Fachkräfte verzweifelt gesucht: Tafel mit Stellenangeboten bei der Hannover Messe. Foto: Jochen Lübke/dpa

Fachkräfte verzweifelt gesucht: Tafel mit Stellenangeboten bei der Hannover Messe. Foto: Jochen Lübke/dpa

Berlin 25.12.2019 Von Deutsche Presse-Agentur

Handwerkspräsident: Wir haben „Riesenbedarf“ an Fachkräften

Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer sieht einen „Riesenbedarf“ an Fachkräften in der Branche, der zurzeit nicht gedeckt werden dann.

„Mittlerweile fehlen in fast allen Gewerken Fachkräfte - Hochbau und Tiefbau, Straßenbau und Gebäudetechnik, Sanitär, Heizung, Nahrungsmittel“, sagte Wollseifer der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Dadurch komme es auch zu Verzögerungen etwa bei Brückensanierungen oder dem Breitbandausbau. „Wir brauchen eine gezielte Fachkräfteeinwanderung, da sind sich alle einig.“ Anfang März 2020 tritt das Fachkräfteeinwanderungsgesetz in Kraft. Es soll qualifizierten Arbeitnehmern aus Nicht-EU-Staaten den Weg nach Deutschland erleichtern. Wirtschaftsverbände, Bundesregierung und Gewerkschaften hatten vor kurzem bei einem Spitzentreffen eine Absichtserklärung unterzeichnet, damit das Gesetz schnell wirken kann. So sollen Visaverfahren beschleunigt und die Möglichkeiten verbessert werden, dass Fachkräfte Deutsch lernen. Daneben geht es um die Anerkennung von Berufsabschlüssen. „Wir sind uns im Klaren darüber, dass nicht sofort 30.000 Fachkräfte vor der Tür stehen werden, wenn das Gesetz am 1. März kommt“, sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). „Wir werden vermutlich erst einmal mit kleinen Zahlen anfangen, die dann kontinuierlich steigen. Wenn wir einige Tausend Fachkräfte pro Jahr aus Drittländern bekommen, wäre das ein Erfolg. Wie viele es genau sein werden, darüber lässt sich nur spekulieren, das kann bei 5000, aber vielleicht auch bei 50.000 liegen.“ Es sei nun eine gemeinsame Aufgabe, in Drittstaaten Fachkräfte zu gewinnen, Berufsabschlüsse anzuerkennen, Fachkräfte bei Bedarf zu qualifizieren und zu vermitteln. „Das wollen wir alle zusammen machen. Das Gesetz muss unbürokratisch und unkompliziert angewendet werden.“ Die Zuwanderung von Fachkräften könne eine wirkliche Entlastung bringen, sagte Wollseifer. „Aber die bestehende Fachkräftelücke werden wir auch so nicht vollständig füllen können. Wir müssen deshalb weiter auch alle Potenziale in Deutschland fördern. Wir müssen Langzeitarbeitslosigkeit nachhaltig weiter bekämpfen und dafür sorgen, dass Langzeitarbeitslose in den ersten Arbeitsmarkt kommen. Wir müssen Frauen - gerade auch in technischen Berufen - fördern. Damit noch mehr Frauen überhaupt im Beruf tätig werden können, müssen die Bedingungen etwa durch mehr Kitas und Ganztagsbetreuung in den Schulen verbessert werden.“ Wollseifer forderte, in den Ausländerbehörden in Deutschland müssten gleiche Kriterien, Beurteilungen und Standards angewendet werden. „Die Ausländerbehörden müssen als „Welcome Center“ fungieren und nicht als Einwanderungsabwehrzentren, denn wir befinden uns im Wettbewerb mit anderen Einwanderungsländern.“ Derjenige, der eine berufliche Qualifikation habe und kommen wolle, schaue sich genau an, wie willkommen er sei. „Und da müssen wir dafür sorgen, dass sich Deutschland attraktiv nach außen darstellt. Es kommen nicht nur Fachkräfte, sondern auch ihre Familien. Das sollte man - anders als man es bei den Gastarbeitern in den 1960er Jahren gemacht hat - von Beginn an mitdenken.“ Mehr Fachkräfte sollen helfen, damit die Geschäfte im Handwerk auch mittel- und langfristig gut laufen. Für das Jahr 2019 rechnet Wollseifer mit einem Umsatzplus in der Branche von vier Prozent. „Für das nächste Jahr zeichnet sich zwar in einzelnen Gewerken eine weniger dynamische Konjunktur ab, doch für das Gesamthandwerk erwarten wir immer noch eine Drei vor dem Komma.“ Einige andere Wirtschaftsbereiche schwächelten aber, etwa die exportstarke Industrie. „Das betrifft Handwerker, die als Zulieferer arbeiten, also etwa im Maschinenbau oder in der Kfz-Branche“, so Wollseifer. „Hoch- und Tiefbau sowie der Straßenbau laufen weiter gut. Wir bekommen die Kabel gar nicht unter die Erde und die Brücken nicht saniert, weil Planungs- und Genehmigungsverfahren viel zu lange dauern und Fachkräfte fehlen.“

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Erstellt:
25. Dezember 2019, 11:33 Uhr
Lesedauer:
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