Kristina Stecklein DH

Kristina Stecklein DH

Landkreis 11.07.2019 Von Kristina Senning

Größer werdende Schwächen

Guten Tag

Grenzwerte, Funktionen, Integralrechnung – wem bei diesen Begriffen der Kopf schwirrt, geht es ganz genauso wie mir. Und doch ist mir eines in der Oberstufe, Mathematik, gewissermaßen unantastbar eingebläut worden: „Das werdet ihr später alles brauchen.“ Liebe Mathelehrer, ich weiß nicht, ob ich nun enttäuscht oder glücklich sein soll, dass sich diese Aussage über die Jahre als dickes Lügengespinst entpuppt hat.

Doch das Ammenmärchen der hohen Mathematik im alltäglichen Gebrauch (natürlich berechne ich die Wahrscheinlichkeit, ob das Gummibärchen, das ich mühsam aus der Tüte fische, ein rotes oder grünes ist) hat sich nicht bewahrheitet. Ein anderes aber umso mehr: Ich sehe immer wieder, dass Schulabgängern in den Jahren „danach“ wichtige Grundlagen fehlen. Sei es in der Mathematik, in Deutsch oder eben in ganz anderen Lebenslagen.

In unserem Schulsystem läuft vieles falsch. Schüler werden durch Lehrpläne gejagt. Sie lernen auswendig, ohne den Inhalt überhaupt verstanden zu haben. Die Jugendlichen werden darauf getrimmt, immer besser zu werden, mehr zu lernen , mehr zu liefern – doch was bringt dieses „mehr“ in einer minderwertigen Qualität?

Ich erinnere mich an eine Nachhilfestunde, die ich vor einigen Jahren gegeben habe. Mathematik, 6. Klasse. Das Thema: Dreisatz. Ich muss gestehen, ich konnte die Aufgabe nicht lösen. Am nächsten Tag stellte sich heraus, dass es auch all meinen Mitschülern aus der 12. Klasse so ging. Dieses Problem findet sich überall da wieder, wo es Schwächen gibt. Statt einer vernünftigen Grundlage sorgen wir dafür, dass aus der Schwäche eine noch viel größere wird. Womöglich sogar eine Angst – und ist das das glorreiche Ziel?

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Erstellt:
11. Juli 2019, 10:50 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 50sec

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