Nienburgs Superintendent Martin Lechler. Lechler

Nienburgs Superintendent Martin Lechler. Lechler

Landkreis 23.12.2018 Von Die Harke

Glänzende Augen in der Barackensiedlung

Nienburgs Superintendent Martin Lechler wünscht frohe Weihnachten

Liebe Leserin, lieber Leser, als ich noch ein Kind war, ungefähr 15, 16 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges, da lebten am Rand meiner Geburtsstadt Celle immer noch aus den ehemals deutschen Ostgebieten vertriebene und geflüchtete Menschen in sehr ärmlichen Behausungen. Es waren Baracken, die weit ab von den sonstigen Wohngebieten lagen. Ein kleiner Wald lag dazwischen. In der Adventszeit bastelten wir in der Kinderstunde unserer Kirchengemeinde für die dort lebenden Kinder Weihnachtsschmuck und andere kleine Geschenke. Am ersten Weihnachtsfeiertag zogen wir dann mit unserer Diakonin in die Barackensiedlung und brachten den Kindern das Gebastelte zusammen mit ein paar Süßigkeiten.

Welch glänzende Augen und welche Freude haben wir da erlebt – und das in unseren Augen für so eine Kleinigkeit! Ich denke heute noch darüber nach, ob es nur unsere Basteleien und Süßigkeiten waren, die diese Freude auslösten, oder nicht mindestens genauso die Tatsache, dass da einheimische Menschen aus der Stadt und aus den Dörfern zu ihnen zu Besuch kamen, die versuchten, ein wenig Lichtglanz in ihr oft so karges und eintöniges Leben zu bringen.

An Weihnachten feiern Christen, dass auch einer zu Besuch kam, und zwar nicht irgendeiner, sondern der, der die Welt und alles Leben erschaffen hat, einer, dem wir nicht egal sind, sondern der sich um uns kümmert, mit all‘ seiner Schöpferkraft und Liebe, einer, der sich uns gleich gemacht hat und deshalb in der Gestalt eines Kindes armer Eltern auf die Welt gekommen ist – und schon bald nach seiner Geburt aus seiner Heimat fliehen musste, weil der regierende König den Kindern nach dem Leben trachtete: Gott selbst kam in der Gestalt des Jesus in einem Stall in Bethlehem zur Welt.

Und er kam nicht nur einmal zu Besuch, sondern er hat uns verheißen, dass er immer bei uns bleiben würde, bis an das Ende aller Zeit. Und zu den ersten, die von seiner Geburt erfuhren, den Hirten bei Bethlehem, verkündete eine Schar von Engeln: „Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens!“

Dass Gott ganz nah bei uns Menschen sein will, dass er für uns sorgt in guter wie auch in schlechter Zeit und dass er uns das bringt, was wir Menschen uns, selbst bei allem guten Willen, oft einfach nicht selber geben können, Frieden, Liebe und Gerechtigkeit – das macht auch uns in diesen Tagen froh und glücklich. Deshalb feiern wir Weihnachten.

Wir beschenken uns, weil wir uns selbst von Gott reich beschenkt wissen; wir kommen in unseren Familien zusammen oder laden Freunde ein, um ihnen nahe zu sein, wie auch Gott uns nahe ist; und wir bedenken Menschen, die einsam, traurig oder in Not sind, um ihnen das Licht der Weihnacht zu bringen, welches auch unser Leben warm und hell macht. Ein Symbol dafür sind die unzähligen Kerzen, die die dunkle Weihnachtszeit hell machen und an Jesus als das Licht der Welt erinnern.

Besonders schön ist es, dass in einigen unserer Kirchen auch in diesem Jahr wieder das „Licht von Bethlehem“ leuchten wird: Pfadfinderinnen und Pfadfinder haben es an der Geburtsstätte Jesu, in Bethlehem, feierlich entzündet und von dort bis in die Kirchen unseres Nienburger Landes getragen. Möge es uns ermuntern, dem Licht zu folgen, ihm zu vertrauen und es weiter zu geben an Menschen, um die es heute eher dunkel bestellt ist: in der Nähe und in der Ferne.

Alle schönen Weihnachtsgottesdienste laden dazu ein, das Licht von der Krippe mit allen Sinnen in sich aufzunehmen, es nach Hause zu holen und weiterzutragen, überall dorthin, wo es dunkel ist. In diesem Sinn wünsche ich ein lichtes, ein friedvolles und ein gesegnetes Weihnachtsfest!

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Erstellt:
23. Dezember 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 57sec

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