Edda Hagebölling DH

Edda Hagebölling DH

Guten Tag

Ob beim Brötchen holen, am Arbeitsplatz oder in geselliger Runde: überall gibt es nur ein Thema: den Mord an der jungen Irakerin. Fassungslosigkeit mischt sich mit Resignation. Ob Frauen aus diesen Kulturkreisen jemals eine Chance auf Gleichstellung haben werden? Zum Glück spricht niemand mehr von „Ehrenmord“. Ehrenmord, was für eine unsägliche Verniedlichung einer Tat, die durch nichts zu rechtfertigen ist. In meinen Augen prädestiniert, Unwort des Jahres zu werden. Neben dem deutschen Pendant, der „Beziehungstat“. Genauso schlimm. Schlimm aber auch, wie die Gerüchte ins Kraut schießen. Dabei würden sich besonders die Menschen aus dem Umfeld des Opfers so sehr wünschen, dass wieder Ruhe einkehrt. Wenn der flüchtige Täter doch nur bald gefasst würde. Oder irgendwo tot aufgefunden. Aber Selbstmord passt nicht zu solch einem Menschen, so die Einschätzung vieler. Um mit dem Unfassbaren fertig zu werden, treffen sich junge Leute aus dem Bekanntenkreis der ermordeten Souzan zurzeit nahezu täglich bei einer Familie in Hoya. Um miteinander zu sprechen und um nicht allein zu sein. Nicht alle haben Eltern, die in dieser absoluten Ausnahmesituation an ihrer Seite stehen. Gerne hätte ich an dieser Stelle mit der Nummer eines Kinder-Krisen-Telefons ausgeholfen. Bei allen Nummern, die ich getestet habe, kam jedoch nur die Ansage: Wir sind zurzeit im Gespräch. Rufe bitte später wieder an... Auch bei Facebook ist der Mord an der jungen Irakerin ein großes Thema. Allerdings stellen auch diese sogenannten sozialen Netzwerke eine unsägliche Plattform für Gerüchte aller Art dar.

Edda Hagebölling

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Erstellt:
11. Dezember 2011, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 48sec

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