Edda Hagebölling DH

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Guten Tag!

von Edda Hagebölling

„In der Nacht zum 1. April 1945 um 1.47 Uhr erschütterte eine gewaltige Explosion den Nienburger Bahnhof. Tiefflieger hatten einen mit Munition beladenen Zug beschossen. Das Bahnhofsgebäude war zerstört. Der Personentunnel verschüttet. Türen und Fenster der umliegenden Häuser flogen aus den Angeln, Eisenteile wirbelten durch die Luft, Verletzte irrten in der Nacht umher. Die Zahl der Toten, darunter viele junge Leute, wird mit 42 angegeben. Das Kriegsgeschehen hatte Nienburg erreicht.“ Der Artikel von Archivarin Patricia Berger über die Situation in Nienburg im April 1945 in der gestrigen Ausgabe der Harke dürfte an niemandem spurlos vorüber gegangen sein. Nicht an denen, die diese Zeit nur aus Erzählungen und Berichten kennen, und erst recht nicht an denen, die dabei waren. Einer von den Letztgenannten war Rudi Hermerding. Eigentlich wollte er mir nur kurz berichten, dass seine Männer natüüürlich bei der GAFA mitmachen, als er gestern Morgen anrief. Und dann erzählte er, dass auch er zu denen gehörte, die am 7. April aus der Stadt fliehen und sich mit einem Handwagen zu Fuß auf den Weg nach Sonnenborstel machen mussten, um dort bei einem Bauern eine vorübergehende Bleibe zu finden. Sieben Jahre alt war er damals. Dass Nienburg weitestgehend unzerstört blieb und die Menschen schon bald in ihre Häuser zurückkehren konnten, hatten sie Patricia Berger zufolge der Umsicht des damaligen Bürgermeisters zu verdanken. Zusammen mit zwei weiteren Stadtratsmitglieder war Wilhelm Beins am 9. April den Alliierten mit einer weißen Fahne in der Hand Richtung Meinkingsburg entgegen gegangen. Eine Bombe fiel dann allerdings doch noch: „Bei dem Versuch, die von den Engländern errichtete Behelfsbrücke zu zerstören, wurde am 19. April das Gebäudes der Haushaltungsschule getroffen, und wiederum kamen Menschen ums Leben.“ Getötet von den eigenen Landsleuten. Und Nienburgs Archivarin schreibt auch: „Flüchtlinge kamen durch die Stadt, mussten versorgt und untergebracht werden.“ Die Verwaltung des Landkreises Nienburg rechnet damit, dass in diesem Jahr ganze 628 Flüchtlinge aufgenommen werden müssen. Und betont die große Bereitschaft der Menschen in Stadt und Kreis, sich um die neuen Nachbarn zu kümmern. Sie können dezentral untergebracht werden, weil es genügend Menschen gibt, die Wohnraum zur Verfügung stellen. Wohnheime müssen sehr zur Erleichterung aller nicht errichtet werden. Sollten wir womöglich aus unserer Vergangenheit gelernt haben? Allen Leserinnen und Lesern einen schönen Sonntag. von Edda Hagebölling „In der Nacht zum 1. April 1945 um 1.47 Uhr erschütterte eine gewaltige Explosion den Nienburger Bahnhof. Tiefflieger hatten einen mit Munition beladenen Zug beschossen. Das Bahnhofsgebäude war zerstört. Der Personentunnel verschüttet. Türen und Fenster der umliegenden Häuser flogen aus den Angeln, Eisenteile wirbelten durch die Luft, Verletzte irrten in der Nacht umher. Die Zahl der Toten, darunter viele junge Leute, wird mit 42 angegeben. Das Kriegsgeschehen hatte Nienburg erreicht.“ Der Artikel von Archivarin Patricia Berger über die Situation in Nienburg im April 1945 in der gestrigen Ausgabe der Harke dürfte an niemandem spurlos vorüber gegangen sein. Nicht an denen, die diese Zeit nur aus Erzählungen und Berichten kennen, und erst recht nicht an denen, die dabei waren. Einer von den Letztgenannten war Rudi Hermerding. Eigentlich wollte er mir nur kurz berichten, dass seine Männer natüüürlich bei der GAFA mitmachen, als er gestern Morgen anrief. Und dann erzählte er, dass auch er zu denen gehörte, die am 7. April aus der Stadt fliehen und sich mit einem Handwagen zu Fuß auf den Weg nach Sonnenborstel machen mussten, um dort bei einem Bauern eine vorübergehende Bleibe zu finden. Sieben Jahre alt war er damals. Dass Nienburg weitestgehend unzerstört blieb und die Menschen schon bald in ihre Häuser zurückkehren konnten, hatten sie Patricia Berger zufolge der Umsicht des damaligen Bürgermeisters zu verdanken. Zusammen mit zwei weiteren Stadtratsmitglieder war Wilhelm Beins am 9. April den Alliierten mit einer weißen Fahne in der Hand Richtung Meinkingsburg entgegen gegangen. Eine Bombe fiel dann allerdings doch noch: „Bei dem Versuch, die von den Engländern errichtete Behelfsbrücke zu zerstören, wurde am 19. April das Gebäudes der Haushaltungsschule getroffen, und wiederum kamen Menschen ums Leben.“ Getötet von den eigenen Landsleuten. Und Nienburgs Archivarin schreibt auch: „Flüchtlinge kamen durch die Stadt, mussten versorgt und untergebracht werden.“ Die Verwaltung des Landkreises Nienburg rechnet damit, dass in diesem Jahr ganze 628 Flüchtlinge aufgenommen werden müssen. Und betont die große Bereitschaft der Menschen in Stadt und Kreis, sich um die neuen Nachbarn zu kümmern. Sie können dezentral untergebracht werden, weil es genügend Menschen gibt, die Wohnraum zur Verfügung stellen. Wohnheime müssen sehr zur Erleichterung aller nicht errichtet werden. Sollten wir womöglich aus unserer Vergangenheit gelernt haben?

Allen Leserinnen und Lesern einen schönen Sonntag.

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Erstellt:
19. April 2015, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 29sec

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