Gerd Schünemann und Michaela Kitz kippen im Wahllokal in Rohrsen die Stimmzettel zum Zählen auf den Tisch. Foto: Stüben

Gerd Schünemann und Michaela Kitz kippen im Wahllokal in Rohrsen die Stimmzettel zum Zählen auf den Tisch. Foto: Stüben

Heemsen 04.10.2020 Von Sebastian Stüben

Grundschule Drakenburg bleibt zu

Bürgerentscheid mit 1.034 Ja-Stimmen zu 1.514 Nein-Stimmen gegen Wiedereröffnung ausgefallen

Die Drakenburger Grundschule bleibt geschlossen. Das hat der Bürgerentscheid in der Samtgemeinde Heemsen ergeben, in dem es im Kern um die Wiedereröffnung der Grundschule in Drakenburg ging. 1.034 Einwohner der Samtgemeinde hatten mit Ja und somit für eine Wiedereröffnung der Grundschule in Drakenburg gestimmt, 1.514 mit Nein und somit dagegen. Die Wahlbeteiligung lag bei 51,52 Prozent.

Einer der Initiatoren des Bürgerentscheids, Burkhard Benecke von der Interessengemeinschaft „Ja zur Grundschule“, sagte nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses: „Es war klar, dass es schwierig wird, die Wahl für uns zu entscheiden. Persönlich bin ich vom Abstimmungsergebnis in Drakenburg enttäuscht. Ich hätte es noch deutlicher für die Wiedereröffnung der Grundschule erwartet. Und ich hatte mir eine deutlich höhere Wahlbeteiligung dort erhofft. Jetzt ist das Thema für uns durch.“

Die Drakenburger stimmten mit 66,91 Prozent für Ja (455 Stimmen) und mit 33,09 Prozent für Nein (225 Stimmen. Die Wahlbeteiligung dort lag bei 46,93 Prozent – allerdings ohne die Stimmen der Briefwahl, die nicht auf die Wahllokale aufgesplittet wurden. Von 2.548 abgegebenen gültigen Stimmen in der Samtgemeinde sind 503 per Briefwahl eingegangen.

Petra Dobberschütz (53) aus Drakenburg: „Ich habe mit Ja gestimmt. Ich bin der Meinung ein Dorf sollte ruhig auch eine kleine Schule haben. Es fördert das Soziale bei den Kindern, wenn sie in kleinen Klassen unterrichtet werden. Die Kinder lernen sich viel besser kennen. Mein Sohn ging zwei Jahre auf die Drakenburger Grundschule, nachdem er zuvor auf der Nienburger Leintorschule war. Die war viel größer, und er fand es in Drakenburg richtig gut. Außerdem würde für die Kinder die Fahrerei nach Heemsen wegfallen.“ Foto: Stüben

Petra Dobberschütz (53) aus Drakenburg: „Ich habe mit Ja gestimmt. Ich bin der Meinung ein Dorf sollte ruhig auch eine kleine Schule haben. Es fördert das Soziale bei den Kindern, wenn sie in kleinen Klassen unterrichtet werden. Die Kinder lernen sich viel besser kennen. Mein Sohn ging zwei Jahre auf die Drakenburger Grundschule, nachdem er zuvor auf der Nienburger Leintorschule war. Die war viel größer, und er fand es in Drakenburg richtig gut. Außerdem würde für die Kinder die Fahrerei nach Heemsen wegfallen.“ Foto: Stüben

Im Text des Bürgerentscheids hieß es übrigens: „Sind Sie dafür, dass der Samtgemeinderatsbeschluss vom 4. Februar 2019 über die Zusammenführung der Grundschulen aufgehoben wird und die Grundschulen Drakenburg und Haßbergen in ihrer jetzigen Form und Eigenständigkeit erhalten bleiben.“ Das Bürgerbegehren wurde bereits am 9. April 2019 eingereicht, als die Grundschule noch bestand. Seit dem Sommer 2019 ist die Grundschule Drakenburg geschlossen, die Grundschule in Haßbergen existiert noch.

Torsten Meyer (38) aus Haßbergen: „Ich habe mit Nein gestimmt. Ich glaube, für die Drakenburger Schüler ist es in Anbetracht der schlechten Lehrerversorgung das Beste, wenn sie in Heemsen unterrichtet werden. Finanziell wäre die Wiedereröffnung der Grundschule in Drakenburg in meinen Augen eine Mega-Mammutaufgabe für die Samtgemeinde, deren Kassen ohnehin klamm sind. Außerdem müssen wir auf unsere eigene Schule und deren Lehrerversorgung gucken.“ Foto: Stüben

Torsten Meyer (38) aus Haßbergen: „Ich habe mit Nein gestimmt. Ich glaube, für die Drakenburger Schüler ist es in Anbetracht der schlechten Lehrerversorgung das Beste, wenn sie in Heemsen unterrichtet werden. Finanziell wäre die Wiedereröffnung der Grundschule in Drakenburg in meinen Augen eine Mega-Mammutaufgabe für die Samtgemeinde, deren Kassen ohnehin klamm sind. Außerdem müssen wir auf unsere eigene Schule und deren Lehrerversorgung gucken.“ Foto: Stüben

Drakenburgs Gemeindebürgermeisterin Ute Paczkowski sagte gestern Abend im Rathaus: „Die Mehrheit der Bewohner in Drakenburg möchte, dass die Schule wiedereröffnet wird. Das ist emotional zu verstehen. Aber wir müssen mit der Entscheidung der Bürger leben.“ Ihr Haßberger Kollege Mario Heuer sagte: „Ich bin froh, dass das Thema vom Tisch ist und wir uns wieder anderen Sachen widmen können. Die Haßberger haben mit etwa 50 Prozent gegen die Aufhebung des Ratsbeschlusses gestimmt. Und das trotz eines Wahlkampfes der Zweifel aufkommen lässt, ob das alles so korrekt war. Jetzt haben die Eltern auch in Drakenburg Sicherheit.“ Die Haßberger haben 266-Ja-Stimmen und 262 Nein-Stimmen abgegeben.

Daniel Niewienda (38) aus Heemsen: „Ich habe mit Ja gestimmt, weil ich glaube, dass die Politik einen dezenten Hinweis braucht, dass sie Bereitschaft zum Kompromiss zeigen muss. Diese Bereitschaft wird sich nicht einstellen, wenn keiner was sagt. Die Politiker können nicht einfach über die Wünsche der Einwohner hinwegentscheiden. Es kommt natürlich auf die Schülerzahlen an. Hier wird meiner Meinung nach oft zu kurzfristig geplant – auch was die Lehrerversorgung angeht.“ Foto: Stüben

Daniel Niewienda (38) aus Heemsen: „Ich habe mit Ja gestimmt, weil ich glaube, dass die Politik einen dezenten Hinweis braucht, dass sie Bereitschaft zum Kompromiss zeigen muss. Diese Bereitschaft wird sich nicht einstellen, wenn keiner was sagt. Die Politiker können nicht einfach über die Wünsche der Einwohner hinwegentscheiden. Es kommt natürlich auf die Schülerzahlen an. Hier wird meiner Meinung nach oft zu kurzfristig geplant – auch was die Lehrerversorgung angeht.“ Foto: Stüben

Samtgemeindebürgermeisterin Bianca Wöhlke sagte zum Wahlergebnis: „Der Beschluss des Samtgemeinderates ist damit relativ klar bestätigt worden. Ich hätte mir aber eine deutlich höhere Wahlbeteiligung gewünscht. So wie uns das Thema in den vergangenen Wochen beschäftigt hat, hätte ich mir 70 bis 80 Prozent gewünscht. Aber die Hälfte der Wahlberechtigten hat es offenbar als nicht so wichtig erachtet.“ Als Nächstes müssten sich Politik und Verwaltung jetzt Gedanken über die Nachnutzung des Grundschulgebäudes in Drakenburg machen.

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Erstellt:
4. Oktober 2020, 21:28 Uhr
Lesedauer:
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