Stefan Gilster spricht von einer %u201Ebesorgniserregenden Situation%u201C. Der Vorsitzende des Ausschusses für Qualifizierung des Fußballkreises Nienburg wünscht sich Trainer, die Mut zeigen und die Mannschaftsführung als wichtigen Teil ihrer Arbeit auch annehmen.

Stefan Gilster spricht von einer %u201Ebesorgniserregenden Situation%u201C. Der Vorsitzende des Ausschusses für Qualifizierung des Fußballkreises Nienburg wünscht sich Trainer, die Mut zeigen und die Mannschaftsführung als wichtigen Teil ihrer Arbeit auch annehmen.

05.07.2015 Von Matthias Brosch

Gilster appelliert: „Traut euch mehr zu!“

Fußball: Der Kreisvorsitzende des Ausschusses für Qualifizierung ist besorgt über fehlende Trainer

Nienburg. Im Fußballkreis Nien­burg gibt es knapp 400 Trainer, die über eine Lizenz verfügen. Stefan Gilster, der hiesige Vorsitzende des Ausschusses für Qualifizierung (früher Lehrwart), hat viele selbst ausgebildet und führt eine Liste mit ihren Namen. Deshalb wird er immer häufiger von Vereinen angesprochen, die auf der Suche sind. „Allein im Juni erhielt ich elf Anrufe“, erzählt der 48-Jährige. Sein Stirnrunzeln verrät, dass ihm das nicht recht ist. Einerseits, weil seine neutrale Rolle mit jeder Kontaktaufnahme gefährdet ist. Dazu gefällt ihm der Zustand im Besonderen einfach überhaupt nicht. Gilster tritt auf die Bremse und wendet sich an Die Harke: „Keine Panik bitte, aber die Situation ist besorgniserregend.“ Qualifizierte Trainer auf der einen Seite und Vereine ohne Ehrenamtliche auf der anderen – da könne doch etwas nicht stimmen. Zumal insbesondere der Nachwuchs von den fehlenden Übungsleitern betroffen sei.

„Es wird immer schwieriger, jemanden für die

Betreuung zu finden.“

„Es wird immer schwieriger, jemanden für die Betreuung zu finden. Das ist kein Problem des Fußballs, des Sports, und allein unseres Kreises, sondern setzt sich länder- und bundesweit fort“, erzählt Gilster. Er arbeitet hauptberuflich im Jugendhaus der Stadt Nien­burg und wirkt darüber hinaus als DFB-Stützpunkttrainer – und kennt somit die komplette Bandbreite von persönlichem Talent und sozialer Prägung der Mädchen und Jungen. Die Zeiten hätten sich geändert: Habe früher überspitzt formuliert ein Volksschullehrer gereicht, um 43 Schüler fächer- und altersübergreifend im Frontalunterricht gerecht zu werden, wären heutzutage schon deutlich kleinere Gruppen schwieriger zu führen. „Die Kids haben den ganzen Tag ein Programm und finden keine Nische mehr, um ohne Kontrolle einfach mal unbeaufsichtigt zu spielen. Solche Dinge wie Ergotherapien sind eine logische Folge daraus.“

Dieser gesellschaftliche Wandel trifft den Fußball, da die zwingend nötige Trainingslehre überhaupt erst eingesetzt werden könne, wenn die immer wichtigere Mannschaftsführung gelinge, „ein riesengroßer Komplex“. Zu ehrgeizige Eltern hemmen zu oft die Entwicklung ihrer Kinder. Gilster bezeichnet den Übungsleiter, der mittlerweile im Nachwuchsbereich nötig sei, als Seelentröster und „teilweise als Vater- und Mutter-Ersatz“. Es sei manchmal auch nötig, jemandem zu sagen, dass für ihn im Moment vielleicht Judo besser wäre als Fußball, was viel zu selten passiere.

Ungeachtet dieser Herausforderungen fehle vielen Lizenzinhabern schlichtweg der Mut. „Gerade den jungen Trainern rate ich: Traut euch mehr zu!“ Klug sei es vielfach, wenn Mannschaften nicht in Alleinverantwortung, sondern als Duo übernommen werden. Gilster: „Dazu noch jemand von den Eltern zur Betreuung, dann läuft vieles schon besser.“ Nicht fehlen dürfe natürlich die Unterstützung der Vereine, die ihre Absolventen oft ohne Begleitung auf die Teams losschickten – und sich dann wundern, wenn jemand wieder viel zu schnell aufgibt. 400 Trainer mit Lizenz müssten im Grunde reichen – vorausgesetzt, sie nehmen an den regelmäßig angebotenen Fortbildungen teil, um sich den aktuellen Problemen richtig annehmen zu können.

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Erstellt:
5. Juli 2015, 00:00 Uhr
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