Auf Twitter sind viele US-Promis zur Zielscheibe von Hackern geworden. Foto: Monika Skolimowska/zb/dpa

Auf Twitter sind viele US-Promis zur Zielscheibe von Hackern geworden. Foto: Monika Skolimowska/zb/dpa

San Francisco 16.07.2020 Von Deutsche Presse-Agentur

„Harter Tag“ bei Twitter: Riesiger Hack prominenter Accounts

In einer beispiellosen Hacker-Attacke auf Twitter haben Unbekannte Profile von prominenten Nutzern wie Ex-US-Präsident Barack Obama und Amazon-Chef Jeff Bezos gekapert und einen Bitcoin-Betrug beworben.

Twitter versprach Aufklärung darüber, ob die Angreifer sich auch Zugang zu Informationen der betroffenen Accounts verschaffen konnten. Der Hackerangriff dürfte nicht ohne Folgen für das Vertrauen in die Plattform bleiben - zumal von der Attacke verifizierte Accounts betroffen waren und der Angriff offenbar von innen heraus erfolgte.

Nach ersten Erkenntnissen des Kurznachrichten-Dienstes wurden in einer koordinierten Attacke Twitter-Mitarbeiter mit Zugang zu internen Systemen ins Visier genommen. Seit Beginn der Corona-Krise arbeitet ein Großteil der Twitter-Beschäftigten von Zuhause aus. Zugleich berichtete die Website „Vice“ unter Berufung auf einen angeblichen Angreifer, sie hätten auch einen Twitter-Insider für seine Hilfe bezahlt. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig bestätigen.

Wenn Berühmtheiten wie Barack Obama auf ihren verifizierten Accounts - gut erkennbar durch das blau unterlegte Häkchen neben dem Namen - etwas schreiben, hat das Gewicht. „Ich gebe meiner Community wegen Covid-19 etwas zurück“: Mit diesen Worten und in Anspielung auf die Coronavirus-Krise begann die am Mittwoch verbreitete Botschaft, in der versprochen wurde, eingeschickte Bitcoins doppelt zurückzuzahlen.

Dafür missbraucht wurde nicht nur Obamas Profil, sondern auch die des demokratischen Präsidentschaftsanwärters Joe Biden, des früheren New Yorker Bürgermeisters Michael Bloomberg, des Rappers Kanye West, des Microsoft-Gründers Bill Gates sowie des Tesla-Chefs Elon Musk. Zumindest Musk war bislang nicht als Wohltäter aufgefallen, das hätte viele user misstrauisch machen können, die arglos auf den Link in dem Tweet geklickt haben.

Der Account des US-Präsidenten Donald Trump war nicht betroffen. Für Trump ist Twitter ein zentraler Kommunikationskanal, auf denen er immer wieder folgenschwere politische Entscheidungen verkündet.

Besonders alarmierend an der Attacke ist, dass es den Angreifern trotz aller Sicherheitsvorkehrungen gelang, in großem Stil ihre Botschaften auch über sehr gut geschützte Twitter-Accounts zu verbreiten. Mit diesem Zugang hätten sie statt einer kruden Bitcoin-Betrugsmasche zum Beispiel auch versuchen können, über falsche Tweets Aktienkurse zu manipulieren.

„Wir alle bedauern, dass dies passiert ist“, schrieb Twitter-Chef Jack Dorsey. „Ein harter Tag für uns bei Twitter.“ Sobald die Firma „ein besseres Verständnis“ von dem habe, was passiert sei, werde man die Öffentlichkeit so ausführlich wie möglich darüber informieren.

Auf ein in den Twitter-Nachrichten genanntes Bitcoin-Konto wurde schnell Kryptowährung im Wert von über 100 000 Dollar eingeschickt. Viele der Twitter-Accounts wurden zeitweise gesperrt, waren aber kurze Zeit später ohne die betrügerischen Nachrichten wieder online.

Mehrere Stunden lang konnten verifizierte Twitter-Profile größtenteils gar nicht twittern, weil der Dienst so eine weitere Verbreitung der Bitcoin-Betrugsmasche stoppen wollte. Ein US-Meteorologe, Derrick Snyder, sah sich gezwungen, eine offizielle Tornado-Warnung über seinen privaten statt über einen verifizierten Account des Nationalen Wetterdienstes abzusetzen. „Was für ein Chaos“, schrieb Snyder mit Blick auf den Hackerangriff.

Twitter hatte in der Vergangenheit immer wieder mal Probleme mit dem Kapern von Accounts - aber noch nie auf so breiter Front und bei so vielen prominenten Namen auf einmal. Schon das Ausmaß der Attacke legt nahe, dass diesmal nicht wie bei früheren Fällen etwa eine mit Twitter-Accounts verknüpfte App ausgenutzt wurde, sondern dafür direkt Systeme von Twitter eingesetzt wurden.

Die Accounts der Prominenten dürften mit komplexen Passwörtern sowie der sogenannten Zwei-Faktor-Authentifizierung geschützt sein, bei der zusätzlich noch ein frisch zugeschickter Code für die Anmeldung auf einem weiteren Gerät erforderlich ist. Über den Zugriff auf Twitter-Systeme ließen sich diese Sicherheitsvorkehrungen jedoch ganz offensichtlich aushebeln.

Twitter hatte die Sicherheitsvorkehrungen weiter verschärft, nachdem Unbekannte vor knapp einem Jahr Nachrichten über den Account des Firmenchefs Jack Dorsey verbreitet hatten. Der Dienst erklärte damals, seine Systeme seien nicht gehackt worden, aber eine Sicherheitslücke bei Dorseys Mobilfunk-Anbieter habe das Versenden der Tweets per SMS zugelassen. Zuletzt gelang es Ende Januar einer Gruppe, die sich „OurMine“ nennt, auf den Accounts mehrerer amerikanischer Football-Teams zu posten. Man habe damit zeigen wollen, „dass alles hackbar ist“, hieß es damals.

© dpa-infocom, dpa:200716-99-808418/9

In Tweets erwähnte Blockchain-Wallet

Tweet von Twitter

"Vice"-Bericht

Jason Koebler bei Twitter

Tweet Derrick Snyder

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Erstellt:
16. Juli 2020, 16:20 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 17sec

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