Guten Tag

Guten Tag

Edda Hagebölling DH

von Edda Hagebölling „Als Kinder haben wir auf den Trümmern des sogenannten Judentempels gespielt. Und uns überhaupt nichts dabei gedacht.“ Der Herr, der sich am vergangenen Sonntag an der Deichstraße in Hoya an der Gedenkstätte zu Ehren der jüdischen Synagoge einfand, konnte sich noch gut erinnern an die Jahre nach 1938. Nur ein paar Häuser entfernt war er aufgewachsen. Heute lebt er in Nienburg. Auch er hatte an diesem Morgen im nur ein paar Schritte entfernten „Filmhof“ den Film von Rolf Zacher gesehen. Eine beeindruckende Dokumentation über das Schicksal der jüdischen Familien in Hoya. „Wo sind sie geblieben?“ hieß der etwa einstündige Film, den rund 100 Menschen sehen wollten an diesem sonnigen Sonntagmorgen. Ein Film, der wunderbar geeignet ist, auch in Schulen oder Jugendgruppen gezeigt zu werden. Und auch dort, wo Erwachsene zusammenkommen. Judentempel. Diesen Begriff hatten die Nationalsozialisten mit Erfolg etabliert. In Erinnerung gerufen wurde, wie gnadenlos die jüdische Familie von nebenan ausgegrenzt wurde. Im Schützenverein genauso wie im Sportverein. Dass der Vater für Deutschland in den Ersten Weltkrieg gezogen war, spielte überhaupt keine Rolle mehr. „Kauft nicht bei Juden.“ Diesem Aufruf wurde in Hoya genauso Folge geleistet wie in Nienburg. Und wie überall in Deutschland. Mit der Folge, dass die jüdischen Familien, die nicht fliehen konnten oder wegen ihrer alten Eltern nicht wollten, im Armenhaus am Rande der Stadt landeten. Um von dort bequem deportiert zu werden zu werden. Leidtragende waren natürlich auch die Kinder. Ihnen wurde bereits 1937 verboten, noch länger die Schule zu besuchen. Der Film endete mit dem Hinweis, dass es aber auch Zivilcourage gab. Die Nachbarn versorgten eine Jüdin und deren Kinder mit Lebensmitteln. Und versteckten sie. Mit Erfolg. Weil ihr nichtjüdischer Ehemann sich geweigert hatte, sich von seiner Frau zu trennen, war ihm von seinem Arbeitgeber gekündigt worden.

Natürlich ist diese Geschichte nicht gerade dazu angetan, die Vorfreude auf Weihnachten zu wecken an diesem 1. Advent. Aber Totensonntag, Volkstrauertag und 9. November liegen ja auch noch nicht so weit zurück. Aber die Weihnachtsstimmung wird sich schon noch einstellen. Dazu werden in jedem Fall auch die zahlreichen Verstaltungen beitragen, die in den nächsten Wochen überall in Stadt und Kreis stattfinden. Ob Weihnachtsmarkt, Winterwald, Adventskonzert oder Vereinsfeier – Überall freuen sich die Organisatoren auch auf Ihr Kommen.