MdL Helge Limburg (Mitte) besuchte die örtliche Initiative gegen den geplanten Torfabbau in Darlaten. Sie kritisiert den fortschreitenden Torfabbau im Naturschutzgebiet Uchter Moor und plädiert für eine Wiedervernässung. Kreisverband Bündnis 90/Grüne

MdL Helge Limburg (Mitte) besuchte die örtliche Initiative gegen den geplanten Torfabbau in Darlaten. Sie kritisiert den fortschreitenden Torfabbau im Naturschutzgebiet Uchter Moor und plädiert für eine Wiedervernässung. Kreisverband Bündnis 90/Grüne

Darlaten 06.02.2019 Von Die Harke

Grüne kritisieren Torfabbau

Uchter Moor: Ist der fortschreitende Abbau im Naturschutzgebiet rechtmäßig? / Nur nasse Moore binden CO2

Der Grünen-Kreisverband Nienburg kritisiert den voranschreitenden Torfabbau im Uchter Moor. „Wie kann es sein, dass 54,11 Hektar der jetzt genehmigten Erweiterungsflächen im Naturschutzgebiet (NSG) Uchter Moor liegen, das am 16. Janaur 2007 in einer entsprechenden Gesetzgebung zum Naturschutz in Kraft trat und noch 2017 ergänzt wurde? Das NSG ist Teil des europaweiten Netzes Natura 2000. Bereits seit 1983 gehört es zum EU- Vogelschutzgebiet (V40)“, fragt der Kreisverband in einer Pressemitteilung. Darin heißt es, dass die Firma Torf und Humuswerk Uchte GmbH die Genehmigung zum Torfabbau auf einer Fläche von 153,63 Hektar nach dem am 14. September 2018 erteilten Planfeststellungsbeschluss erhalten hätte. „Der Antragssteller begründet das Vorhaben mit der Notwendigkeit, den zukünftigen Rohstoffbedarf der Firma Torf- und Humuswerk Uchte GmbH zu decken‘. Zusätzlicher Flächenbedarf entsteht durch das Hochwasserrückhaltebecken, die Ausbauflächen zur Erweiterung der Entwässerung sowie bei der notwendigen Zwischenlagerung des abgetragenen Oberbodens. Das Abbauvolumen des für eine Dauer von 35 Jahren geplanten Vorhabens beträgt rund zwei Millionen Kubikmeter Torf. Durch den geplanten Torfabbau werden etwa vier Millionen Tonnen CO2 freigesetzt“, schreiben die Grünen.

Limburg fordert vollständigen Stopp des Torfabbaus

Die Partei verweist auf die Bedeutung von Mooren als „größter Kohlenstoffspeicher der terrestrischen Biosphäre“. Die für Land-, Forst- und Torfwirtschaft entwässerten Moore Deutschlands stoßen den Grünen zufolge 45,7 Millionen Tonnen CO2 aus. „In Niedersachsen findet auf zwölf Prozent der Fläche Torfabbau statt. Außerdem werden rund 66 Prozent der verfügbaren niedersächsischen Hochmoorfläche land- bzw. forstwirtschaftlich genutzt. Laut Umweltbundesamt fallen pro emittierter Tonne CO2 etwa 80 Euro Schadenskosten an“, heißt es von den Grünen weiter.

Deren Landtagsabegeordneter Helge Limburg traf sich jetzt zu einem Gespräch mit der örtlichen Initiative gegen den geplanten Torfabbau in Darlaten. Nach ihrer Auffassung wäre eine Wiedervernässung der verbleibenden Moore ideal. Denn nur nasse, lebendige Moore wachsen und binden CO2. Dagegen zersetzen sich trocken gefallene Moore und geben dabei CO2 ab. Das gilt auch für Moorböden, die landwirtschaftlich genutzt werden; auch hier entstehen erhebliche CO2-Emissionen.

Limburg betonte, dass es letztlich einen vollständigen Stopp des Torfabbaus in Niedersachsens geben müsse. „Moore binden viel CO2. Wenn Deutschland seine Versprechen von Paris und Kattowitz einhalten will, müssen wir Moore bewahren und schützen“, so der Abgeordnete. Vor dem Hintergrund der herausragenden Rolle von Mooren bei der Speicherung von CO2 sei nicht nachvollziehbar, warum es in anderen Regionen Deutschlands steuerfinanzierte Großprojekte gebe, bei denen eine Endlagerung von CO2 in unterirdischen Kavernen erprobt werde.

Im Hinblick auf das geplante Torfabbauvorhaben im Uchter bennenen die Grünen in der Pressemitteilung weitere Kritikpunkte: „Im NSG hat die Landwirtschaft strikte Auflagen einzuhalten. Ackerflächen mussten innerhalb von fünf Jahren in Grünland umgewandelt werden. Es besteht ein Verbot der Einebnung, des Planierens oder auch der Neuanlage von Dränung. Diese vom Landkreis vorgegebenen Auflagen zur Flächennutzung – Vertragsnaturschutz nach Absprache mit dem Landkreis ist erwünscht – hatten eine teilweise Enteignung wegen Wertminderung zur Folge und verstärken den Eindruck, dass mit zweierlei Maß gemessen wurde: Nach dem aktuellen Planfeststellungsbeschluss des Landkreises ist nämlich der Torf-abbau auf den gleichen Flächen ausdrücklich erlaubt!“

Grünen-Kreisverband spricht von teilweiser Enteignung

Weiter heißt es: „Entgegen der eindeutigen Bestimmungen der Landesplanerischen Feststellung ist eine Erweiterung der Gräben bis tief in den mineralischen Grund vorgesehen. Die natürliche Wasserscheide wird im Bereich des langen Damms durchbrochen. Dies lässt Auswirkungen auf den Grundwasserhaushalt befürchten.

Zudem ist eine Erhöhung der Stoffeinträge in das Grundwasser zu befürchten. Durch die geplante Entwässerung in den mineralischen Grund erscheint außerdem der Erfolg einer Wiedervernässung eher fraglich.“ Ferner sei die beschlossene Sicherheitsleistung nach Auffassung der Grünen weit geringer als die vom Antragsteller berechneten Wiederherstellungskosten der Flächen.

Laut Helge Limburg leben im geschützten Hochmoor zahlreiche seltene Vogelarten. Deshalb musste für den Torfabbau eine FFH-Verträglichkeitsprüfung durchgeführt werden. Die rot-grünen Regelungen im Landesraumordnungsprogramm (LROP) sahen vor, dass die Genehmigung für Torfabbau nur auf Grundlage von Ausgleichsmaßnahmen wie einer Klimakompensation erteilt werden könne, die im Anschluss stattfinden müssten.

So sollten die schädlichen Auswirkungen auf das Klima durch Regeneration von Moorflächen kompensiert werden. Er dankte den Landwirten: „Viele Landwirte haben hier jahrelang die Natur gehegt und gepflegt. Es muss bitter sein, jetzt den Torf- abbau erdulden zu müssen und die damit einhergehende Zerstörung der Landschaft.“ Die Firma Torf- und Humuswerk Uchte GmbH & Co. KG müsse sich Limburg zufolge an die Vorgaben des Landesraumordnungsprogramms halten.

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Erstellt:
6. Februar 2019, 12:00 Uhr
Lesedauer:
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