Edda Hagebölling DH

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Guten Tag

Einen Wertewandel prognostizierte Prof. Dr. Horst W. Opaschowski jetzt vor 330 Gästen beim S-Forum der Sparkasse Nienburg. Einen Wandel weg von der Ellenbogengesellschaft hin zu einer Verantwortungsgesellschaft.

Die Botschaft hört ein großer Teil der Bevölkerung sicherlich gern, allein der Glaube daran fehlt (noch) vielen. Zugegeben: Die Hilfsbereitschaft anlässlich der Flutkatastrophe entlang der Elbe war beeindruckend. Doch ist das wirklich ein Wertewandel oder eher nur eine einmalige, spontane Welle. Ebenfalls zugegeben: Terrorakte und Naturkatastrophen verändern das Bewusstsein der Menschen. Sinnhaftigkeit des Lebens zählt für viele möglicherweise wieder mehr als noch vor zehn oder fünf Jahren. Soziale Geborgenheit wird wieder zum erstrebenswerten Ziel - so jedenfalls sagt es Opaschowski voraus.

Sind das wirklich mehr als vorübergehende Trends? Sind es grundlegende Modifikationen unserer Gesellschaft? Oder ist Opaschowski doch eher der Opportunist, der den Menschen das als Forschungsergebnis verkauft, was sie gerne hören möchten?

Wenn der Professor die Besinnung auf moralische, auf innere Werte vorhersagt, so lässt sich das gedanklich nur schwer damit verbinden, dass er die Schere zwischen Arm und Reich, zwischen Spar- und Erlebniskonsumenten immer weiter auseinander klaffen sieht. Oder ist Sinnhaftigkeit für die einen Ersatz für mangelnden finanziellen Spielraum und für die anderen noch das Sahnehäubchen obendrauf?

Opaschowski zeigte sich auch in Liebenau angreifbar, weil er versuchte, durch Überzeichnung seine Positionen zu verdeutlichen. Das ist mutig, denn seit Jahren steckt er genau für diese Vorgehensweise immer wieder Kritik ein. Kein Wunder also, dass er die Chancen nutzt, sich zu rechtfertigen?

Wer hohe Bekanntheit genießt, kann viel bewirken. Positiv wie negativ. Denn mit einer These hat Opaschowski in jedem Fall Recht: Wissenschaftler und Gutachter werden gerne dann gehört oder zitiert, wenn deren Aussagen in den Kram passen.

330 Gäste in Liebenau dürften nach diesem Abend mit Botschaften nach Hause gegangen sein, die künftige Entscheidungen prägen könnten. Doch vermutlich werden viele nur jene Passagen in Erinnerung behalten, die ihren Wünschen oder Vorstellungen entsprechen.

Einen schönen Sonntag wünscht Ihre „HamS“.

Uwe Warnecke

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Erstellt:
10. November 2002, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 02sec

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