Koordinierungsstelle Migration und Bildung stellt in lockerer Folge Wirtschaftsbetriebe im Landkreis vor. Landkreis Nienburg

Koordinierungsstelle Migration und Bildung stellt in lockerer Folge Wirtschaftsbetriebe im Landkreis vor. Landkreis Nienburg

Landkreis 16.06.2019 Von Die Harke

Grünkohl, Spargel, Welfenspeise

Koordinierungsstelle Migration und Bildung stellt in lockerer Folge Wirtschaftsbetriebe im Landkreis vor

Es gibt zahlreiche Wirtschaftsbetriebe, die von Migrantinnen und Migranten im Landkreis Nienburg geführt werden - von Menschen, die in erster, zweiter oder dritter Generation hier leben, sich eine eigene Existenz aufgebaut und Arbeitsplätze im Landkreis geschaffen haben. In loser Folge stellt die Koordinierungsstelle Migration und Bildung des Landkreises unterschiedlich große Betriebe aus verschiedenen Kommunen vor – stellvertretend für ähnliche Betriebe überall im Landkreis.

Der gebürtige Ungar Attila Vestdalen leitet zusammen mit dem Landesberger Jürgen Meyer den Mühlengasthof in Landesbergen. Die beiden lernten sich vor zwölf Jahren in Schweden kennen, lebten und arbeiteten bis 2017 über 20 Jahre in Malmö – Meyer als Gartenbauingenieur im Managementbereich, Vestdalen als Teileigentümer eines italienischen Restaurants. Seinen Beruf als Koch und Bäcker erlernte er noch in Ungarn.

Der 48-jährige besitzt seit 2003 zusätzlich zur ungarischen auch die schwedische Staatsangehörigkeit. Die beiden Mühlengasthofbetreiber sprechen schwedisch miteinander. „In Schweden erhielt ich zu Beginn einen zweimonatigen Sprachkurs, im dritten Monat fing ich an zu arbeiten, mein Restaurantteam bestand aus acht Nationen, die Umgangssprache war schwedisch“, erläutert Attila Vestdalen.

Für einen Sprachkurs fehlte ihm bei der Übernahme des Mühlengasthofbetriebes in Deutschland die Zeit, er verstehe alles, aber am Sprechen hapere es noch. Zweimal die Woche nimmt Attila Vestdalen Einzelunterricht in Deutsch, mit Meyers Eltern funktioniert die Verständigung gut, da das Landesberger Platt der schwedischen Sprache sehr ähnlich sei. Die Mutter Ursula Meyer lehrte ihn die norddeutsche Küche, dadurch fiel dem Koch die Umstellung von Pizza auf Grünkohl, Spargel und Welfenspeise leicht.

„Dass wir 2017 in Deutschland gelandet sind, ist eher Zufall,“ so Vestadalen im Interview. „Als gebürtiger Landesberger war uns beiden durch Besuche bei meinen Eltern der Mühlengasthof bekannt,“ ergänzt der ehemalig europaweit tätige Manager Meyer. Die beiden wollten sich beruflich verändern und zusammenarbeiten. „Nach Ungarn wollten wir aufgrund der Korruption nicht, Arbeitsort hätte aber auch Portugal oder Sri Lanka werden können“, so der Küchenchef. Die Pachtung des Mühlengasthofs mit Restaurantbetrieb (60 Plätze drinnen plus 60 Plätze draußen), Saalbetrieb bis 200 Personen, acht Übernachtungszimmern und das alte Backhaus rückte durch eine Anzeige der Gemeinde in den Fokus der beiden.

Mittlerweile arbeitet auch Vestdalens Bruder Janos Baranya im Mühlengasthof, die Mutter der beiden verbringt die Winterzeit in Landesbergen und hilft zusammen mit Meyers Eltern im Betrieb. Die beiden Betreiber haben sechs Tage geöffnet, sie kommen täglich auf 17 Stunden Arbeitszeit durch Küchen- und Tresenarbeit. Am Mittwoch als Ruhetag arbeiten die beiden acht Stunden im Büro - ihnen fehlen wie überall in Deutschland Arbeitskräfte. „Teilweise können und wollen wir in der Anfangsphase aber auch nicht alles aus der Hand geben“, so der Landesberger selbstkritisch.

Zwei Wochen Jahresurlaub gönnen sie sich, perspektivisch seien mehr Angestellte, eine eigene landwirtschaftliche Produktion auf dem Grundstück der Meyer-Eltern zur Verarbeitung in der Mühlengasthofküche angedacht. Zurzeit beschäftigen die beiden neun Angestellte, von Teil- bis Vollzeitstellen, dazu kommen noch zehn Personen als geringfügig Beschäftigte.

„Wir sind in Deutschland mit offenen Armen empfangen worden“, betont Vestdalen, der abschließend dankbar auf die große Unterstützung der Eltern und Meyers Landesberger Freundinnen und Freunde verweist. Solange es ihnen in Deutschland gefalle, so die beiden, so lange bleiben sie hier.

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Erstellt:
16. Juni 2019, 12:06 Uhr
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