Blick auf trockengefallenen „Hochwasserentlaster“ (Umfluter) zwischen Südbach und Steinhuder Meerbach in Rehburg. Kreisverband

Blick auf trockengefallenen „Hochwasserentlaster“ (Umfluter) zwischen Südbach und Steinhuder Meerbach in Rehburg. Kreisverband

Landkreis 28.09.2019 Von Die Harke

Gewässer leiden unter der Trockenheit

Überall herrscht Niedrigwasser / Zum zweiten Mal nacheinander fällt im Sommer landesweit zu wenig Regen

Die Bäche und kleinen Flüsse der Region leiden unter der Trockenheit. Daran ändert auch der jüngste Regen wenig. Und die Möglichkeiten des Kreisverbandes für Wasserwirtschaft, helfend einzugreifen, sind begrenzt. Zum zweiten Mal in Folge war der Sommer landesweit viel zu trocken: Die Messstationen verzeichneten rund ein Drittel weniger Niederschlag als üblich. „Wir haben überall Niedrigwasser“, sagt Hermann Morische, Abteilungsleiter Gewässerunterhaltung beim Kreisverband für Wasserwirtschaft. „Wir haben sogar Trockenfall erlebt, wo es das noch nie gab, zum Beispiel am Meerbach in Rehburg. Aber auch an den Oberläufen der Zuflüsse zur Aller.“ Zwar hat es jetzt mal geregnet. „Aber um das auszugleichen, müsste über Wochen richtig was runterkommen.“

Das bleibe nicht ohne Folgen: „Gibt es zu wenig Wasser, wird das Wasser zu warm und bindet zu wenig Sauerstoff. Die Organismen kämpfen ums Überleben. Punktuell hatten wir auch Fischsterben.“ Und nicht nur im Wasser, auch an den Ufern sieht es zum Teil, sagt Morische, „erschreckend“ aus: Wo es noch Auen und Erlenbrüche gebe, litten die Pflanzen unter Trockenstress. Solcherart vorgeschädigte Bäume könnten leicht Schädlingen zum Opfer fallen. Möglichkeiten einzugreifen, gebe es kaum. „Es wird immer wieder angeregt, wir sollten die Fließgewässer anstauen. Aber das ist ein zweischneidiges Schwert. Dann habe ich vor dem Wehr zwar mehr Wasser, aber die Fließgeschwindigkeit geht zurück, es lagern sich Sedimente ab, und der Sauerstoffgehalt kann sich weiter reduzieren. Und unterhalb des Staus fällt das Gewässer dann komplett trocken.“

Wirkungsvoller seien Renaturierungsmaßnahmen des Verbandes, erklärt Morische und weist als Beispiel auf den Steinhuder Meerbach im Bereich Südring Nienburg hin. „Wir haben in den renaturierten Bereichen auch die Gewässersohle naturnah gestaltet. Es gibt jetzt Niedrigwasserrinnen, in denen immer noch Wasser fließt. Das sind wertvolle Rückzugsräume für Fische, Amphibien und Kleintiere. „Der Kreisverband will weitere Renaturierungsmaßnahmen umsetzen“, sagt Morische. Allerdings sei man auf Genehmigungen und Fördermittel unter anderem von der EU angewiesen. Ein solches Vorhaben – der Bau eines Umgehungsgerinnes, das die ökologische Durchgängigkeit zwischen Steinhuder Meer und Meerbach wieder herstellen soll – sei längst baureif geplant, hänge aber noch in der Finanzierungsschleife.

Unabhängig davon versuche der Verband, den Gewässern auf andere Weise zu helfen: „Wir gehen die Unterhaltung besonders vorsichtig an. Wo es möglich ist, reduzieren wir die Eingriffe in die Gewässer, lassen Totholz und Krautinseln liegen. Dadurch können sich auf quasi-natürliche Weise Rückhalteräume bilden, die den Organismen eine Überlebenschance geben“, sagt der Abteilungsleiter Gewässerunterhaltung.

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Erstellt:
28. September 2019, 14:22 Uhr
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