Edda Hagebölling DH

Edda Hagebölling DH

Guten Tag

Nun haben also einige Politiker wieder einmal die Patentlösung in Sachen Bildungsmisere entdeckt: die Einheitsschule. Mit dieser Einrichtung werde man, so meinen die Ideenfinder, der Tatsache begegnen können, dass deutsche Schülerinnen und Schüler im internationalen Vergleich hinterherhinken.

Alter Wein in neuen Schläuchen, so könnte man die vermeintliche Lösung umschreiben. Schließlich war die in Niedersachsen gerade abgeschaffte Orientierungsstufe nichts anderes. Wobei erst nach dem beschlossenen Ende dieser Schulform in den Jahrgängen 5 und 6 auch die Befürworter auf den Plan kamen. Und plötzlich entdeckten viele, dass es auch Positives gab.

Doch zurück zur Einheitsschule. Kann das wirklich der Weg aus der Misere sein? Wie können dann noch vorhandene besondere Begabungen gefördert werden? Kann Leistung erreicht werden, wenn die Bandbreite sehr groß ist? Heißt es nicht zu Recht, dass immer der oder die Langsamste das Tempo bestimmt?

Zur Idee der Einheitsschule könnte sich auch noch die Idee der großen Einrichtungen gesellen. Die lassen sich nämlich besonders wirtschaftlich führen: Weniger Leitungspersonal, weniger Gebäudemanagement und vieles mehr. Nur eines geht dabei unter: die Individualität.

Sollten nicht vielmehr überschaubare Schulen mit hoher persönlicher Identifikation der Weg der Zukunft sein? Beflügelt vielleicht eher eine Konkurrenzsituation zwischen den Bildungseinrichtungen das Angebot und schließlich auch die Leistung von Lehrern und Schülern?

Soziale Unterschiede und vielleicht auch manches Konfliktpotential können gemildert werden, wenn in Schulen verschiedene Klientel zusammenkommen. Daran besteht kein Zweifel. Doch das darf kein Grund für eine prinzipielle „Gleichmacherei“ sein. Die hat noch nie funktioniert, weder in Schulen noch in Gesellschaftssystemen. Der Mensch ist und bleibt ein Individuum – und Leistungsbereitschaft ist eine persönliche Eigenschaft, die unterschiedlich stark ausgeprägt ist.

Vielleicht sollte erst einmal mit kleineren Maßnahmen versucht werden, den Bildungsstand zu verbessern. Wenn Schülerinnen und Schüler bis zur 4. Klasse fast ausschließlich geübte Diktate schreiben, dann mag dies die Fehlerquote senken, nicht aber das wirkliche Leistungsvermögen aufzeigen. Dies ist nur ein Beispiel.

Die Einheitsschule ist bisher noch eine Idee. Zum Glück.

Einen schönen Sonntag wünscht Ihre „HamS“.

Uwe Warnecke

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Erstellt:
19. September 2004, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 03sec

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