Victory: die Menschen im Südsudan hoffen, dass die Vernunft siegen wird.

Victory: die Menschen im Südsudan hoffen, dass die Vernunft siegen wird.

01.03.2015

Große Freude über das Geld aus Germany

Grete Schaer ist nach vier Wochen wohlbehalten und voller Eindrücke aus dem Südsudan zurückgekehrt

Von Edda Hagebölling

Nienburg. Grete Schaer ist wieder wohlbehalten in Nienburg angekommen. Vier Wochen lang war die ehemalige Diakonin im Süden des Südsudan unterwegs, um die Frauen wiederzutreffen, denen sie im Verlauf ihrer Tätigkeit für das Frauenwerk der Landeskirche Hannover immer wieder begegnet ist. Und um nebenbei Gutes zu tun. Umgerechnet 2 400 Dollar waren auf Grund des Spendenaufrufs zusammengekommen, der im Vorfeld der Reise in der HamS erschienen war. Geld, das Grete Schaer – aufgeteilt in insgesamt zwölf 200-Dollar-Schecks – vor Ort an ihr gut bekannte Frauengruppen überreichte. Und von den Frauen in Juba, Rumbek und Opari dankbar entgegengenommen wurde. „Mit den allerbesten Grüßen nach Germany“, wie Grete Schaer nach ihrer Rückkehr im Treffen mit der Harke am Sonntag betonte. Mit einem Lied herzlich begrüßt wurde Grete Schaer bei ihrer Ankunft auf dem Flughafen von Juba, der Hauptstadt des Südsudan, von den UN-Mitarbeiterinnen Cecilia Poni und Joy Zacharia, der deutschen Theologin Gunda Stegen, der Parlamentarierin Joy Kwaje und Agnes Wasuk, Frauenkoordinatorin im südsudanesischen Christenrat.

Gewohnt hat Grete Schaer bei Cecilia Poni in Juba. „Cecilia wurde schon früh Witwe. Ihr Mann, ein opponierender Offizier, ist 1990/91 bei einem Putsch ermordet worden. Sein Leichnam wurde jedoch nie gefunden“, so die Nienburgerin. Im Haushalt der UN-Mitarbeiterin Cecilia Poni leben neben ihrem Sohn Emanuel – er studiert Jura – noch drei Neffen. Drei weitere Neffen leben gleich nebenan im Haus der Nichte. „Beide Frauen tragen auf diesem Weg maßgeblich dazu bei, dass die sechs Jungen die Schule besuchen und damit in einem Land, das hin und her gerissen ist zwischen dem Präsidenten auf der einen und dem Vizepräsidenten auf der anderen Seite, eine Chance haben“, so Grete Schaer weiter. Ebenfalls im Haushalt von Cecilia lebt der 15-jährige Samuel. Seine Eltern waren vor der Regierung aus dem Sudan nach Uganda geflohen und sind dort ums Leben gekommen. Versorgt wird die Familie von Betty. Die 20-Jährige wartet auf einen Studienplatz und wird in dieser Zeit von Cecilia Poni als Haushaltshilfe beschäftigt.

„Die Landessprache ist arabisch, mit den Frauen konnte ich mich jedoch problemlos auf englisch verständigen. Der Sudan wurde während der Kolonialzeit von England regiert“, berichtet Grete Schaer weiter. Nicht so gut gewöhnen konnte sie sich dagegen daran, dass es in Juba weder einen Stadtplan, noch Straßennamen noch Hausnummern gibt. Und dass alle mit dem Handy telefonieren. „Telefonleitungen gibt es nicht. Und auch kein Postamt. Dabei hätte ich schon gerne die eine oder andere Ansichtskarte versandt“, so die Nienburgerin.

Die vier Wochen im Südsudan waren ausgefüllt mit Besuchen und Reisen. Die eine führte Grete Schaer nach Rumbek, der Gemeinde von Bischof John Malou Ater. Er hatte einst den Grundstock gelegt für die Begegnung mit den Menschen im Sudan. Bischof John Malou Ater wurde ermordet. Sein Grab zu besuchen war einer von Grete Schaers Wünschen.

Eine zweite Reise führte in den Süden nach Opari. Dort betreibt Gunda Stegen, eine mit Grete Schaer befreundete deutsche Theologin, ein Zentrum zur Herstellung natürlicher Medizin. Und berät die Menschen in der Region in puncto gesunder Lebensführung. „Zum einen ist industriell hergestellte Medizin für die allermeisten Menschen im Südsudan unerschwinglich, zum anderen stehen von Gunda angebaute Kräuter wie die Artemisia-Pflanze in dem Ruf, genauso gut gegen Malaria zu helfen wie die klassische Medizin“, so Grete Schaer. Unterstützt wird das Anamed-Projekt in Opari von „Brot für die Welt Österreich“.

Ganz viel Zeit hat Grete Schaer dagegen damit verbracht, Einladungen innerhalb Jubas wahrzunehmen. Und Gespräche mit Frauengruppen zu führen. Aufgefallen ist ihr: Tagsüber prägen Frauen das Bild der Großstadt. Sie sind zu Fuß unterwegs, tragen auf ihren Köpfen Wasserbehälter – Wasserleitungen können sich nur die ganze Reichen leisten – und verkaufen auf den vielen kleinen Märkten selbst hergestellte Produkte. Die Männer sind dagegen mit Autos, Bussen oder den Motorrad-Taxis unterwegs. Nach Einbruch der Dunkelheit wandelt sich das Bild. Die Männer sitzen vor den Häusern, Frauen sind nicht mehr zu sehen.

„Allerdings wurde ich eindringlich davor gewarnt, tagsüber allein unterwegs zu sein“, so Grete Schaer. Noch gut erinnert sie sich daran, von zwei Soldaten verfolgt worden zu sein, als sie mit Gunda Stegen zu Fuß in der Stadt spazieren ging. „Ein bisschen hat mich das an meine Besuche in der ehemaligen DDR erinnert. Dort hatte man auch das Gefühl, sich möglichst unauffällig verhalten zu müssen“, so die Diakonin.

Dass es möglich ist, als Frau im Alter selbstbestimmt und finanziell unabhängig zu leben, können sich die Frauen, mit denen Grete Schaer im Südsudan zusammenkam, im Moment noch nicht vorstellen. Als Witwe sind sie nach wie vor darauf angewiesen, von ihren Söhnen unterstützt zu werden.

Dennoch geben auch die Frauen die Hoffnung nicht auf, dass in ihrer Heimat die Vernunft siegen wird über die ethnischen Machtkämpfe und dass der Südsudan auf seinem Weg zu einem demokratischen Land vorankommt.

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Erstellt:
1. März 2015, 00:00 Uhr
Lesedauer:
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