Foto: Marius Becker/dpa

Foto: Marius Becker/dpa

Nienburg 19.09.2020 Von Holger Lachnit

Gewerkschaft schafft sich ab

Guten Tag - ein Kommentar

In letzter Minute hat die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) am Freitag den verkaufsoffenen Sonntag in Nienburg platzen lassen. Sie hat mit einer Klage und einem Eilantrag vor dem Verwaltungsgericht Hannover die von der Stadtverwaltung erteilte Genehmigung gekippt.

Dabei ist Nienburg kein Einzelfall: Auch in Braunschweig, Hildesheim und Oldenburg durften nach Verdi-Klagen zuletzt keine Geschäfte öffnen.

Zunächst einmal: Wenn Verdi die Gerichte anruft und recht bekommt, dann ist das zu akzeptieren und kein Grund zur Kritik – schon gar nicht an den Richtern.

Allerdings scheinen die Verantwortlichen bei der Gewerkschaft nicht zu erkennen, dass sie sich mit jeder erfolgreichen Klage gegen einen verkaufsoffenen Sonntag ein wenig mehr selbst abschaffen: Die „Verkaufsoffenen“ waren stets wichtige Umsatzanker des lokalen Einzelhandels, der in Nienburg zu einem vergleichsweise großen Teil noch inhabergeführt ist.

Brechen diese Umsätze in den ohnehin schwierigen Coronazeiten weg, stehen Arbeitsplätze auf dem Spiel. Je weniger Beschäftigte im Einzelhandel es gibt, desto weniger potenzielle Verdi-Mitglieder gibt es. Das ist eine einfache Rechnung. Ohnehin wäre es interessant, zu erfahren, wie viele Verdi-Mitglieder es überhaupt im Nienburger Einzelhandel gibt.

Wer sich bei jeder Absage eines „Verkaufsoffenen“ ins Fäustchen lacht, sind die großen Onlinehändler: Sie dürfen an sieben Tagen pro Woche rund um die Uhr verkaufen.

Zum Artikel

Erstellt:
19. September 2020, 05:27 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 39sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte

Vollmer 19.09.202008:56 Uhr

Wenn die Werbegemeinschaft, allen voran Herr Kolossa, so sicher sind, dass ein VK-offener Sonntag nötig sind, warum legen sie dann gegen das Urteil keinen Einspruch ein??

Hermann Obst 20.09.202021:07 Uhr

Herr Lachnit, Sie haben vollkommen recht, Verdi stellt sich total gegen den Einzelhandel und schädigt damit auch die eigenen Mitglieder.
Wie kann man nur so verbort und Wirtschaftsfremd sein, und das als Gewerkschaft!!!
Unverständlich und gefährlich!!!

Ralfi 22.09.202013:05 Uhr

Nicht die Gewerkschaft hat den VK-offenen Sonntag platzen lassen, sondern das Gericht.
Völlig zu recht.
Die Rechtslage ist so eindeutig, dass sogar Herr Kolossa das verstanden hätte, wenn er sich vorher informiert hätte...


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.