Edda Hagebölling DH

Edda Hagebölling DH

Guten Tag

Ein deutschlandweites Zentralabitur und zentrale Abschlüsse an allen Haupt und Realschulen. Diese Forderung von Bundesbildungsministerin Annette Schavan erhitzt zurzeit die Gemüter. Dem spontanen „doch nicht noch mehr Reglementierung“ weicht womöglich im zweiten Schritt die Überlegung: Sollten Verantwortliche über diesen Vorschlag nicht doch einmal in Ruhe nachdenken? Gewiss. Schule ist auf Politik nicht besonders gut zu sprechen. Schon zu oft haben eifrige Kultusminister tolle Ideen entwickelt, die Lehrer und Schüler dann ausbaden durften. Aber das mit dem Zentralabitur und der damit einhergehenden einheitlichen Bildungspolitik mit einheitlichen Lehrplänen ist vielleicht doch keine so dumme Idee. Zwar werden die Kultusminister der Länder schon dafür sorgen, dass das Ganze nur ein Traum bleiben wird. Schließlich kann man sich doch den Spielball Schule nicht wegnehmen lassen. Doch dass Oberstufenschüler momentan nicht einmal vom Gymnasium Nienburg zum Gymnasium Verden wechseln können, ohne das Schuljahr wiederholen zu müssen, weil die Reihenfolge der vorgeschriebenen Kurse voneinander abweicht, ist wirklich unglaublich. Gar nicht auszumalen, wie es erst einem Schüler aus dem Kreis Nienburg ergehen wird, dessen Eltern – getreu der Forderung der Politik nach mehr Bereitschaft zur Mobilität im Berufsleben – ihrem Arbeitsplatz hinterherziehen und einen Job in der Peripherie Stuttgarts annehmen? Gewiss. Schulleitungen und Lehrer können sich gegen die Ideen ihrer Kultusminister nicht wehren. Eltern dagegen schon. Sie bekommen im Rahmen der Einführung der sogenannten eigenverantwortlichen Schule mit Beginn dieses Schuljahres schon einmal einen kleinen Eindruck davon, was es heißt, noch mehr mitreden zu dürfen als bisher schon. Und auch hier ist nicht ganz klar, ob man die Schulleitungen um diese Neuerung beneiden oder doch eher bedauern soll. Eltern, die mit den Lehrern ihrer Kinder an einem Strang ziehen und konstruktiv mitarbeiten wollen, sind ganz bestimmt ein Segen. Was aber, wenn deren Engagement in Hyperaktivität umschlägt? Solche Mütter und Väter sind sicherlich ebenso kontraproduktiv wie auf der anderen Seite jene Lehrer, die keinen Hehl daraus machen, eigentlich gar keine Lust auf Schule zu haben, die Annehmlichkeiten des Schuldienst aber gerne in Anspruch nehmen.

Allen Leserinnen und Lesern ein schönen Sonntag.

Edda Hagebölling

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Erstellt:
12. August 2007, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 08sec

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