30.06.2013

Helfen nur, wo Hilfe nötig ist

Tierschützer: Katzenmütter oder Katzenbabys nicht zu voreilig in Obhut nehmen

Schessinghausen. Diese Zeit bringt viel Katzenelend mit sich. Und Tierschützer immer wieder an die personellen und finanziellen Grenzen. Und nicht nur das: Häufig werden ganze Katzenfamilien sich selbst überlassen, da die Katzenbabys nicht geplant waren, oder noch schlimmer: die Neugeborenen werden ohne ihre Mutter ausgesetzt, sich selbst überlassen oder auf verschiedenste Weise getötet. Selten sind die ausgesetzten Katzen in einem gesundheitlich guten Zustand. „Am häufigsten sehen wir bei den Tieren Katzenschnupfen, entzündete Augen, Flöhe, Würmer, Verletzungen und Mangelernährung“, berichtet Yvonne Rohde, Leiterin des Tierheims Schessinghausen.

FIP, Katzenaids, Leukose oder Katzenseuche werden durch unkastrierte Streuner immer weiter verbreitet und stecken auch Hauskatzen an. Diese drei Krankheiten raffen die freilebenden Katzen in einem qualvollen Tot dahin.“

Aber nicht jede freilaufende Katze ist herrenlos!

Aus diesem Anlass möchte das Tierheim Schessinghausen darüber informieren, wie Tierfreunde vermeintlich herrenlosen Katzen wirklich helfen können. Immer wieder erreichen die Tierschützer Anrufe von besorgten Anwohnern, die glauben, eine herrenlose Katze gefunden zu haben. Gerade jetzt, wo die ersten Maikätzchen geboren werden, steht das Telefon kaum still. „Zum Teil ist die Sorge dafür berechtigt, andererseits werde häufig viel zu schnell von Menschen eingegriffen“, weiß Tierheimleiterin Yvonne Rohde aus leidvoller Erfahrung.

So auch kürzlich geschehen: „Zu uns ins Tierheim wird ohne vorherige Kontaktaufnahme eine Fundkatze gebracht, die von der Finderin am 5. Juni zum ersten Mal gesichtet worden war. Da das Tier augenscheinlich unterernährt und voller Würmer war und zudem eine ältere Augenverletzung aufwies, nahm die ältere Dame die Katze bei sich auf. Was sie dabei übersah: die Katze hatte zu diesem Zeitpunkt Junge, deutlich zu erkennen am stark angeschwollenen Gesäuge. Laut Aussage der Finderin sei aber nie etwas von den kleinen Katzen zu sehen gewesen.

Das ist nicht ungewöhnlich, denn Katzenmütter verlassen zum Schutz der Jungtiere meist allein die „Kinderstube“, um auf Futtersuche zu gehen, damit das sichere Versteck nicht gefährdet wird. Oder sie setzen die frisch geborenen Babys um, so dass sich eventuell nur einzelne Tiere im „Nest“ befinden.

Helfen nur, wo Hilfe auch wirklich nötig ist!

Aber als wäre das nicht schon schlimm genug, dass eine säugende Katzenmutter von ihren Babys getrennt wurde, hat die Katze geschlagene zwei Tage in einem engen Transportkäfig gesessen und wurde erst dann völlig eingekotet ins Tierheim gebracht. Dadurch ist nicht nur der überaus menschenbezogenen Mutterkatze ihre Freiheit entzogen worden, sondern die kleinen Kätzchen werden es die zwei Tage ohne ihre Mutter nicht überlebt haben. Ein kleines Happy End hat das Ganze inzwischen aber trotzdem: Nachdem die Katzenmutter entwurmt und medizinisch versorgt wurde, hat sie im Tierheim zwei mutterlose Babys adoptiert und säugt nun die Kleinen.

In einem anderen Fall haben Besitzer eines Resthofes ein einzelnes Katzenbaby mit noch geschlossenen Augen gefunden und ins Tierheim gebracht. Auch hier ist nicht auszuschließen, dass die Mutter in der Nähe war. Das zu schnelle Eingreifen in solchen Fällen ist dann eher falsch verstandene Tierliebe. Um ähnliche Vorfälle zukünftig zu vermeiden, geben das Tierheim Schessinghausen und die Katzenhilfe „Amigo e.V.“ (www.amigo-tierschutz.de) gerne Auskunft.

In jedem Fall sollte ein vermeintlich herrenloses Tier immer einige Tage beobachtet werden, da auch nicht auszuschließen ist, dass es sich auch um Freigänger handelt, die ein Zuhause haben. Nur wenn Gefahr im Verzug oder das Tier verletzt ist, sollte der örtliche Tierschutz eingeschaltet und schnell gehandelt werden. Entsprechende Einfanghilfen stellen das Tierheim Schessinghausen und der Tierschutzverein „Amigo“ zur Verfügung, um die Katze schnell zum Tierarzt zu bringen. Dort kann ggf. auch ermittelt werden, ob das Tier einen Besitzer hat. Sollte sich kein Eigentümer finden lassen, handelt es sich um ein Fundtier und die Katze braucht einen Platz in einem Tierheim.

Derzeit beherbergt das Tierheim Schessinghausen neben den 44 ausgewachsenen Katzen diverse Katzenfamilien und zwei einzelne Babys (wie weiter oben berichtet), eines davon mit einer schweren und kostspieligen Bein-Verletzung! „Und das werden nicht die letzten Katzenwelpen sein, die dieses Jahr wieder zu uns kommen!“ so Yvonne Rohde.

Dringend benötigt: Futter für Katzenbabys!

Dem übrigen Katzennachwuchs und ihren Müttern geht es derzeit gesundheitlich gut, so dass die ersten Katzenkinder ab Anfang Juli in ein neues Zuhause umziehen könnten. Damit insbesondere die Katzenbabys gesund und artgerecht ernährt werden können, benötigt das Tierheim dringend Juniorfutter und Aufzuchtmilch oder finanzielle Unterstützung, damit das fehlende Futter etc. zugekauft werden kann und die medizinische Versorgung auch zukünftig gewährleistet werden kann.

Wer den Katzenkindern im Tierheim Schessinghausen helfen möchte, besucht am besten die Internetseite www.tierschutzverein-nienburg.de, kommt zu den Öffnungszeitenselbst vorbei oder informiert sich telefonisch unter 0 50 27/7 24, so Yvonne Rode. Über Spenden freut sich der Verein unter der Kontonummer 291 377 bei der Sparkasse Nienburg, BLZ 256 501 06.

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Erstellt:
30. Juni 2013, 00:00 Uhr
Lesedauer:
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