Edda Hagebölling DH

Edda Hagebölling DH

Guten Tag

Jahr für Jahr das gleiche Bild: Im „Sommerloch“ entdecken Politiker – und zunehmend auch andere selbst ernannte Meinungsbildner – Themen, die möglicherweise durchaus wert sind, diskutiert zu werden, denen aber genauso gut auch ohne viel Aufhebens begegnet werden könnte. In diesem Jahr ist es die deutsche Rechtschreibung, die mangels anderer Profilierungs-Alternativen zum Thema Nr. 1 erkoren wurde.

Zugegeben: So richtig glücklich sind die meisten Deutschen nicht mit den (nun schon etlichen Jahren alten) Beschlüssen der Kultusminister. Schließlich ist jede Veränderung immer mit neuem Lernen verbunden, und das bedeutet eben Aufwand und im Fall der Rechtschreibung auch manche Verunsicherung.

Ohne die Reform hätte es vermutlich sogar weniger Probleme gegeben. Das Ansinnen, die Rechtschreibung einfacher zu machen, wurde zumindest bei den Erwachsenen zu einem Eigentor.

Doch jetzt wieder alles zurücknehmen? Das ist ein Treppenwitz. Wem soll das etwas nützen? Kinder und Jugendliche, die in den vergangenen Jahren nur eine – nämlich die neue – Rechtschreibung gelernt haben, müssten jetzt eine Reform durchmachen, denn für sie ist die Rückkehr kein Zurück, sondern eine Veränderung der Rechtschreibung.

Niemand wird abstreiten, dass es auch vernünftige Änderungen im Rahmen der Reform gegeben hat. Beispielsweise der Einsatz des doppelten „s“ statt des „ß“ bei kurz gesprochenen Vokalen.

Warum muss aus der Debatte um den vernünftigen Einsatz der Rechtschreibreform jetzt wieder ein parteipolitisches Schauspiel werden? Das eine Lager dafür, das andere dagegen. Es kann doch nicht sein, dass die Meinung zu einer solchen Reform von Parteibüchern oder Grundsatzprogrammen abhängt!

Die deutsche Sprache hat über Jahrhunderte manche Veränderung mitgemacht. Warum lässt man nicht jene, die die alte Rechtschreibung beherrschen, einfach so schreiben, wie sie es kennen. Und die Jugend schreibt so, wie sie es gelernt hat und weiter lernt, also neu. Denn ohnehin wird es noch manches alte Buch geben, dass auch weiterhin gelesen wird.

In Sachen Rechtschreibreform sollte es kein „entweder, oder“ geben, sondern eine pragmatische Zwischenlösung. Aber so etwas lässt sich eben nicht medienwirksam ausdiskutieren. Schade!

Einen schönen Sonntag wünscht Ihre „HamS“.

Uwe Warnecke

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Erstellt:
15. August 2004, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 04sec

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