Edda Hagebölling DH

Edda Hagebölling DH

Guten Tag

Das Weihnachtsfest bietet Gelegenheit, abseits vom Alltagsstress über viele Dinge nachzudenken. Denn wir haben nicht nur mehr Zeit, sondern hoffentlich auch die notwendige innere Ausgeglichenheit, die gerade in strittigen Fragen einen Kompromiss viel näher bringt.

Eines der bestimmenden Themen in der Vorweihnachtszeit war die Frage, ob die Nienburger Hindenburgschule einen anderen Namen bekommen soll. Darüber wurde und wird sehr intensiv und zunehmend auch emotional debattiert.

Sicherlich würde heute niemand mehr den Namen Hindenburg für eine Schule wählen. Das wurde in den vergangenen Wochen ausführlich und gut begründet.

Namensgebung ist immer auch eine temporäre Entscheidung. Folgende Generationen könnten bei jeder Schule, jeder Straße und jeder anderen Institution eine ähnliche Diskussion führen. Gibt es einen aktuellen Anlass für die Diskussion an der Hindenburgschule? Wenn nicht, sollten wir vielleicht respektieren, dass dieses Thema mindestens schon einmal umfassend diskutiert wurde – in den 80er Jahren mit dem Ergebnis, keine Änderung vorzunehmen. Welchen Respekt sind wir den Entscheidungen vorhergehender Generationen schuldig – sofern kein konkreter Anlass zum Handeln besteht?

Könnte es nicht sogar pädagogisch und gesellschaftspolitisch besonders wertvoll sein, dass sich gerade eine Schule mit dem Namen eines Militärführers in besonderem Maße für Frieden und Völkerverständigung einsetzt? Und damit unter Beweis stellt, dass die Deutschen gelernt haben, sich kritisch und differenziert mit ihrer Geschichte auseinanderzusetzen?

Die praktische Seite: Es wäre äußerst unklug, zunächst nur zu entscheiden "der Name soll geändert werden". Dann beginnt die Diskussion erst richtig, werden noch mehr jene auf den Plan gerufen, die solche Debatten ideologisch verbrämt führen: "Es darf kein Politiker sein", "Es muss unbedingt eine Frau sein", "Es darf keine Person Namensgeber(in) sein", usw. Das Ergebnis sehe ich bereits vor mir: Das Gymnasium erhält entweder einen völlig nichts sagenden Namen als aalglatten Kompromiss – oder schließlich doch einen hergesuchten Personen-Namen, gegen den niemand mehr etwas einzuwenden wagt, weil er oder sie dann als ewig Gestrige gelten würden.

Unterschiedlich denkende Menschen erheben ihre Stimmen gemeinsam gegen den bisherigen Namen. Werden Linke und die Frauenrechtlerinnen aber für den Namen Konrad Adenauer sein? Oder Linke und Rechte für Irma Bockelmann? Oder Frauenrechtlerinnen und Rechte für Willy Brandt?

Die Befürworter eines Namensänderung sollten einen Konsens erzielen, welchen neuen Namen das Gymnasium künftig tragen könnte. Dann wird man wirklich sehen, ob der alte oder der neue Name mehrheitsfähig ist.

Einen schönen 2. Weihnachtsfeiertag, einen guten Rutsch sowie ein gesundes und friedliches Jahr 2005 wünscht Ihre „HamS“.

Uwe Warnecke

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Erstellt:
26. Dezember 2004, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 18sec

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