. Konkrete Projekte vor Ort könne man gemeinsam entwickeln und umsetzen. Die Bereitschaft zum Anlegen von „Blühstreifen“ wäre sicher höher, wenn die Subventionierung finanziell besser entschädigt und mit weniger Bürokratie versehen wäre.

Aber Röhrs kritisiert auch, dass die Grenzen zum öffentlichen Grund besser eingehalten werden sollten und damit die Pflege der Wegeseitenränder extensiviert werden könnten. Mulchen sei keine geeignete Pflegemaßnahme.

Kinder gehen nicht mehr in den Wald, die Landschaft werde immer unattraktiver, man sieht keine Insekten mehr, kritisiert eine Zuhörerin. Der Schwund von Insekten sei auch für die Landwirtschaft eine entscheidende Frage, wer soll die Pflanzen bestäuben? Beim Naturschutz sollten Landwirtschaft und Nabu aufeinander zugehen, fordert der Referent.

Pflegt der Landwirt die Kulturlandschaft? „Die Landwirtschaft sollte auch an die Natur mit ihrer Artenvielfalt denken, entsprechend sollte ein jeder handeln“, bemerkt Ehler Harms. Er möchte einen Vortrag ausarbeiten zum Thema „Kulturlandschaft der Zukunft und wie kann sie aussehen“.

Die Bewirtschaftung der öffentlichen Hand mit den Wegeseitenrändern liege ihm am Herzen. „Warum werden im Sommer/Spätsommer blühende Wildpflanzen wie die Gewöhnliche Kratzdiestel, Ror-Klee, Hainklette, die Wiesen-Flockenblume, einige Malven-Arten oder die Gewöhnliche Wegwarte, um nur einige aufzuzählen, mit vielen Blüten ab 15. Juli gemäht?“, fragt Naturschützer Harms. Die Kulturlandschaft sei fließend, wir übertreiben mit Kultivierung.

„Wir wollen besser werden“, erkennt auch Henrich Meyer zu Vilsendorf und meint damit die Landwirtschaft. So haben drei Stunden erfrischende Diskussionen, Christian Hanisch spricht von einer „tollen Diskussion“, zu der er sich mehr Verbraucher gewünscht hätte, vielleicht zu einer vertrauensvollen gemeinsamen Arbeit in der Natur von Landwirten und Naturschützern beigetragen, enttäuschend, das kein Kommunalpolitiker gekommen ist.

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Erstellt:
16. Dezember 2017, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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