In der Praxis von Sabine Büchau in Wietzen tragen die Mitarbeiterinnen Mundschutz und Handschuhe. Foto: Büchau

In der Praxis von Sabine Büchau in Wietzen tragen die Mitarbeiterinnen Mundschutz und Handschuhe. Foto: Büchau

Landkreis 18.03.2020 Von Sebastian Stüben

Hausbesuch mit Anzug und Mundschutz

Physiotherapeuten kommen ihren Patienten sehr nahe – ihre Arbeit geht trotz Corona weiter

Sämtliche Sportgruppen und Fitnessangebote hat Sabine Büchau wegen der Corona-Epidemie abgesagt. Massagen und Krankengymnastik bietet die Masseurin in ihrer Physiotherapiepraxis in Wietzen und bei Hausbesuchen weiter an. Auch im Therapiezentrum von Edeltraud Krüger und Fabian Hapke am Nienburger Burgmannshof geht der Betrieb weiter – wenn auch in beiden Fällen unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen. Schließlich kommen die Therapeuten ihren Patienten bei den Behandlungen sehr nahe.

„Unsere Therapeuten tragen Handschuhe und Mundschutz bei Hausbesuchen“, sagt Büchau: „Außerdem desinfizieren sie sich selbstverständlich die Hände vor und nach den Behandlungen.“ Sie würde ständig im Austausch mit anderen Praxen und dem Berufsverband der Physiotherapeuten stehen, um mögliche Maßnahmen abzustimmen. „Es ist gar nicht so einfach, mit der Situation umzugehen“, gibt Büchau zu: „Jeder ist zurzeit damit etwas überfordert.“ Und jeden Tag gebe es neue Erkenntnisse und Vorgaben.

Hygienestandards hochgefahren

Auch am Burgmannshof haben Krüger und ihre Mitarbeiter die Hygienestandards nach eigenen Angaben in den vergangenen Wochen hochgefahren. „Für unsere Mitarbeiter ist eine Desinfektion selbstverständlich“, sagt Krüger: „Auch unsere Patienten werden mit Nachdruck angehalten, ihre Hände zu desinfizieren.“ Mitarbeiter bei Hausbesuchen tragen Handschuhe, Maske und Schutzkittel.

Bei Hausbesuchen targen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Therapiezentrums am Nienburger Burgmannshof Schutzkleidung. Foto: Therapiezentrum Burgmannshof

Bei Hausbesuchen targen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Therapiezentrums am Nienburger Burgmannshof Schutzkleidung. Foto: Therapiezentrum Burgmannshof

Damit bei einem möglichen Corona-Fall im Therapiezentrum nicht gleich die gesamten Mitarbeiter und Räumlichkeiten betroffen sind, haben Krüger und Hapke die Mannschaft aufgeteilt und räumlich voneinander getrennt. „Auch die Patienten sind aufgeteilt und werden nicht vermischt, sodass im Falle eines Falles weniger Menschen betroffen sind“, sagt Krüger.

Zahl der Behandlungen hat sich reduziert

Sowohl bei Büchau als auch bei Krüger und Hapke hat sich die Zahl der Behandlungen in den vergangenen Tagen reduziert. „Wir rufen beispielsweise unsere Hausbesuchspatienten an, ob sie weiter einverstanden sind, dass wir vorbeikommen“, sagt Büchau: „Gerade Kunden, die gesundheitlich angeschlagen sind, sagen dann auch schon einmal ab.“ Es seien auch nicht alle Behandlungen dringend, sagt die Masseurin.

Bei Patienten, von denen sie wusste, dass sie aus einem Skigebiet in den Alpen zurückgekehrt waren, hat Büchau den Termin zunächst einmal zwei Wochen nach hinten verschoben, um eine mögliche Corona-Infektion abzuwarten. Da müsse sie ihre Mitarbeiter schützen.

Bei uns sind einige Patienten in den vergangenen Tagen einfach nicht gekommen, weil sie gedacht haben, dass wir nicht mehr aufhaben.

Edeltraud Krüger, Physiotherapeutin

„Bei uns sind einige Patienten in den vergangenen Tagen einfach nicht gekommen, weil sie gedacht haben, dass wir nicht mehr aufhaben“, sagt Krüger: „Aber das stimmt nicht. Wir dürfen weiter aufhaben.“

Risikopatienten rät Krüger eine Rücksprache mit dem Hausarzt, ob der etwas gegen eine physiotherapeutische Behandlung einzuwenden hat.

Finanziell würde ihre Branche die Corona-Krise deutlich zu spüren bekommen, sagt Krüger – durch Behandlungsausfälle und den Mehrbedarf an Desinfektionsmitteln, Handschuhen, Mundschutzen und Schutzanzügen. Doch ohne geht es zurzeit nicht. „Wir hoffen dringend auf einen Nachschub“, sagt Krüger. Die Mittel gingen langsam zur Neige.

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Erstellt:
18. März 2020, 19:15 Uhr
Lesedauer:
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