27.01.2013

„Gut gemeint, katastrophal gemacht“

Inklusion In Hoya ist weder die Förderschule noch die Grundschule mit dem Gesetz zufrieden

Von Horst Achtermann

Hoya. Der Niedersächsische Landtag hat am 20. März das Gesetz zur Einführung der inklusiven Schulen in Niedersachsen zum 1. August 2013 verabschiedet. Ziel der Inklusion ist die uneingeschränkte und umfassende Teilhabe von Kindern mit Behinderungen am Unterricht der Regelschulen.

Die Harke sprach über die damit verbundenen Herausforderungen, Erwartungen und Befürchtungen mit Hans Albrecht, Schulleiter an der Gutenberg-Förderschule in Hoya, und fragte bei Anne Sophie Wasner, Schulleiterin an der Grundschule Hoya, nach.

Das Gesetz zur Inklusion basiere auf positive Grundgedanken, so Hans Albrecht. „Aber die Form ist eine Katastrophe, die Klassen sind viel zu groß. In unserer Schule haben wir bislang eine durchschnittliche Klassenstärke von acht Schülern. In der Grundschule ist das anders“, bemerkt der Gutenberg-Schulleiter. An seiner Schule werden 75 Kinder von elf Pädagogen unterrichtet. Das Einzugsgebiet reicht von der Region Eystrup über Mehlbergen bis Magelsen.

Im Zusammenhang mit der Inklusion soll Hans Albrecht Förderschullehrkräfte abgeben. „Das kann ich gar nicht, es gibt also keine fachliche Beratung durch Förderschulkräfte“, stellt Albrecht fest und ergänzt: „Mangels entsprechend ausgebildeter Lehrkräfte haben wir nur noch eine Unterrichtsversorgung von 85 Prozent, ab Februar vermutlich nur noch 78 Prozent, da eine Kollegin pensioniert wird.“

Die Eltern haben allerdings Wahlfreiheit, ob ihre Kinder eine Regel- oder Förderschule besuchen soll. Ab 1. August haben Eltern das Recht, ihre Kinder, aufsteigend im 1. und 5. Schuljahrgang an einer Regelschule anzumelden.

Hans Albrecht bedauert, dass die Förderschulen nicht nach ihren Vorstellungen gefragt wurden. Die Förderschulen würden weiterhin bestehen bleiben, mit der Ausnahme, dass für Förderschulen der Schwerpunkt „Lernen“ im Primarbereich wegfalle. Förderschulen sollen ergänzend so genannte „Sonderpädagogische Förderzentren“ werden, heißt es vom Fachdienst Schule und Kultur beim Landkreis.

Hans Albrecht möchte Kinder dazu befähigen, später einen Beruf zu ergreifen. „Hier bei uns erwerben die Schüler nach der 10. Klasse den Hauptschulabschluss. Bei mir wurde keiner ohne Abschluss entlassen, und alle haben ihren Beruf gefunden.“

Grundschulleiterin Anne Wasner hält die „inklusive Beschulung vom Grundgedanken her für gut, weil sie einen offeneren Ansatz von schulischer Bildung verfolgt“. Sie betont jedoch, dass bei den zukünftigen Rahmenbedingungen nicht erwartet werden könne, dass gleichartige Ergebnisse in der Förderung der Kinder erreicht werde, wie sie bei einer Förderung in den Förderschulen „Lernen“ erreicht wurden.

Der Fokus richte sich im Moment auf die Förderschüler und deren Einbeziehung in den Unterricht. Dabei entstehe jedoch die Problematik, dass die anderen Grundschüler, die ein Ziel Richtung Real-, Oberschule und Gymnasien haben, etwas aus dem Blickwinkel zu geraten schienen.

In den Grundschulen gebe es längst eine inklusive Beschulung mit unterschiedlicher Ausprägung. An der Grundschule hätten alle Lehrkräfte eine entsprechende Fortbildung zu dieser Thematik, „das bedeutet aber nicht, dass sie ausgebildet sind“. Niemand solle ernsthaft denken, dass nach maximal zwei dreitägigen Fortbildungen Lehrer befähigt sind, Schüler mit unterschiedlichsten Behinderungen zu fördern.

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Erstellt:
27. Januar 2013, 00:00 Uhr
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