Edda Hagebölling DH

Edda Hagebölling DH

Guten Tag

Es gibt bekanntlich Dinge, über deren Sinn oder Unsinn lässt sich trefflich streiten: Anordnungen von Vorgsetzten, Benotungen von Lehrern, „Kreatives Schweißen“ als mit öffentlichen Mitteln geförderter VHS-Kurs, den Größenwahn von George W. Bush – wenn das an dieser Stelle nicht ein viel zu ernstes Thema wäre – und, ganz aktuell, den Girls’ Day. Am kommenden Donnerstag sind wieder alle Schülerinnen in Stadt und Kreis aufgerufen, in die sogenannten – zugegebenermaßen durchweg besser bezahlten – Männerberufe hineinzuschnuppern. Firmen, die dieser Thematik besonders aufgeschlossen gegenüber stehen, wie Avacon oder Engelhard – und sicherlich auch noch ein paar mehr –, laden alle interessierten Mädchen und nicht nur die Töchter ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu sich ein, um ihnen ein möglichst umfassendes Bild von einem gewerblich-technischen Beruf zu vermitteln. Und während viele Schulen ihre Schülerinnen grundsätzlich vom Unterricht befreien, die in das Berufsleben hineinschnuppern wollen, bekommen andere nur schulfrei, wenn sie auch wirklich einen „männlichen“ Arbeitsplatz aufsuchen. Doch Hand aufs Herz: Ist nicht ein Mädchen ein Mädchen und ein Junge ein Junge? Und was ist eigentlich mit den Jungen? Fallen sie nicht nach wie vor vor lauter Mädchenförderung hinten runter? Besteht nicht gerade in diesem Bereich eine große Diskrepanz zwischen den Theoretikern, die ihr Wissen aus Lehrbüchern beziehen, und den Praktikern, die Tag für Tag erleben, dass ein Mädchen nun einmal ganz andere Neigungen hat als ein Junge, beide aber gleichermaßen in ihren Stärken gefördert werden sollten? Natürlich können sich auch Schüler am „Girls’ Day“ vom Unterricht befreien lassen, um ihre Väter, Verwandten oder Nachbarn zur Arbeit zu begleiten. – Aber welches „Weichei“ macht das schon? Andererseits ist es natürlich wichtig, dass Schülerinnen und Schüler neben all der Theorie schon einmal Gelegenheit haben, Berufe kennenzulernen. Wäre es da nicht viel sinnvoller, den „Girls’ Day“ in einen „Pupil’s Day“ umzuwandeln, der alle – völlig losgelöst von irgendwelchen Ideologien – in diesen Genuss bringt?

Einen hoffentlich noch sonnigen Sonntag wünscht

Edda Hagebölling

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Erstellt:
18. April 2004, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 04sec

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