Matthias Brosch Die Harke

Matthias Brosch Die Harke

15.08.2011 Von Matthias Brosch

Guten Tag

Als ich in dieser Woche über Oscar Pistorius las, war ich ganz ergriffen, weil diese Geschichten den Sport ausmachen. Er lief die 400 Meter in 45,07 Sekunden. Damit stellte er seinen persönlichen Rekord auf und unterbot die Norm für die Leichtathletik-Weltmeisterschaften. Jetzt bekam der Südafrikaner auch das noch ausstehende Okay seines Heimatlandes zum Start.

Bei der WM Ende August in Südkorea wird der 24-Jährige bei der Medaillenvergabe wahrscheinlich keine Rolle spielen, obwohl seine Zeit weltklasse ist. Allein seine Qualifikation ist ein großer Erfolg, das olympische Grundprinzip „Dabei sein ist alles“ erfährt eine ganz andere Bedeutung.

Pistorius rennt mit Prothesen, musste sein Teilnahmerecht vor einem Gericht erstreiten. Sportler wie er zeigen, dass Behinderte zu Höchstleistungen fähig sind. Der Auftritt unter den nicht-behinderten Konkurrenten wird viele Blicke auf sich ziehen. Dabei ist seine Qualifikation im Grunde ein Sieg der Normalität. Niemand kann dafür bestraft werden, dass ihm wegen eines Gen-Defekts im Alter von elf Monaten beide Unterschenkel amputiert worden sind. Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben steht jedem zu.

Ich jedenfalls kann die Kritiker nicht verstehen, die Pistorius wegen seiner Laufprothesen im Vorteil sehen. Es gibt zwar ein Gutachten, das den Nutzen der federnden Funktion herausstellt. Die Untersuchung blendet jedoch die Wettkampfsituation aus – bei einem Autorennen gewinnt ja auch nicht immer derjenige mit dem schnellsten Wagen.

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Erstellt:
15. August 2011, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 42sec

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