Die Feuerwehr leuchtete die Einsatzstelle aus. Weitere Einsatzkräfte machen sich bereit, um unter schwerem Atemschutz ins Gebäude zu gehen. Foto: Henkel

Die Feuerwehr leuchtete die Einsatzstelle aus. Weitere Einsatzkräfte machen sich bereit, um unter schwerem Atemschutz ins Gebäude zu gehen. Foto: Henkel

Nienburg 31.01.2021 Von Marc Henkel, Von Jörn Graue

Kohlenmonoxid: 18 Bewohner evakuiert

Grill in Wohnung an Nienburger Parkstraße angezündet: 14-Jährige kommt mit Vergiftung in Klinik

Großeinsatz für Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei an der Parkstraße in Nienburg: Am frühen Sonntagmorgen gegen 3 Uhr meldete sich ein Mitglied einer zwölfköpfigen Großfamilie über den Notruf 112 und schilderte dem Disponenten, dass einzelne Familienmitglieder zum Teil kollabiert waren und weitere über Vergiftungssymptome klagten.

Die Polizei bestätigte auf HARKE-Anfrage, dass basierend auf ersten Ermittlungen ein Grill zur Wärmegewinnung in der Wohnung aufgestellt worden war und sich Kohlenstoffmonoxid sukzessive in der Wohnung verteilt hatte. Zum Zeitpunkt des Einsatzes befand sich der Grill auf dem Balkon der Wohnung.

Beim Eintreffen der Feuerwehr stand nach Angaben von Marc Henkel, Pressesprecher der Freiwilligen Feuerwehren der Stadt Nienburg, bereits die Wohnungstür im ersten Obergeschoss auf. Beim Betreten der Wohnung schlugen die Kohlenmonoxidwarngeräte der Einsatzkräfte an und eine junge Frau sackte vor den Helfern zusammen. Nach Polizeiangaben handelte es sich dabei um eine 14-Jährige, die anschließend in ein Krankenhaus nach Hannover gebracht wurde. Unter schwerem Atemschutz evakuierten die Feuerwehren alle 18 Hausbewohner aus Erdgeschoss sowie erstem und zweitem Obergeschoss.

Erste Messungen ergaben in der betroffenen Wohnung im ersten Obergeschoss einen erhöhten Kohlenstoffmonoxidgehalt, sodass alle zwölf Familienmitglieder, darunter auch ein Säugling, in das nur knapp 300 Meter entfernte Nienburger Feuerwehrhaus gebracht wurden. Dort hatte bereits der Rettungsdienst mit neun Rettungswagen und zwei Notärzten eine Verletztensammelstelle eingerichtet.

Während die Feuerwehr das gesamte Wohngebäude mit Überdrucklüftern belüftete, wurde die Familie vom Rettungsdienst und auch Notfallseelsorgern im Feuerwehrhaus untersucht und betreut. Die übrigen sechs Bewohner waren laut Henkel vor Ort durchgecheckt worden. Da dem Feuerwehrsprecher zufolge während des Einsatzes Temperaturen von Minus acht Grad herrschten, versorgten die Helfer die Bewohner auch mit heißen Getränken. Bei der Betreuung der Menschen unterstützten auch mehrere Norfallseelsorger.

Wir können von Glück reden, dass Familienmitglieder die Symptome bemerkt haben.

Marc Henkel, Pressesprecher der Nienburger Feuerwehr

Nach rund einer Stunde des Belüftens wurden durch den ABC-Zug erneute Messungen durchgeführt. Diese Messungen ergaben nach Henkels Worten keine weiteren Kohlenmonoxidgase, sodass die Bewohner wieder in ihre Wohnungen zurückkehren konnten. „Wir können von Glück reden, dass Familienmitglieder die Symptome bemerkt haben“, betonte der Feuerwehrsprecher „Wäre dies unbemerkt geblieben, so wäre aus der Menschenrettung vermutlich eine Bergung geworden“, führt Henkel die lebensbedrohliche Gefahr, in der sich die Hausbewohner befunden hatten, vor Augen.

Kohlenmonoxid sei ein äußerst gefährliches Atemgift, welches durch die Atmung aufgenommen würde. Das eingeatmete Kohlenmonoxid gelange in der Folge über die Lunge in den Blutkreislauf, wo es sich an das Hämoglobin in den roten Blutkörperchen hefte, und zwar genau an der Stelle, an welcher normalerweise Sauerstoff gebunden würde, beschrieb Henkel die potenziell todbringende Wirkung des Gases.

Nach Angaben des Pressesprechers waren insgesamt 30 Feuerwehrkräfte der Wehr Nienburg und des ABC-Zuges sowie zwei Notärzte und neun Rettungswagen an den Einsatzort geeilt. Für den Rettungsdienst war die Einsatzstufe „Massenanfall von Verletzten eins“, das heißt mindestens fünf verletzte Personen, ausgelöst worden. Die Polizei war mit zwei Streifenwagen an die Parkstraße ausgerückt.

Update 15:20 Uhr

Die ursprüngliche Meldung wurde durch eine überarbeitete Version mit zusätzlichen Informationen ausgetauscht.

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Erstellt:
31. Januar 2021, 09:39 Uhr
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