Helden mit Einkaufschip

Helden mit Einkaufschip

Waldemar Krongart hilft Risikogruppen beim Einkaufen – und sorgt dafür, dass hygienisch alles einwandfrei läuft. Foto: Stecklein

Hamsterkäufe, Streit um Klopapier, Corona-Partys: In Zeiten der Corona-Pandemie wird besonders deutlich, wie unterschiedlich Menschen mit Ausnahmesituationen umgehen. Einer, der die Situation ganz anders angeht, ist Waldemar Krongart aus Stolzenau.

Der 23-Jährige bietet seit einigen Tagen einen Einkaufsservice für Menschen an, die zur sogenannten Corona-Risikogruppe gehören.

Damit schließt sich der AOK-Auszubildende vielen Vorreitern im Internet an, die selbiges versuchen: Denn Alltag für genau diese Menschen zu erleichtern.

„Mein Vater gehört selbst zur Risikogruppe und da habe ich mir die Frage gestellt: Was macht er, wenn ich in Quarantäne kommen sollte? Da ist man glücklich, wenn man Hilfe von außerhalb bekommt und für mich ist es kein großer Umstand, weil ich ohnehin täglich einkaufen gehe,“ erklärt der 23-Jährige seine Idee und fügt an: „Kleinigkeiten erledigen, für andere Menschen – ich finde, das kann jeder.“

Krongart schätzt das Risiko eines schweren Ausbruchs der Infektion bei sich selbst für gering ein. „Für mich ist es nicht lebensgefährlich. So sehe ich das“, sagt der junge Mann deutlich. Deshalb sollten gerade weniger Betroffene für Hilfesuchende da sein, so Krongart weiter. Er möchte als Vorbild agieren, damit andere Bürger ebenfalls nachziehen und ihre Unterstützung anbieten.

Anstecken möchte er sich dennoch nicht, da gerade junge Menschen oft das Virus ohne Symptome übertragen würden. „Ich desinfiziere und wasche meine Hände regelmäßig und gründlich“, sagt der Auszubildende. Auch die Oberflächen der Lebensmittel würde er vor der Weitergabe desinfizieren, große Gruppentreffen und den Kontakt mit älteren Familienmitgliedern meiden, um sie zu schützen.

Ein kleiner Appell an die Gesellschaft: Bitte macht keine Hamsterkäufe.

Waldemar Krongart

Mit fünf bis sechs Personen stehe Krongart aktuell in Kontakt. Sobald Bedarf da ist, melden sie sich bei ihm. Da Krongart selbst flexible Arbeitszeiten habe, könne er direkt einkaufen und auch die Lebensmittel vorbei bringen. Die aktuelle Lage beeinträchtige jedoch die Hilfe. „Die Situation in den Supermärkten erschwert es leider ein bisschen. Nicht alle Produkte sind vorhanden. Da vielleicht noch ein kleiner Appell an die Gesellschaft: Bitte macht keine Hamsterkäufe. Andere Menschen sind auf diese Lebens- oder Hygienemittel angewiesen“, hebt der Stolzenauer hervor. Seit Tagen sind die Regale immer wieder leer und haltbare Lebensmittel trotz stetiger Nachlieferung kaum erhältlich.

Auch Blutspenden nicht vernachlässigen

Im Freundeskreis habe der 23-Jährige ebenfalls schon über dieses Thema gesprochen. Wenn er die Anfragen irgendwann nicht mehr selbst bewältigen kann, wollen ihm seine Freunde aushelfen. Auch das Thema Blutspenden solle laut Krongart mehr hervorgehoben werden. „So etwas darf man in der heutigen Zeit nicht vernachlässigen. Weniger Leute spenden, doch man sollte weiter dran bleiben und sein Möglichstes tun“, appelliert er.

Vom Corona-Virus selbst ist Krongart allerdings auch indirekt betroffen. Da er sich im dritten Lehrjahr befindet, stehen bald die Abschlussprüfungen an. Zumindest sind sie noch geplant, da die AOK einen eigenen Prüfungsausschuss hat und die Prüfungsverschiebung der IHK in diesem Bereich somit keine Auswirkungen hat. „Trotz allem befindet sich Deutschland in einer Ausnahmesituation und hier muss jeder seine persönlichen Abstriche in Kauf nehmen. Besondere Situationen verlangsamen besondere Maßnahmen,“ sagt der Auszubildende.

„In meinem konkreten Fall stört mich die Ungewissheit, ob meine Prüfung nun „nach Plan“ stattfindet oder doch verschoben wird. Alles in einem ergeben sich aber aus der aktuellen Situation natürlich erhebliche Nachteile, da alle Menschen nun viele andere Dinge im Kopf haben als eine Prüfung, die Arbeit oder Erfolge. Die Konzentration ist geschwächt“, gibt der 23-Jährige nüchtern zu.

Doch trotz der aktuellen Unsicherheit ist eines für Krongart gewiss: „Man sollte für einander da sein und gefährdete Menschen nicht im Stich lassen. Ich würde mich freuen, wenn auch andere, vor allem jüngere Menschen ebenfalls ihre Hilfe anbieten.“

Anfragen nimmt Krongart unter krongartwaldi@web.de entgegen. Auch weitere Helfer im Landkreis Nienburg haben sich gemeldet. In Nienburg möchte Aileen Wesemann helfen. Wer jemanden vermitteln möchte, meldet sich per E-Mail unter aileen.wesemann@gmail.com. Im näheren Kreis Marklohe/Lemke hilft Claudia Senning weiter. Sie ist unter Telefon (01 76) 42 06 18 93 erreichbar.