15.09.2013

„Hass auf Katzen greift um sich“

„Amigo“ kann Kastrations-, Pflege- und Umsiedlungsanfragen kaum noch bewältigen

Nienburg. Wenn sich der Tierschutzverein „Amigo“ in den Vorjahren eher mit einer Flut von Katzenbabys konfrontiert sah, so hat sich der Schwerpunkt in 2013 dazu noch auf ein weiteres Problem verschoben: Die zunehmende Zahl der Streuner, verursacht durch die oftmals fehlende Einsicht zur Kastration, führt einerseits unter den Tieren zu einer stärkeren Verelendung und Durchseuchung mit immer mehr und neuen, zum Teil therapieresistenten Krankheitsbildern. Andererseits wächst in der Bevölkerung die Gewalt gegen die teilweise in ganzen Sippen auftretenden Tiere. Das wiederum zieht für „Amigo“ eine unerwartete Kostenexplosion nach sich, denn immer häufiger müssen neben den Kastrationen Kosten für aufwendige medizinische Behandlungen der verletzten und kranken Katzen bzw. die Aufzucht von Katzenbabys bewältigt werden. Über 50 Kastrationen gemeldet

„Allein Ende Juli wurden uns an nur zwei Tagen über 30 Katzen gemeldet, die alle kastriert und wünschenswerter Weise auch umgesiedelt werden sollten, da sie am Fundort zum Teil um ihr Leben fürchten müssten,“ berichtet der Verein. Kurze Zeit später kamen nochmals rund 20 weitere Meldungen hinzu. „Das können wir weder finanziell noch von den Unterbringungsmöglichkeiten her allein bewältigen“, so „Amigo“-Vorsitzende Christiane Prütz.

Fälle falsch verstandener Tierliebe häufen sich

Erschreckend seien zwei Tendenzen: Zum einen werde „Amigo“ immer häufiger gerufen, weil vor allem ältere Menschen Katzen angefüttert haben und nun körperlich, finanziell und aus Altersgründen dazu nicht mehr in der Lage sind, die Tiere zu versorgen. Die Angehörigen seien oft entweder nicht vor Ort oder nicht willens, die Verantwortung zu übernehmen. „In diesen Fällen haben wir es fast ausnahmslos mit mindestens sieben bis 20 unkastrierten Katzen je Futterstelle zu tun. In einem dieser Fälle kümmern sich Vereins-Mitglieder bereits seit fast zwei Jahren um die Katzen“, berichtet Christiane Prütz.

Da eine Kostenbeteiligung der „Verursacher“ des Problems meist nicht oder nur in verschwindend geringem Umfang möglich seien, müssten die Kosten dann in voller Höhe vom Verein getragen werden. Diese Menschen nehmen durch diese falsch verstandene Tierliebe auch billigend in Kauf, dass Nachbars kastrierter und gepflegter Freigänger sich Verletzungen oder Krankheiten zuzieht. „Auch darum setzt sich Amigo aktiv für die Einführung einer Kastrationspflicht im Landkreis ein“, betont die Vorsitzende.

Zum anderen führt das gehäufte Auftreten der Streuner bei nicht sehr katzenliebenden Nachbarn zu einer zunehmenden Gewalt gegen die Tiere. „Wir haben in einigen Fällen Hilferufe von Mitbürgern erhalten und auch unsere Hilfe angeboten, dann aber trotz Nachfragen keinen Kontakt mehr bekommen“, berichtet Christiane Prütz. Wochen später habe sie dann durch Zufall erfahren, dass plötzlich von einem Tag auf den anderen bis zu 20 Katzen verschwunden waren. Man hatte sich nach Aussagen der Anwohner für die günstigere „endgültige Lösung“ mittels Schrotflinte entschieden.

Besorgte Tierfreunde bieten uneinsichtigen oder überforderten Nachbarn ihre Hilfe an, die aber abgelehnt wird, weil „man es immer schon so gemacht hat“. Dann werfen die Katzenmütter eben zweimal im Jahr, und wenn die Babys einige Monate alt sind, dann ist man mit jemandem befreundet, der einen Waffenschein besitzt. Andere legen Giftköder aus, füttern Katzenwelpen mit Abfällen (ein Babys davon ist inzwischen gestorben) oder stecken wenige Wochen alte Katzenkinder in eine Regentonne und... Deckel drauf! Der nächste duldet eine regelmäßig Nachwuchs zeugende Katzenmutter viele Jahre auf dem Grundstück und möchte von heute auf morgen, dass „Amigo“ Mutter und Kinder umsiedelt bzw. die Katzenmutter vom Tierarzt einschläfern lässt.

Katzenmutter mittlerweile eingeschläfert

„Wenn wir dann die gewünschte Sofortlösung nicht parat haben oder anbieten wollen, werden die Tiere eben kurzerhand woanders ausgesetzt“, berichtet der Vorstand des Vereins. Die Katzenmutter ist inzwischen eingeschläfert, da sie hochgradig an Katzenaids erkrankt war.

Derzeit befinden sich einige Katzenbabys in der Obhut des Vereins, die alle auf ein Zuhause warten. „Die älteren, scheuen Tiere haben eine durchschnittliche Verweildauer von meist vier bis fünf Monaten, bis wir sie vermitteln können. Das ist sehr zeit- und kostenintensiv – und „Amigo“ erhält für diese Leistungen im Gegensatz zu den Tierasylen keinerlei öffentliche Zuschüsse. Trotz allem reicht auch diese Mühe mitunter nicht aus, wie im Falle Kater „Bobby“, der sich auch nach fast einem Jahr immer noch nicht anfassen lässt – aber erfreulicher Weise vermittelt werden konnte. DH

Wer den Verein „Amigo“ bei den vielfältigen Arbeiten unterstützen möchte oder noch ein Katzenbaby sucht, kann sich telefonisch unter 0 50 21/39 66 oder 01 75/4 44 08 75 sowie auf der Homepage unter www.amigo-tierschutz.de erkundigen. Dringend gesucht werden neben Tierpaten vor allem Pflegestellen sowie Rest- und Reiterhöfe, die Tiere aufnehmen können. Für finanzielle Unterstützung durch eine Spende auf das Konto 14 16 800 bei der Volksbank Nienburg, BLZ 256 900 09, ist der Verein ebenfalls dankbar.

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Erstellt:
15. September 2013, 00:00 Uhr
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