Der Fist bump – medizinisch halbwegs korrekt, symbolisch aber kein Ersatz fürs Hände schütteln. Meint unser Redakteur Philipp Keßler. Foto: Worawut - stock.adobe.com

Der Fist bump – medizinisch halbwegs korrekt, symbolisch aber kein Ersatz fürs Hände schütteln. Meint unser Redakteur Philipp Keßler. Foto: Worawut - stock.adobe.com

Nienburg 20.07.2020 Von Philipp Keßler

Hand drauf

Guten Tag!

Es war das Normalste der Welt: Egal, wo ich als Sportredakteur vorbeischaute, ob beim Fußballspiel des TuS Drakenburg, bei einer Partie der HSG Nienburg II in der Handball-Verbandsliga, beim Bundesliga-Turnier der Tänzer des TSC Blau-Gold Nienburg – ich traf immer viele vertraute Gesichter.

Das ist seit Corona sehr selten geworden. Wir begrüßten uns per Handschlag oder Händedruck, und das ist seit Corona komplett tabu. Auch bei uns in der HARKE-Sportredaktion ist es seit eh und je guter Brauch, ach was sage ich, Pflicht, sich morgens zunächst einmal per Handschlag zu begrüßen. Seit Mitte März muss ein kräftiges „Moin“ das nun ersetzen.

Aber was drückt dieses „Moin“ schon aus? Auf jeden Fall keine Verbundenheit. Das ist beim Handschlag anders. Immerhin für einen Moment hat man sich der gegenseitigen Gutartigkeit versichert, tritt mit Haut und Körper in Kontakt. Wer jemanden so nah an sich ran lässt, zollt ihm Respekt. Es ist ein Teil der Etikette. Wer zum Stammtisch ins Restaurant kommt, der kann sich nicht mir nichts dir nichts fröhlich auf den Stuhl setzen, ohne zumindest den Vertrauten die Hände zu schütteln. Diese Geste ist mehr als ein Gruß. Sie steht für: „Ich kenne dich, ich erkenne dich, ich anerkenne dich.“ Eben Ehrensache.

Und natürlich kennen wir alle jemanden, dem wir nie gern die Hand geben – aber auch das ist ein wichtiges Signal und würde verschwinden, wenn auch der Handschlag von Corona verschlungen würde.

Zu Beginn der Pandemie wurde viel mit dem Ellenbogen herumgerudert, inzwischen hat ein dubioser Faustgruß den Handschlag, hoffentlich nur vorübergehend, ersetzt. Ich fühle mich dabei jedes Mal wie ein Dealer im New Yorker Stadtteil Brooklyn.

Wenn man die Hygieneregeln nicht zum höchsten Leitwert unserer modernen Gesellschaft erklären will, gibt es es keinen Grund, den Handschlag für alle Ewigkeiten abzuschaffen. Es hätte vielmehr etwas Erbärmliches, sich vom Coronavirus dermaßen einschüchtern zu lassen, etwas für immer zu verbieten, das nur gerade in dieser Zeit mal nicht geboten erscheint. Hand drauf!

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Erstellt:
20. Juli 2020, 06:03 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 03sec

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