Edda Hagebölling DH

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Guten Tag

Das war vermutlich der „Witz der Woche“: Tennis-Oldie Boris Becker soll wieder für Deutschland antreten - im Davis-Cup. Vorgeschlagen hat das ausgerechnet jener Mann, der jahrelang ein besonders schlechtes Verhältnis zu „Bum-Bum-Boris“ hatte: Michael Stich, sein Erz-Konkurrent aus jenen Zeiten, in denen Tennis sogar dem Fußball den Rang abzulaufen schien.

Was hat nun Stich dazu bewogen, Becker wieder vorzuschlagen? Nicht etwa die Tatsache, dass der bis heute immer noch jüngste Wimbledonsieger aller Zeiten weiterhin Weltklassetennis spielen würde - nein, es ging Michael Stich viel mehr darum, dass mit einem solchen „Schachzug“ wieder für mehr Publizität gesorgt werden könne. Kein Wunder, dass Stich so denkt, schließlich hat sein Schaukampf mit Boris Becker mehr Zuschauer vor den Fernsehbildschirm gelockt als das gesamte Wimbledon-Turnier 2002.

Man sieht sehr schnell, was die Sport-Verantwortlichen heute bedenken müssen, vor allem in einem Sport, der alles andere als Hobby-Sport ist: Erfolg ist das eine, doch Erfolg ohne Öffentlichkeit zählt nichts, wenn Werbemillionen dahinter stehen. Ganz so falsch liegt Stich also nicht, wenn er versucht, das für die Publizität eines Sportes derzeit wichtigste Medium, das Fernsehen, mit derartigen Kapriolen wieder zu Übertragungen zu bewegen.

Stich hat sich mit diesem Vorschlag reichlich verbale Prügel eingehandelt. Da könne man gleich Popstars aufbieten, dann wäre wenigstens die Halle voll, so sagen Kritiker. In dieser Kritik steckt viel Wahres. Doch Stich hat nur gesagt, was viele andere denken: Es geht im Spitzensport viel zu häufig um Effekte, um Glamour und um Emotionen. Denn das lässt sich besser vermarkten.

Schade ist auch, dass insbesondere das Fernsehen nicht nur Stars machen, sondern im Gegenzug ganze Sportarten vom Renner zum Auslaufmodell degradieren kann. Ohne Sendezeiten fehlt die Breitenwirkung, der Mitgliederschwund im Tennisverband ist deutliches Zeichen.

Neben den beiden derzeitigen Top-Sportarten Fußball und Formel 1 bleibt so ziemlich alles andere auf der Strecke. Die Spartensender bringen häufig geschenkte „Konserven“ aus Übersee; Monstertrucks oder „Baumstammschubser“ erhalten unendlich viel Sendezeit. Doch heimische Sportler bleiben außen vor, selbst Weltmeisterschaften im eigenen Land werden gar nicht oder nur auf Regionalprogrammen übertragen. Schade, aber wohl nicht zu ändern, solange nur Kommerz und nicht Inhalt entscheidend ist.

Einen schönen Sonntag wünscht Ihre „HamS“.

Uwe Warnecke

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Erstellt:
8. September 2002, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 10sec

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