Edda Hagebölling DH

Edda Hagebölling DH

Guten Tag

Wie wichtig ein Ort ist, an dem man seines verstorbenen Angehörigen gedenken, ihm von Zeit zu Zeit einen Blumenstrauß bringen kann, wurde gestern auf dem Friedhof am Kräher Weg deutlich. Inmitten des Gräberfeldes für anonyme Urnenbestattungen standen etliche Blumensträuße. Manche noch frisch, andere schon etwas verwelkt. In jedem Fall aber Zeugen dafür, dass Angehörige vor Ort waren, die ihre Verstorbenen nicht vergessen haben. 600 Menschen sind am Kräher Weg allein auf diesem Stück Erde bestattet. Anonym und zu Asche verbrannt. Die meisten aus finanzieller Not, wie Ralf Flatau, bei der Stadt auch für die Verwaltung der Friedhöfe zuständig, berichtet. Umso mehr freut es ihn, dass eine ältere Nienburgerin das Geld für einen Gedenkstein gestiftet hat, der im Zentrum des Urnenfeldes errichtet und – sofern keine Einwände bestehen – die Namen der Verstorbenen erhalten soll. Ebenso eindrucksvoll das Gräberfeld für die Mitmenschen muslimischen Glaubens. Sie haben einen eigenen Bereich, weil die Erde, in der sie bestattet werden, absolut rein sein muss. Es darf also noch keine andere Grabstelle an gleicher Stelle gegeben haben. „Als das Grab ausgehoben wurde, hat der Imam mit einem Navigationsgerät den richtigen Standort ermittelt“, erzählt Flatau. Der Körper des Toten muss in einer genau vorgeschriebenen Stellung gen Mekka ausgerichtet sein. Weitere Geschichten könnte Flatau noch zum geplanten Urnenbaum-Feld und zu vielen anderen individuellen Angeboten des städtischen Friedhofs am Kräher Weg erzählen. Auch der NABU hat gestern Führungen über den Friedhof angeboten. Er wollte verdeutlichen, dass ein solcher Ort auch Lebensraum sein kann. Lebensraum für zahllose heimische Vogelarten und Standort für viele heimische Gehölze. Denn dass ein Friedhof nicht nur Ort der Trauer und der Stille, sondern auch Schauplatz für Leben und Begegnung sein kann, weiß jeder, der schon einmal einen lieben Menschen verloren hat. Besonders bei schönem Wetter kann sich der Besuch auf dem Friedhof hinziehen. Man trifft Menschen, die man sonst nicht trifft, führt Gespräche, die man sonst nicht führt. Und genau das wollten auch die Veranstalter des „Tages des Friedhofs" aufzeigen. Sie können sich durchaus vorstellen, eine solche Veranstaltung in zwei, drei Jahren zu wiederholen. Nachhaltig war sie dagegen schon beim ersten Mal. Wer gestern keine Gelegenheit hatte, zum Kräher Weg zu kommen, kann sich die Mustergräber auch später ansehen. Sie bleiben erhalten und werden immer wieder neu bepflanzt.

Allen Leserinnen und Lesern einen schönen Sonntag

Edda Hagebölling

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Erstellt:
16. September 2007, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 17sec

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