Edda Hagebölling DH

Edda Hagebölling DH

Guten Tag

Verkehrstaugliche Fahrräder für sechs junge Asylbewerber gesucht. Mein Lieblingssportverein hatte letztens in der Harke am Sonntag zu einer kleinen Spendenaktion aufgerufen. Wobei die Betonung auf „verkehrstauglich“ lag. Es soll bereits vorgekommen sein, dass Asylbewerber von der Polizei angehalten wurden, weil das Licht an ihrem Fahrrad nicht funktionierte. Dass das wichtig ist, hatte ihnen allerdings auch niemand gesagt.

Auf den Aufruf gemeldet hatte sich auch ein Leser aus Hoya. In seinem Keller lagerten noch zwei richtig reelle Fahrräder. Die wieder instandzusetzen, war für ihn Ehrensache. Die Ersatzteile steuerte ein örtlicher Fahrradfabrikant bei. Und auch der Bauhof meiner Lieblingssamtgemeinde spielte mit. Mal eben nach Hoya fahren und die Räder abholen, war kein Thema. Zu guter letzt kamen noch zwei vernünftige Schlösser dazu - was nützt das beste Rad, wenn es gleich wieder weg ist - und jetzt hoffen alle Beteiligten, dass die Spende aus Hoya in Heemsen gute Dienste leistet.

Zum Glück ist die Bereitschaft, den Flüchtlingen zu helfen, nach wie vor groß. Die meisten würden gerne eine Patenschaft für eine Familie in ihrer Nachbarschaft übernehmen. Um punktgenau helfen zu können. Und um dazu beizutragen, dass die Menschen, die Tausende von Kilometern zurückgelegt haben, um in unserem Land Schutz zu finden, Kontakt zu den Menschen in ihrer neuen Nachbarschaft bekommen.

Gottlob gelingt es den Kommunen im Landkreis nach wie vor, die Flüchtlinge dezentral unterzubringen. 821 leben zurzeit im insgesamt 120 000 Einwohenr zählenden Landkreis Nienburg. Nicht eingerechnet sind die zurzeit jeweils 50 Frauen, Männer und Kinder in den Erstaufnahmeeinrichtungen Offizierskasino und BBS-Halle. Sie werden irgendwann an andere Landkreise weitergereicht. Und können mehr als froh sein, dass sie nicht in den riesigen zentralen Einrichtungen wie Bramsche oder Friedland gelandet.

Duschen in Containern, Toiletten in Containern, Menschen in Containern. Bei fünf Grad und Regen. Was für ein trauriger Anblick bot sich dem Besucher letzte Woche in Bramsche. Dass es in Friedland bereits zu ersten Schikanen vonseiten der bezahlten Helfer gekommen sein soll, ist hoffentlich nur ein Gerücht.

Sollte es etwa außer dem guten und dem bösen Flüchtling auch den guten und den bösen Deutschen geben?

Die bitterböse Hitler-Satire „Er ist wieder“ da, die zurzeit auch im Nienburger Kino läuft, deutet darauf hin.

Zum Artikel

Erstellt:
24. Oktober 2015, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 11sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.