„Häufig fehlt der Blick dafür, was Opfer brauchen“

„Häufig fehlt der Blick dafür, was Opfer brauchen“

Leisten Trost und Beistand – und beraten: Frauke Pleines, Gisela Buschmann-Fricke, Sanchaya Sara Maria Demmer, Dr. Harald Herrmann, Peter Rosenkranz, Bernd Reinert, Roswitha Wilhelm, Wilfried Falldorf und Marita Gundlach (von links). Es fehlt Jaqueline Frese. Weißer Ring

Wer beruflich mit Kriminalitätsopfern zu tun hat, muss sich besser in deren Situation hineinversetzen können. Dies fordert der Weiße Ring am heutigen Tag der Kriminalitätsopfer. „Ob Anwälte, Richter oder Mitarbeiter von Behörden: Viele, die in ihrem Berufsleben mit Kriminalitätsopfern zu tun haben, gehen zu wenig auf deren Anliegen und Wünsche ein, da sie sich nicht hinreichend in deren Lage hineinversetzen können“, kritisiert [DATENBANK=3441]Peter Rosenkranz[/DATENBANK], Außenstellenleiter des Weißen Rings in der Stadt und im Landkreis Nienburg. „Das muss sich dringend ändern.“ Oft sei es nicht nur das Verbrechen selbst, an dessen Folgen Opfer körperlich und psychisch jahrelang leiden. Auch mangelnde Sensibilität derer, die beispielsweise im Verlauf eines Strafverfahrens mit Opfern in Kontakt kommen, sorge für zusätzliche Belastung. „Häufig fehlt der Blick dafür, was Opfer brauchen und was ihnen beim Verarbeiten der Tat hilft“, stellt Rosenkranz fest.

Der Weiße Ring fordert aus- und weiterbildende Einrichtungen der entsprechenden Berufsgruppen auf, die Perspektive von Kriminalitätsopfern fest in ihre Lehrpläne zu integrieren. „Es geht darum, das richtige Bewusstsein für die Situation von Opfern zu schaffen und so zu einem sensibleren Umgang mit ihnen beizutragen“, so Rosenkranz. Der Weiße Ring gibt seine über 40-jährige Expertise in Sachen Opferhilfe und Opferrechte bereits an Externe weiter. So bietet die Weiße-Ring-Akademie für Berufsgruppen, die mit Opfern in Kontakt treten, spezielle Seminare und Schulungen an: Zum Beispiel Seminare für Anwälte oder Polizisten zum Opferentschädigungsgesetz oder zur psychosozialen Prozessbegleitung.

Opferperspektive steht an oberster Stelle

Auch in der professionellen Aus- und Weiterbildung der eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steht die Vermittlung der Opferperspektive beim Weißen Ring an oberster Stelle. Opferhelfer durchlaufen unter anderem Seminare, in denen Inhalte zu den Themen Opferrechte in- und außerhalb von Strafverfahren vermittelt werden. Auch das Thema Psychotraumatologie nimmt einen hohen Stellenwert ein, um den richtigen Umgang mit traumatisierten Opfern zu erlernen. Ebenfalls wichtig ist das Thema Kommunikation, um in der Beratung und im direkten Kontakt mit Opfern den richtigen Ton zu treffen und die Balance zwischen Nähe und Distanz zu wahren.

Insgesamt rund 3200 ehrenamtliche Mitarbeiter sind in bundesweit 420 Außenstellen für den Weißen Ring im Einsatz. In Stadt und Landkreis Nienburg sind es 10 Mitarbeiter. Außer Peter Rosenkranz sind das Gisela Buschmann-Fricke, Sanchaya Sara Maria Demmer, Jaqueline Frese, Marita Gundlach, Frauke Pleines, Roswitha Wilhelm, Wilfried Falldorf, Dr. Harald Herrmann und Bernd Reinert. Sie leisten unter anderem Trost und Beistand, hören geduldig zu und begleiten bei Behördengängen. Darüber hinaus vermitteln sie materielle Hilfen oder nehmen ihre Lotsenfunktion wahr, um im Hilfenetzwerk des Weißen Rings weiterzuvermitteln.

Rosenkranz sagt: „Um unsere Hilfe für die Kriminalitätsopfer sichtbar zu machen: Im Jahre 2016 standen wir 67 Opfern in Stadt und Landkreis Nienburg mit Rat und Tat zur Seite.“

Ein weiteres Aufgabenfeld haben Rosenkranz und Falldorf übernommen. Sie sind Berater beim Fonds Sexueller Missbrauch, auch über die Kreisgrenze hinaus. Und zwar beraten und unterstützen sie Betroffene, die in ihrer Kindheit beziehungsweise Jugend sexuellen Missbrauch in der Familie oder in Institutionen erlitten haben.

Der Weiße Ring kümmert sich um Opfer von Straftaten, erhält aber keine staatlichen Zuwendungen. Wer einen Beitrag zur Hilfe von Kriminalitätsopfern leisten möchte, kann dies mit einer Mitgliedschaft beim Weißen Ring tun. Rosenkranz sagt abschließend: „Ihr Mitgliedsbeitrag macht unsere Hilfe erst möglich. Helfen Sie, Opfern zu helfen. Mit nur 2,50 Euro im Monat.“

Der Weiße Ring ist heute auf dem Nienburger Wochenmarkt mit einem Info-Stand vertreten. Informationen gibt es außerdem bei Peter Rosenkranz unter Telefon (05021) 9229122.