05.05.2013

Heiße Nacht für hungrige Gäste

Himmelfahrt ist wieder Backtag im Estorfer Scheunenviertel / Bis zu 18 Bleche Butterkuchen

Estorf. Dunkle Nacht liegt überm Estorfer Schünebusch. Abgesehen von einem Rascheln im Laub und leisem Knistern in den uralten Eichen ist alles still. Lediglich in der Backscheune herrscht schon um 4 Uhr morgens geschäftiges Treiben: Am Himmelfahrts-Tag ist das Backteam des Heimatvereins schon in aller Frühe auf den Beinen, um den legendären Estorfer Butterkuchen vorzubereiten. An sich ist Butterkuchen kein so ungewöhnliches Backwerk. Doch mit dem Estorfer Kuchen muss es seine besondere Bewandtnis haben: Wie sonst ist es zu erklären, dass zum traditionellen Backtag im Scheunenviertel regelmäßig Gäste aus dem ganzen Landkreis, aus Diepholz, Minden und darüber hinaus anreisen, einige hundert Menschen, wenn das Wetter mitspielt? „Das liegt eben an unserem alten Original-Rezept und an der besonderen Herstellung!“, schmunzelt Heimatvereins-Geschäftsführer Rolf Bodermann. „So was gibt’s sonst ja kaum noch!“

Was genau dahinter steckt, wissen weder der Geschäftsführer noch die beiden „Heizer“ Heinz Grünhagen und Rudi Niemann.

Die Damen des Backteams, darunter auch Edda Walther, die seit Anbeginn dabei ist, machen ein großes Geheimnis um das Rezept und die mündlich überlieferten Tricks bei der Zubereitung. Kernstück der vom Geschäftsführer ins Feld geführten „besonderen Herstellung“ ist aber sicher der Lehmofen. Den ordentlich zu heizen, die Backbleche zum richtigen Zeitpunkt hineinzuschieben und – vielleicht noch wichtiger – zum richtigen Zeitpunkt auch wieder herauszuholen, ist eine Wissenschaft für sich.

Denn anders als moderne Hightech-Backstuben verfügt der an Hänsel- und Gretel gemahnende Ofen über keinerlei Temperaturanzeigen – es gibt nicht mal eine Uhr. „Das läuft alles nach Gefühl und überliefertem Wissen“, sagt Bodermann geheimnisvoll. „Deshalb kann man auch nie vorher sagen, wie viel Kuchen es wirklich gibt – 16 Bleche oder 18?“ Das, so ist von dem seit Jahren eingespielten Backteam zu erfahren, hängt von der Luftfeuchtigkeit und dem Luftdruck ab. Mit anderen Worten: Gefühlssache.

Am Donnerstag, 9. Mai, dem Himmelfahrts-Tag, ist es also wieder soweit. Ab 11 Uhr gibt es im Scheunenviertel den berühmten Kuchen; außerdem warten Kaffee, Würstchen kalte Getränke und eine Hobbykunst-Ausstellung auf die Besucher. Wer ein Stück frischen Butterkuchen ergattern will, sollte sich nicht zu viel Zeit lassen, denn die Spezialität findet traditionsgemäß sehr schnell Abnehmer.

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Erstellt:
5. Mai 2013, 00:00 Uhr
Lesedauer:
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