Edda Hagebölling DH

Edda Hagebölling DH

Guten Tag

Pädophile sind nicht heilbar. Davon ist Jutta Strüh überzeugt. Und sie bezieht diese Weisheit nicht etwa von irgendwelchen Stammtisch-Treffen. Als Mitglied im „Weißen Ring“ weiß die Wietzenerin nur zu gut, wovon sie spricht. Väter, Stiefväter, Freunde der Mutter, die Kinder über Jahre hinweg sexuell missbrauchen. Schon 42mal bekam es der „Weiße Ring“ in den ersten zehn Monaten dieses Jahres allein im Kreis Nienburg mit diesen Opfern zu tun. Mit Opfern, die ihrem Vergewaltiger vertraut, sich auf seine Fürsorge verlassen haben. Und dann vor Gericht – wenn sie sich denn überhaupt zu einer Anzeige durchringen können – auch noch erleben müssen, wie der feine Herr einen Teil seiner Strafe erlassen bekommt, nur, weil er freundlicherweise ein Geständnis ablegt und dem geschundenen Kind damit gnädigerweise eine Aussage erspart. Wie oft haben schon Schulklassen oder andere Interessierte völlig entsetzt den Gerichtssaal verlassen, weil sie mit eigenen Ohren anhören mussten, wie ein Vergewaltiger wieder nur zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Kaum vorstellbar, dass es sich bei diesen Richterinnen und Richtern um Mütter oder Väter handelt... Und ebenfalls kaum vorstellbar, was der jungen Frau angetan worden sein muss, deren Vergewaltiger zu immerhin fünf Jahren verurteilt wurde. Seit fünf Jahren wird sie vom „Weißen Ring“ betreut (siehe Bericht auf Seite 2). Sie war zehn, als der Missbrauch begann. Irgendwie hat sie immer gehofft, dass die Mutter dem Grauen ein Ende bereitet. Nicht selten sind es aber erst die Freundin oder der Freund, die das Opfer dazu bringen, die Vergewaltigung anzuzeigen. Oder die Nachbarin, die die Mutter darauf aufmerksam macht, dass der Sohn so häufig mit dem freundlichen älteren Herrn zusammen ist... Hat nicht jede Mutter einen angeborenen Beschützerinstinkt? Und müsste nicht jede Mutter wie eine Löwin um ihr Kind kämpfen, wenn dieses in Gefahr ist?

In der Hoffnung mit diesem finsteren Kapitel nicht die Freude auf den Beginn der Adventszeit verdorben zu haben, allen Leserinnen und Lesern einen schönen Sonntag. Edda Hagebölling

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Erstellt:
30. November 2008, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 05sec

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