Nienburgs Plattschnacker sind empört. Hagebölling

Nienburgs Plattschnacker sind empört. Hagebölling

Rohrsen 14.01.2017 Von Edda Hagebölling

Heimische Plattschnacker sind empört

Institut für niederdeutsche Sprache soll geschlossen werden / Resolution verfasst / Unterschriften gesammelt

Nienburgs Plattschnacker sind empört. Das Land Niedersachsen will, genau wie die Bundesländer Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein, die Förderung des Instituts für Niederdeutsche Sprache (INS) in Bremen zum 31. Dezember 2017 einstellen. „Für die Pflege der plattdeutschen Sprache wäre das eine Katastrophe“, sind sich die bekannten Heimatautoren [DATENBANK=2024]Eleonore Meyer[/DATENBANK] aus Haßbergen und Renate und [DATENBANK=2025]Manfred Dopieralsk[/DATENBANK]i aus Rohrsen einig. Sie haben sich der Resolution des Vereins „De Plattdüütschen“ angeschlossen und rufen noch bis einschließlich kommenden Mittwoch, 18. Januar, dazu auf, sich unter www.openpetition.de/!ins an der Online-Unterschriftensammlung zu beteiligen. „Das INS ist die Anlaufstelle für alle, die sich für den Erhalt der plattdeutschen Sprache engagieren“, betont Eleonore Meyer. Genau wie sie beziehen auch alle anderen Plattschnacker das Material für den Unterricht an Schulen oder für Kurse aus oder Gesprächsgruppen aus Bremen. „Das INS ist für uns wie eine Schatzkiste. Dort gibt es einfach alles, was für die Pflege der plattdeutschen Sprache wichtig ist“, so die Heimatautorin weiter. Einschließlich des Wörterbuchs, das alle zu Rate ziehen, die eine einheitliche Schreibweise für unerlässlich halten.

Plattdeutsch kommt vom Herzen und geht zum Herzen

Wie ernst des den Dreien ist, wird auch daran deutlich, dass sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit Unterschriften sammeln. Beim Neujahrsempfang in Haßbergen ebenso wie bei den Aufführungen der Sing- und Spielgemeinschaft Rohrsen oder dem jüngsten Plattschnackertreffen in Nienburg.

Und sie setzen auf die Unterstützung der heimischen Landtagsabgeordneten. „Soviel wir wissen, handelt es sich um eine Summe von 90 000 Euro. Das müsste doch wohl möglich sein“, so Manfred Dopieralski. Die ehemalige Kinderkrankenschwester Eleonore Meyer verweist zudem darauf, dass der Einsatz der plattdeutschen Sprache nicht nur für die Teilnehmer von „Plattsnutenkrings“ und anderen mehr oder weniger privaten Treffen, sondern auch in der Altenpflege enorm wichtig ist.

Aus eigener Erfahrung weiß sie: „Menschen, die in Krankenhäusern, Altenheimen oder Reha-Einrichtungen scheinbar teilnahmslos darauf warten, dass die Zeit vergeht, blühen regelrecht auf, wenn ich sie auf Plattdeutsch anspreche.“ „Plattdeutsch kommt vom Herzen und geht zum Herzen“, so die Hamburgerin.

Alle Drei erinnern daran, dass die niederdeutsche Sprache ursprünglich die Sprache der Hanse und darum so gut wie überall auf der Welt verbreitet war. „Die Matrosen konnten sich in allen Häfen der Welt problemlos auf Platt verständigen“, so Lore Meyer.

Deutlich werde das noch heute daran, dass beispielsweise viele ältere Russlanddeutsche Plattdeutsch sprächen. Auch erinnern sich die drei noch gut an die Erzählung von Waltraude Nolte. Die Holtorferin wollte ihre Schwester in New York besuchen. Als sie aber niemanden fand, der sie in Empfang nahm, bat sie einfach auf Plattdeutsch um Hilfe. Mit Erfolg.

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Erstellt:
14. Januar 2017, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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