Die Darstellung des Jüngsten Gerichts an der Decke der Estorfer Kirche. Foto: Friedrich

Die Darstellung des Jüngsten Gerichts an der Decke der Estorfer Kirche. Foto: Friedrich

Estorf 01.05.2020 Von Die Harke

Gott ist den Menschen gnädig

Bildergruß von Pastor Oliver Friedrich aus der Estorfer Kirche

Was haben die Sixtinische Kapelle in Rom und die Estorfer Kirche gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel. Die Kapelle im Vatikan ist eine Kirche von Weltrang, die Estorfer Kirche – bei allem Respekt – nicht.

Die eine ist katholisch, die andere evangelisch. In der Kapelle am Tiber werden seit Jahrhunderten die Päpste gewählt, die kleine Dorfkirche an der Weser hat mit der großen Kirchengeschichte dagegen nichts zu tun.

Und doch gibt es eine Gemeinsamkeit: An der Stirnwand der Sixtinischen Kapelle, dort, wo der Altar steht, hat Michelangelo 1532 eines seiner berühmtesten Fresken gemalt: Das Jüngste Gericht. Und das ist in Estorf genauso. Im Deckengewölbe über dem Altar thront Christus auf der Erdkugel. Um ihn herum blasen die Engel in ihre Posaunen und signalisieren damit das Ende der Welt: Nun ist es so weit, jetzt kehrt Christus zurück, zu richten die Lebenden und die Toten.

Und so scheidet Christus die Menschen: Zu seiner Rechten werden die Guten und Frommen bekrönt und gesegnet und werden zum ewigen Leben berufen. Zu seiner Linken werfen teufelartige Wesen, die Bösen und Ungläubigen, zur ewigen Höllenqual.

Als Michelangelo die Wand in der Sixtinischen Kapelle bemalte, war die Furcht vor dem Weltende und dem Jüngsten Gericht groß. Als die Estorfer Kirche im Jahr 1669 gebaut wurde, war dagegen die Reformation in Deutschland weit vorangeschritten.

Und mit der Reformation verband sich die theologische Überzeugung, dass Gott den Menschen gnädig ist. Von den protestantischen Kanzeln wurde nicht mehr das Jüngste Gericht, sondern eben ein gnädiger Gott verkündigt, der die Menschen aufgrund ihres Glaubens und nicht aufgrund ihrer Werke und Taten liebt.

Um so erstaunlicher ist es, dass man in der Estorfer Kirche, die immer evangelisch war, ein Bild des Jüngsten Gerichtes anbringen ließ.

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Erstellt:
1. Mai 2020, 18:54 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 56sec

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