Edda Hagebölling DH

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Guten Tag

von Edda Hagebölling Fremdschämen war angesagt an jedem Sonntag im Advent, als sich das muntere Rommé-Kränzchen von Nienburg aus auf den Weg nach Hameln machte. Natürlich in aller Frühe. Und natürlich mit der Bahn. Und darum natürlich auch nicht, ohne dafür den farbenfrohen Bahnhofs-Tunnel zu passieren. Dieser vermittelte an diesem Morgen - mal wieder - den Eindruck, als hätten Schweine darin gehaust. Gereinigt wird montags, mittwochs und freitags. „Das erklärt alles“, so mein erster Gedanke. Aber andererseits auch nicht. Müssen im Bahnhof wirklich Flaschen zerschlagen und Essensreste entsorgt werden? Was für eine Zumutung für die Reinigungskräfte. Und was für ein Anblick für alle Bahnreisenden. Nicht zum ersten Mal kam mir in den Sinn: Was mag der Tourist wohl denken, der mit der Bahn in Nienburg ankommt? Ist nicht der Bahnhof eine der Visitenkarten einer Stadt?

Dass Nienburgs Bahnhof auch die Verwaltung unserer Kreisstadt nicht gleichgültig ist, wurde in mehreren Telefonaten deutlich. Seit dem 1. Januar werden die Bahnhofs-Toiletten - bisher ein weiterer Grund zum Fremdschämen - von städtischen Bediensteten gereinigt. Zweimal am Tag. Auch, um zu sehen, ob das die bereits erwähnten Schweine davon abhält, nicht auch noch an diesem Ort ihr Unwesen zu treiben. Und auch immer wieder den Bauhof auf den Plan zu rufen, weil wieder mal irgendwas repariert werden muss.

Immer wieder anrücken muss allerdings auch Nienburgs Feuerwehr. Weil die Fahrstühle nicht funktionieren. Auch ist der Anblick des seit dem Sommer verwaisten Bistros nicht dazu angetan, ein positives Bild auf die Stadt zu werfen. Ein neuer Pächter soll allerdings in Sicht sein. Lassen wir uns überraschen.

Als absolute Überraschung präsentierte sich besagtem Rommé-Kränzchen das mit 60 000 Einwohnern auch nicht übermäßig große Hameln. Ein gepflegter Bahnhof, ein ansprechendes Bistro, das zum Frühstücken einlud, beheizte Toiletten – die Nutzungsgebühr von einem Euro nahm man dafür gerne in Kauf – und ein - Sie ahnen womöglich, was jetzt kommt - überaus netter Weihnachtsmarkt.

Wenn Sie spätestens jetzt denken: Hat die eigentlich keine anderen Sorgen, gebe ich Ihnen Recht. Natürlich lassen auch mich die Auswirkungen des Attentats von Paris nicht kalt. Sollten wir aber nicht vielleicht doch respektieren, dass die Mehrheit der Moslems ihren Mohammed eben nicht gerne beleidigen lässt? Übrigens auch in Nienburg nicht.

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Erstellt:
18. Januar 2015, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 12sec

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