Edda Hagebölling DH

Edda Hagebölling DH

Guten Tag

„Schatzi, schenk mir ein Foto.“ In Heemsen erinnert man sich noch gut an das Lieblingslied der rund 1300 Kinder und Jugendlichen, die im Juli 2011 am damals 34. Kreisjugendfeuerwehr-Zeltlager teilnahmen. Morgens um 7 wurde es gespielt. Um die „lieben Kleinen“ zu wecken. Und die Nachbarn. Heute geht in Uchte das 37. Zeltlager zu Ende. Wieder mit rund 1300 Teilnehmern.

„Biste braun,kriegste Frau‘n“ war in diesem Jahr der Titel des Lagersongs.

Wie für die Kinder und Jugendlichen der heutige Sonntag nach ihrer Abreise aus Uchte verlaufen wird, steht bereits fest. Sie werden schlafen, schlafen und nochmal schlafen. Morgen vermutlich auch noch. Und die Verantwortlichen?

Wer schon einmal mit Jugendfreizeiten zu tun hatte, ahnt, wie es ihnen nach zehn Tagen im Zeltlager geht. Okay, das Leben bei Feuerwehrens soll recht komfortabel sein. Dennoch werden sie einfach nur erleichtert sein. Erleichtert darüber, dass bis auf ein paar Blessuren wieder alles gut gegangen ist. Erleichtert aber auch darüber, dass wieder Normalität einkehrt.

Natürlich würden sie nicht als Betreuer in ein Zeltlager dieser Größenordnung gehen, wenn sie keinen Spaß daran hätten. Selbstverständlich ist es dennoch nicht.

Gleiches gilt für die Menschen, die sich in den Gemeinden um die Asylbewerber kümmern, die dem Landkreis Nienburg zugewiesen werden. 628 sind es zurzeit. Ganz recht. 628. nicht 6280 und schon gar nicht 16280. Laut Landkreis-Pressesprecher Torsten Rötschke gelingt es den Verantwortlichen immer noch ganz gut, die Menschen, die vor Krieg, Misshandlung und Armut geflohen sind, dezentral unterzubringen. Viele aber auch nur vorübergehend.

Sie müssen den Landkreis wieder verlassen, weil sie aus den Balkanstaaten stammen, weil sie in das Land zurückkehren sollen, in dem sie auf ihrer lebensgefährlichen Odyssee zuerst europäischen Boden betreten haben – um dort womöglich auf der Straße zu leben – oder möchten mit anderen Familienmitgliedern in anderen Städten zusammenengeführt werden.

So weit die aktuelle Situation vor unserer Haustür.

Überhaupt nicht glauben mag man dagegen, was sich in Städten ereignet, in denen die Flüchtlinge nicht dezentral untergebracht werden (können). Unzumutbare hygienische Bedingungen, Resignation, ethnische Konflikte aufgrund der räumlichen Enge und – vor allem – Ausländerhass.

Und das in Deutschland.

Zum Artikel

Erstellt:
2. August 2015, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 08sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.