Günther Distelrath bleibt NFV-Präsident

Günther Distelrath bleibt NFV-Präsident

Günther Distelrath bleibt weitere drei Jahre als NFV-Präsident im Amt. Foto: NFV

Günter Distelrath bleibt für weitere drei Jahre Präsident des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV). Die Delegierten erteilten dem 71-jährigen Salzgitteraner am Wochenende beim 46. Ordentlichen Verbandstag des NFV einen klaren Vertrauensbeweis. Distelrath steht seit 2017 auf der Kommandobrücke des 1946 gegründeten Verbandes und ist nach dem Hannoveraner Karl Laue (Präsident von 1946 bis 1968), dem Einbecker Gustl Wenzel (1969 bis 1988), dem Hildesheimer Engelbert Nelle (1988 bis 2005) und dem Barsinghäuser Karl Rothmund (2005 bis 2017) erst der fünfte Präsident des NFV.

Verbandstag erstmals als Online-Mitgliederversammlung

„Wir leben in außergewöhnlichen Zeiten und deshalb erleben wir heute einen fürwahr historischen Tag. Denn erstmals in der Geschichte des Verbandes findet ein Ordentlicher Verbandstag nicht als Präsenzveranstaltung, sondern als Online-Mitgliederversammlung statt“, begrüßte Distelrath die über das große Flächenland Niedersachsen verteilten Delegierten virtuell. Die am Verbandstag in Barsinghausen dennoch vor Ort involvierten Personen, zum Beispiel die Mitglieder des NFV-Präsidiums und die Techniker der DFB-GmbH, die für die virtuelle Umsetzung des Verbandstages verantwortlich zeichneten, waren vom ASB-Team Barsinghausen vor der Veranstaltung auf Corona getestet worden, um eine maximale Sicherheit zu gewährleisten.

Bei der Bilanzierung seiner bisherigen Amtszeit betonte Distelrath vorweg, dass „das Amt des NFV-Präsidenten zwar ein forderndes, aber dennoch sehr schönes Amt ist. Es macht einfach Spaß, mit allen gemeinsam an der Gestaltung und Weiterentwicklung des Fußballs mitzuwirken.“

Dabei zog er ein positives Fazit: „Wir haben in den vergangenen Jahren gemeinsam einiges auf den Weg gebracht, sind aber noch längst nicht am Ziel.“ Zur Situation des seit November 2020 wieder bestehenden Lockdowns sagte der NFV-Präsident: „Viele kleine Vereine wissen nicht mehr, wie es weitergehen soll. Diese Sorgen sind auch die Sorgen aller, die für den Fußball im NFV Verantwortung tragen. Deshalb möchte ich Ihnen, liebe Vereinsvertreter, von dieser Stelle aus zurufen: Wir stehen an Ihrer Seite und kümmern uns, wo wir können!“

Kritik an Plänen des Landessportbundes

Deutliche Kritik übte Distelrath an dem vom Landessportbund (LSB) Niedersachsen ins Auge gefassten Zeitplan zur Rückkehr in den Sportbetrieb. Vorausgegangen war die Veröffentlichung des Corona-Stufenplans 2.0 der Landesregierung Niedersachsen: „Zu diesem Zeitplan des LSB, der für uns weder plausibel noch akzeptabel ist, sagen wir in aller Deutlichkeit nur ein Wort. Und dieses heißt: Nein. Wir sagen Nein, dass erst ab dem 23. Juli im Mannschaftssport die Rückkehr zum gewohnten Sportbetrieb möglich sein soll. Ich möchte an dieser Stelle nachdrücklich daran erinnern, dass der Fußball eine ungemein wichtige Kraft ist, um unsere Gesellschaft zusammen zu halten. Eine Kraft, die unser Land mehr denn je braucht. Deshalb fordern wir einen weitaus früheren Wiederbeginn von Training und Wettkampfsport ein, sofern es der Inzidenzwert zulässt, und dies wäre ein Wert zwischen 50 und 25. Konkret bedeutet dies einen Wiederbeginn von Trainingsmöglichkeiten in festen Gruppen im Verein ab März und einen Beginn von Wettkampfsport in Gruppenstärke von bis zu 50 Personen ab April.“

Distelrath wünscht sich einen verantwortungsvollen Übergang vom Lockdown in den Normalzustand, der berücksichtigt, „dass beim Fußballspielen im Freien eine Übertragung des Corona-Virus mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auszuschließen ist. Zudem sei

Fußball im Gegensatz zum Boxen oder Ringen keine „Kontaktsportart“ im Sinne langanhaltender, statischer Ganzkörperkontakte mit hohem Infektionsrisiko, sondern vielmehr eine Sportart mit Kontakten über wenige Sekunden mit geringer Kontaktfläche.“

Trotz der unruhigen Zeiten sei es der Zusammenhalt in der niedersächsischen Fußballfamilie, der Distelrath optimistisch vorausschauen lässt: „Wenn ich sehe, mit welcher Kreativität, mit welchem Einsatz und mit welcher Entschlossenheit in den Vereinen, Kreisen und Bezirken des NFV gearbeitet wird, dann habe ich keinen Zweifel daran, dass wir trotz aller Herausforderungen für die Zukunft gut aufgestellt sind.“

Die nachhaltige und dauerhafte Stärkung und Förderung des Ehrenamtes werden auch weiterhin zu den zentralen Anliegen seiner Präsidentschaft gehören. Die herausragende Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements für den Fußball, aber auch für die Gesellschaft würdigten auch die Gastredner in ihren Video-Grußbotschaften.

Video-Grußbotschaften von Gastrednern

Dabei beklagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil die derzeit aufgrund von Corona fehlenden Freizeitangebote für Sportlerinnen und Sportler, fehlende soziale Kontakte, fehlende Kinder- und Jugendarbeit, die auch ein Teil von Erziehung sei, und fasste zusammen: „Im Sport sehen wir besonders stark, was wir derzeit nicht haben.“ Aber er verbreitete auch Zuversicht: „Ich setze darauf, dass der Fußball eine ungemein wichtige Kraft ist, um unsere Gesellschaft zusammenzuhalten. Arbeiten wir daran, dass der nächste Verbandstag wieder ein ganz normaler werden kann.“

Boris Pistorius, Niedersächsischer Minister für Inneres und Sport, würdigte den NFV: „Ohne sie und ihre unverzichtbare Arbeit wäre eine derartig vielfältige und starke Sportlandschaft, wie wir sie in Niedersachsen haben, völlig undenkbar. Sie sind seit vielen Jahren ein verlässlicher Partner der Vereine, aber auch vertrauensvoller Ansprechpartner für die Politik. Der NFV ist im wahrsten Sinne des Wortes der zwölfte Mann oder die zwölfte Frau für den Fußball in Niedersachsen. Und gerade im zurückliegenden Jahr haben sie, wenn es nötig war, auch immer wieder den 13., 14. und 15. gestellt.“

DFB-Präsident Fritz Keller dankte allen, die sich in einem nicht einfachen Jahr zur Verfügung gestellt hatten, um einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten, und sprach insbesondere Distelrath einen sehr persönlichen Dank aus: „Er ist ein hochmotiviertes Präsidiumsmitglied und vertritt den NFV und den Amateurfußball engagiert beim DFB, indem er ausgleichende, kompetente Arbeit leistet.“

Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Umbach, Präsident des Landessportbundes (LSB) Niedersachsen, lobte „die sehr gute Zusammenarbeit“ von LSB und NFV: „Sie ist ein wichtiger Baustein zur Zukunftssicherung unserer Vereine.“ Als Beispiele gemeinschaftlicher Aktionen führte der Präsident unter anderem Projekte im Schulsport, eine gemeinsame Integrationsarbeit und Gemeinschaftsvorhaben gegen Diskriminierung und Gewalt auf. Dr. Umbach erinnerte zudem daran, dass das Land Niedersachsen 7 Millionen Euro als Coronahilfen für Vereine und Verbände zur Verfügung gestellt habe, davon aber 4,26 Millionen noch nicht verausgabt seien. Ein Antragsverfahren sei über das Intranet des LSB möglich. Er schloss mit dem Aufruf: „Unser aller Credo muss sein: trotzdem Sport, auch in schwierigen Zeiten.“

EWahl der Führungsspitze des Verbandes

Im Mittelpunkt der sportpolitischen Entscheidungen des Verbandstages standen natürlich die Wahlen der Führungsspitze des Verbandes. Günter Distelrath bekleidet weiterhin das Amt des Präsidenten und der Auetaler Hans-Heinrich Hahne ist auch künftig Vizepräsident Finanzen. Weiter als Vizepräsidenten im Amt bleiben die Vorsitzenden der NFV-Bezirke Hannover, August-Wilhelm Winsmann (Heinsen), und Weser-Ems, Dieter Ohls (Schortens). Neue Vizepräsidenten sind die Bezirksvorsitzenden Stefan Voth (Braunschweig) und der Boizenburger Christian Röhling (Lüneburg). Weitere Präsidiumsmitglieder bleiben die Vorsitzenden der Verbandsausschüsse. Dieses sind Heinz Walter Lampe (Essen/Jugendausschuss), Jürgen Stebani (Melbeck/Spielausschuss), Karen Rotter (Springe/Ausschuss für Frauen- und Mädchenfußball), Dieter Neubauer (Wolfsburg/Ausschuss für Qualifizerung), Bernd Domurat (Osnabrück/Schiedsrichterausschuss) und Frank Schmidt (Osnabrück/Ausschuss für gesellschaftliche Verantwortung).

Zudem mussten die Delegierten über einige Änderungen der Satzung und Ordnungen des NFV zu befinden. So befürworteten sie mit großer Mehrheit unter anderem einen Antrag des NFV-Präsidiums, der die Zusammenlegung der Kommission Prävention und Sicherheit sowie der Zulassungskommission zur Kommission Lizenzierung vorsieht. Keine Zustimmung fand ein Antrag von Germania Bleckenstedt, die eine Änderung der Spielordnung beantragt hatte. Der Verein aus dem NFV-Kreis Nordharz hatte dafür plädiert, dass es für den Aufstieg in die Landesliga der Männer künftig nicht mehr erforderlich sein muss, dass ein Verein mit einer weiteren Herrenmannschaft in einer unteren Leistungsklasse und einer Juniorenmannschaft in einer Altersklasse von den A- bis C-Junioren (11er-Mannschaft) im gesamten abgelaufenen und neuen Spieljahr am Pflichtspielbetrieb teilgenommen hat und teilnehmen wird. Die Bleckenstedter hatten ihren Antrag mit dem demografischen Wandel und dem damit einhergehenden Rückgang von Mannschaften und Spielern begründet.

Einen breiten Raum nahmen auch die Ehrungen verdienter Funktionäre, Sportler und Förderer des Fußballs ein. So wurden Eugen Gehlenborg (Garrel), Hans-Günther Kuers (Edlingen) und Egon Trepke (Gifhorn) zu Ehrenmitgliedern ernannt. Gehlenborg war von 2002 bis 2005 Vizepräsident und von 2005 bis 2011 1. Vizepräsident des Verbandes. Auch Kuers und Trepke gehörten dem NFV-Präsidium von 2008 bis 2021 als Vizepräsidenten an.