Glücksspielgesetz – Gut Ding will Weile haben!

(ANZEIGE) Fast zwei Jahrzehnten war Online-Glücksspiel in Deutschland unreguliert. Eines der größten Probleme auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen ist dabei die unterschiedlichen politischen Konstellationen in den einzelnen Bundesländern. Glücksspiel in Deutschland ist Ländersache.

Nachdem man endlich einen neuen Vertrag zusammen erarbeiten konnte, dieser auch die EU-Prüfung überstand, konnte das neue Glücksspielgesetz zum 1. Juli 2021 in Kraft treten. Damit sind die Probleme mit unreguliertem Glücksspiel aber noch lange nicht aus der Welt geschafft, denn mit der Lizensierung will es noch immer nicht so richtig funktionieren.

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen

Der Glücksspielstaatsvertrag wurde schon 2020 der verantwortlichen EU-Kommission vorgelegt. Gleichzeitig bekamen die Betreiber die neuen Vorgaben auf den Tisch und wurden aufgefordert, diese bis zum 1. Oktober 2020 technisch umzusetzen, um zu zeigen, dass sie technisch in der Lage sind, die neuen Regeln einzuhalten. Ob den Betreibern auch ein Vorteil bei der Erteilung einer späteren deutschen Glücksspiellizenz in Aussicht gestellt wurde, kann nicht beantwortet werden.

Bei den meisten Online-Spielhallen, welche die neuen Regeln implementierten handelt es sich um Malta Online Casinos. Die kleine Insel im Mittelmeer ist aus verschiedenen Gründen der bevorzugte Standort für Online-Casinos, die innerhalb der Europäischen Union ihr Zielpublikum haben. Es ist sicherlich kein Zufall, dass die Malta Gaming Authority schon kurze Zeit später die minimale Auszahlungsquote in ihren Statuten von 92% auf 85% herabgesetzt hat. Das neue Gesetz in Deutschland sieht nämlich eine 5,3% Glücksspielsteuer vor, welche von den Casinos bei jeder Spielrunde einbehalten wird.

Online Zocker murren und knurren

Es versteht sich von selbst, dass neue Regeln immer auf Unmut stoßen, wenn diese Beschränkungen, Limits und (höhere) Steuern betreffen. Allerdings ist es auch oft so, dass Sachen nicht so heiß gegessen werden, wie gekocht sind. So haben sich viele Zocker, die einfach ab und zu einmal ein paar Runden zur Unterhaltung spielen, schnell mit den neuen Regeln zurechtgefunden. Ein nicht unerheblicher Teil hat sich Alternative Online Casinos gesucht oder sogar das Spielen aufgegeben.

Die neuen Regeln gehen aber auch an den Casinobetreibern nicht spurlos vorbei. Das Gegenteil ist der Fall. LeoVegas, eines der größten Online-Casinos in Europa hat seine Plattform für den deutschen Markt den neuen Regeln entsprechend umgestellt. In der Bilanz für die ersten drei Quartale 2021 beklagt LeoVegas einen Umsatzeinbruch in Deutschland von über 80%. Dennoch wollen die Betreiber den deutschen Markt nicht verlassen und strebt eine deutsche Lizenz an.

Bei anderen Betreibern fürchtet man, dass diese sich aus dem deutschen Markt zurückziehen werden. Zum jetzigen Zeitpunkt sind nur elf Casinos an die zentrale Datenbank der Bundesregierung angekoppelt. Das sind weniger, als es Casinolizenzen in Schleswig-Holstein gibt. Angeblich haben sich etwa 50 Betreiber um eine der deutschen Lizenzen beworben.

Sperrdatei OASIS mit Teilerfolgen

Seit August 2021 gibt es die bundesweite Online-Abfrage für Spielerstatus (OASIS), auch bekannt als Sperrdatei. Hier können sich Spieler eintragen lassen, wenn sie sich vom Spielen ausschließen wollen. Betreiber von Online-Casinos in Deutschland müssen an diese Datei angeschlossen sein und überprüfen, dass deren Spieler hier nicht auf der Sperrliste geführt sind. Zudem müssen Casinos die Spieler übermitteln, die sich auf den Casinoseiten vom Spielbetrieb ausschließen lassen wollen.

OASIS soll eine wesentliche Rolle beim Spielerschutz übernehmen. Dass sich seit August 2021 bis zum Jahreswechsel über 23.000 Personen selbst bei der Datei angemeldet haben, kann man durchaus als Erfolg ansehen. Diese Spieler sind nicht nur bei Online-Casinos, sondern auch bei Buchmachern, realen Spielhallen und Spielbanken gesperrt. Insgesamt hat die Liste bei Jahreswechsel ein Volumen von etwa 48.000 Spielern.

Neue Bundesbehörde kommt schwer in Gang

Mit dem neuen Gesetz kommt auch eine neue Glücksspielbehörde. Deren Sitz ist in Halle in Sachsen-Anhalt. Zurzeit sind die unterschiedlichen Aufgaben noch zum größten Teil auf verschiedene Bundesländer verteilt. Ab 1.Juli 2022 sollen alle Fäden in der neuen Behörde endlich zusammenlaufen und ein halbes Jahr später, zum 1. Januar 2023 voll funktionsfähig sein. Daran darf jedoch etwas gezweifelt werden, da es immer noch keine geeigneten Räumlichkeiten gibt und momentan nur 12 Angestellte in angemieteten Büros arbeiten. Insgesamt soll die neue Behörde etwa 110 Mitarbeiter bekommen.

Kommen Netzsperren für Online-Casinos ohne Lizenz?

Seit es klar ist, dass es eine deutsche Glücksspiellizenz geben wird, wird auch darüber diskutiert, wie man unregulierte Anbieter aus dem Ausland ausschließen kann. Dabei wird immer wieder der Begriff „Netzsperren“ ins Spiel gebracht. Hierbei handelt es sich um IP-Blocking, welches dafür sorgt, dass gewisse Seiten nicht aufgerufen werden können.

Da die neue Glücksspielbehörde im Jahr 2021 in einer Stellenausschreibung nach einem Sachbearbeiter für IP-Blocking gesucht hat, kann man eigentlich fast davon ausgehen, dass es auf Netzsperren hinauslaufen wird. In der Schweiz sind diese für nicht autorisierte Anbieter bereits in Kraft. Allerdings ist dort die Gesetzeslage anders und muss auch nicht auf EU-Recht rücksichtnehmen. Zudem können Netzsperren durch VPN-Server relativ einfach umgangen werden.

Eines kann man jedoch sicher sagen. Die Umsetzung aller Vorhaben wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, allerdings sind erfolgversprechende erste Schritte gemacht.