https://pixabay.com/de/london-parlament-england-ben-ben-530055/ Pixabay

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04.04.2018 Von Alan Smithee

Harter Brexit würde teuer zu Buche schlagen

Die Kanzlei „Clifford Chance“ und die Beratungsgesellschaft „Oliver Wyman“ haben in einem gemeinsamen Bericht aufgezeigt, dass ein harter Brexit extrem teuer für die Briten werden wird. Können sich die Europäische Union und die Briten nämlich auf kein neues Abkommen einigen, so werden die britischen Unternehmen Mehrkosten von rund 65 Milliarden Euro/Jahr stemmen müssen. „Die steigenden Kosten, die Angst vor einer verringerten Profitabilität und die Unsicherheit, wie es weitergehen wird, machen den Unternehmen extreme Probleme. Für viele Unternehmen wären die Mehrkosten auch das definitive Ende.“ Vor allem würden die Zölle und diverse andere Handelsbarrieren für steigende Preise und somit für Mehrkosten sorgen; auch die verbleibenden 27 Mitgliedsstaaten müssten weitaus tiefer in die Tasche greifen, wenn sie nach Großbritannien exportieren wollen.

Wie wahrscheinlich ist der Verbleib Großbritanniens in der Zollunion?

Bleiben beide Seiten auf ihren Standpunkten, so wird es kein neues Abkommen geben. Tritt dieser Fall ein, so würde der zukünftige Handel nach den Vorschriften der Welthandelsorganisation (kurz: WTO) geregelt werden. Die britischen Finanzdienstleister würde es am härtesten treffen; innerhalb der EU würden vor allem die Automobilbranche, die Chemieindustrie und die Landwirtschaft besonders stark betroffen sein. Eine Möglichkeit wäre die sogenannte Zollunion. Einigen sich die EU und die Briten auf ein derartiges Modell, so könnten die Kosten für beide Seiten halbiert werden. Jedoch sei Therese May, die britische Premierministerin, gegen einen Verbleib in der Zollunion. Schlussendlich möchte sich May nicht einschränken lassen, wenn es um eigene Handelsabkommen mit Indien oder China geht. Somit ist es auch keine Überraschung, dass die Angst vor drohenden Handelsbarrieren, die sehr wohl kommen werden, sofern es keine Einigung gibt, immer mehr in den Mittelpunkt jeglicher Debatten gerückt sind.

May liebäugelt mit eigenen Freihandelsabkommen

Aktuell sind die Briten noch ein Teil der sogenannten Zollunion. Die Mitglieder der Zollunion profitieren vom zollfreien Handel und von den verringerten Grenzformalitäten. Jedoch müssen sich die Mitglieder an bestimmte Regeln halten - so dürfen nur einheitliche Außenzölle gegenüber den Nicht-Mitgliedern verlangt werden. Genau das stört die britische Premierministerin. Sie will nämlich handelspolitisch unabhängig sein und eigene Freihandelsabkommen verhandeln. Jedoch sei diese Option, hier sind sich die Experten einig, keine tatsächliche Alternative zur Zollunion. Kommt es zu keiner Einigung, so hätte das natürlich auch Auswirkungen auf die Aktien- und Devisenmärkte, mitunter auch Kryptowährungen. Ein Anstieg der virtuellen Währunge und der Handel mit Bitcoin Cash, mit Aktien oder Devisen würde mitunter, aufgrund der unsicheren Zukunft, noch riskanter werden.

Noch ist keine Lösung in Sicht

Auch die deutsche Wirtschaft hofft auf eine baldige Lösung und den Verbleib Großbritanniens in der Zollunion. Ein Freihandelsabkommen, das aktuell im Raum steht, sei für die Unternehmen viel zu wenig. Der Meinung ist etwa auch der Hauptgeschäftsführer des „Bundesverbands der Deutschen Industrie“. Joachim Lang weiß aber, dass es schwer werden wird, da sich May von ihrem Vorhaben des harten Brexits kaum abbringen lassen wird. „Bisher muss man sagen, dass alle Verhandlungen, die geführt wurden, extrem enttäuschend waren. Normalerweise müssten zum aktuellen Zeitpunkt schon klare Vorstellungen präsentiert worden sein“, so Lang. Viel Zeit haben die EU und die Briten nicht mehr. Läuft alles nach Plan, so werden die Briten die Europäische Union im März 2019 verlassen. „Der Gedanke an die Zollunion darf trotzdem nicht verworfen werden. Aus wirtschaftlicher Sicht können Freihandelsverträge nämlich nie so weitreichend sein.“ Selbst einer der größten Unternehmensverbände Großbritanniens, die „Confederation of British Industry“ (kurz: CBI), sprach sich bereits für die Zollunion aus.

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Erstellt:
4. April 2018, 13:23 Uhr
Lesedauer:
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