Edda Hagebölling DH

Edda Hagebölling DH

Guten Tag

von Edda Hagebölling

Vier Uhr morgens. Natürlich hatte man als brave Mutter den lieben Kleinen versprochen, sie nachts aus der LUG abzuholen. Außerdem um diese Zeit unterwegs: mehrere mit Lebensmitteln beladene Lkw und der Milchtankwagen von frischli. Am Drive In von „Macces“ hatten sich ein paar junge Leute (ohne Auto) versammelt, die beim besten Willen nicht verstehen konnten, dass ihnen der Mann hinter der Scheibe nichts mehr geben wollte. Etwas mehr Betrieb dann am Eingang zur Langen Straße. Die letzten Nachtschwärmer waren auf dem Weg nach Hause. Die Weihnachtsbeleuchtung war abgeschaltet, und auch der Weihnachtsmarkt hatte Ruh. Dafür mehrere Autos, deren Insassen möglicherweise ebenfalls auf ihre Sprösslinge warteten. Und was noch auffiel: in Teilen Nienburgs brannten bereits die Straßenlampen. Sehr zur Freude der Nachtschwärmer und ihrer braven Chauffeure, aber garanriert auch zur Freude der Zeitungsträgerin, die zu dieser Zeit bereits Am neuen Krug unterwegs war, um dafür zu sorgen, dass die Harke auch am Sonnabend pünktlich zum Frühstück auf dem Tisch lag. Und noch eine Beobachtung macht man in diesen Tagen: Paketdienste, die auch an den entlegendsten Orten des Kreises unterwegs sind, um Weihnachtsgeschenke auszuliefern. 60 Cent pro Päckchen erhält ein selbstständiger Paketdienstfahrer. Sein größter Wunsch an die Kunden: Seien Sie bitte zu Hause, wenn ich klingele, damit ich nicht zu viel Zeit verliere. Auch darüber macht man sich in der Regel überhaupt keine Gedanken. Gerne blendet man auch die Überlegung aus, dass jeder per Internet bestellte Artikel zum Sterben der Innenstädte beiträgt. Doch davon wird zumindest morgen und am Dienstag in Nienburg nichts zu spüren sein. Die Stadt wird voll sein von Menschen, die endlich Zeit haben, noch eine Kleinigkeit für ihre Lieben zu besorgen. Oder für das gemeinsame Essen einzukaufen. Für das Raclette an Heiligabend oder für die Weihnachtsgans am 1. und 2. Weihnachtstag. Gibt es auch für Sie nichts Netteres, als bei einem leckeren Essen zusammenzusitzen? Dass wir dabei die Nachbarin nicht aus den Augen verlieren, die wochenlang eine Operation nach der anderen über sich ergehen lassen musste und darum das Weihnachtsfest im Krankenhaus verbringen wird, versteht sich von selbst.

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Erstellt:
22. Dezember 2013, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 09sec

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