Steinhuder Meer 10.12.2018 Von Die Harke

Gestaltung der Sumpfschildkröten-Brutplätze startet

Sumpfschildkröten-Projekt wird fortgesetzt / Nächster Schritt zum Erfolg der Wiederansiedlung

Der NABU Niedersachsen startet mit finanzieller Unterstützung der Bingo-Umweltstiftung das Projekt „Gestaltung der Brutplätze der Europäischen Sumpfschildkröte“. Durch das neue Projekt kann den im Naturschutzgebiet Meerbruchswiesen (Steinhuder Meer) wiederangesiedelten Europäischen Sumpfschildkröten das Überleben und die Fortpflanzung gesichert werden. Von April 2013 bis Oktober 2016 wurden in einem Vorgängerprojekt über 127 Europäische Sumpfschildkröten wieder angesiedelt. Ab Oktober 2016 wurde das Projekt vom Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz weiter gefördert und 135 Tiere zusätzlich ausgebracht. „Inzwischen haben sich die Sumpfschildkröten in ihrem neuen Lebensraum sehr gut eingelebt. Sie suchen im Gebiet neue Wohngewässer auf und haben ihre Reviere eingenommen. Seit einigen Jahren können auch die ersten Paarungen der Sumpfschildkröten beobachtet werden. Ein Teil der wiederangesiedelten Tiere ist acht Jahre und älter und somit geschlechtsreif“, berichtet NABU-Projektleiter Bernd Breitfeld. Die trächtigen Sumpfschildkrötenweibchen begeben sich dann auf oftmals lange Wanderungen, um geeignete Brutplätze für die Eiablage aufzusuchen.

„Jetzt geht es darum, die Verluste der wandernden Sumpfschildkrötenweibchen, ihrer Gelege und ihrer Schlüpflinge im Naturschutzgebiet Meerbruchswiesen am Steinhuder Meer so gering wie möglich zu halten“, sagt Dr. Holger Buschmann, Landesvorsitzender des NABU. Stiftungsgeschäftsführer Karsten Behr stimmt ihm zu: „Der Gelegeschutz ist der nächste Schritt zum Erfolg der Wiederansiedlung.“

Längere Wanderungen der Sumpfschildkröten zu den Brutplätzen verschärfen die Gefahr, Fressfeinden zum Opfer zu fallen. Auch die geschlüpften Tiere sind hoch gefährdet, wenn sie lange Wege bis zu ihren Flachgewässern bewältigen müssen. Deshalb will der NABU Eiablageplätze in der Nähe ihrer Wohngewässer und nahes Flachwasser für den Nachwuchs bieten. Die weiblichen Sumpfschildkröten haben sehr hohe Ansprüche an ihre Eiablageplätze. Neben einer optimalen Bodentemperatur müssen auch das Erdreich und die Vegetation ihren Ansprüchen gerecht werden.

„Wenn die Flachgewässer für die jungen Sumpfschildkröten angelegt werden, wird das ausgehobene Erdreich gleich für die Gestaltung der Brutplätze genutzt. Wichtig ist, dass die Brutplätze stark sonnenexponiert, südlich ausgerichtet sind. Ein Erd-Sandgemisch soll für eine optimale Bodenbeschaffenheit sorgen, damit die Sumpfschildkrötenweibchen im nicht zu festen oder zu lockeren Boden ihre stabilen Bruthöhlen graben können“, erklärt Breitfeld die anstehenden Arbeiten.

Zudem werden die Gelege durch Elektrozäune und Schutzgitter vor Zerstörung und Fressfeinden geschützt. Brutplätze und Gelege werden regelmäßig kontrolliert. Freiwillige Helfer und Ehrenamtliche werden dies begleiten. Wer aktiv unterstützen möchte, kann sich direkt an NABU-Projektleiter Breitfeld wenden.

Das Sumpfschildkröten-Projekt

Mitarbeiter des NABU Niedersachsen und der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer (ÖSSM) in Winzlar entließen seit 2014 bis jetzt 262 Europäische Sumpfschildkröten in die Gewässer der Meerbruchswiesen. 2012 wurde das Projekt „Wiederansiedlung der Europäischen Sumpfschildkröte in Niedersachsen“ im Rahmen „Arche Niedersachsen“ durch das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz (MU) initiiert. Nach einer Machbarkeitsstudie der ÖSSM wurde das „Naturschutzgebiet 190 Meerbruchswiesen“ am Steinhuder Meer für die Wiederansiedlung auserkoren. Genetischen Studien zufolge wurde die Unterart Emys o. orbicularis der Abstammungslinie Haplotyp IIa für die Wiederansiedlung als geeignet bewertet.

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Erstellt:
10. Dezember 2018, 21:00 Uhr
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